Migranten aus Afrika: Italien erwartet einen «Flüchtlings-Tsunami»
Aktualisiert

Migranten aus AfrikaItalien erwartet einen «Flüchtlings-Tsunami»

Italien hat in den letzten zwei Tagen 4000 Flüchtlinge von Schmugglerbooten geborgen. Die Regierung in Rom spricht von einem «Flüchtlings-Tsunami» und ruft den Notstand aus.

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Die Zahlen sind erschreckend: Allein in den letzten beiden Tagen hat die italienische Marine rund 4000 Bootsflüchtlinge im Mittelmeer aufgegriffen. Auch ein Toter ist laut italienischen Medien geborgen worden.

Seit Beginn des Jahres seien rund 15'000 Migranten gerettet worden, sagte Innenminister Angelino Alfano am Mittwoch dem staatlichen Radiosender RAI. «Die Zahl der Boote reisst nicht ab, der Notstand verschärft sich immer mehr», so Alfano weiter.

Flüchtlinge «wie KZ-Häftlinge» entlaust

Minister Alfano fordert Unterstützung der EU

Der Minister forderte Europa auf, Italien bei der Bewältigung dieses Problems zu helfen. 2013 zählte das Land insgesamt 43'000 Migranten, doch jetzt schon seien 15'000 Bootsflüchtlinge vor den Küsten abgefangen worden, meinte der Politiker.

In Libyen befänden sich 300'000 bis 600'000 Menschen auf dem Sprung nach Europa, ergänzte ein Sicherheitsoffizier in einem Radio-Interview. Diese Ausländer – aus Afrika, Syrien und anderswo aus dem Nahen Osten – seien keine Touristen in Libyen, sondern wollten Europa erreichen, um Asyl zu beantragen. Nach den Frühlingsstürmen müsse Italien mit einem «Flüchtlings-Tsunami» rechnen.

Wenn Hilfe, dann menschenwürdig

Das Land hatte im vergangenen Jahr eine Rettungsoperation gestartet, nachdem ein Boot mit Migranten vor Lampedusa gekentert war. Rund 400 Menschen waren damals ums Leben gekommen. Danach wurde die Aktion «Mare Nostrum» lanciert, bei der Kriegsschiffe, Drohnen und Helikopter mit Infrarot- und optischer Ausrüstung eingesetzt werden, um Flüchtlingsboote rechtzeitig ausfindig zu machen.

Auch wenn Italien seine Asylplätze von 20'000 wie geplant auf 40'000 erhöhe, reiche das nicht, sagte ein Sprecher des Innenministerium. Rom fordere seine Präfekturen in den Regionen auf, weitere Plätze bereitzustellen.

Wie die «Frankfurter Allgemeine» schreibt, beschwere sich die Hilfsorganisation Caritas, dass der Staat den Migranten jedoch «keine menschenwürdige Bleibe» biete. Die Kommunen seien überfordert. Auch das UN-Flüchtlingswerk UNHCR verlangte bei einer Anhörung im Parlament von der Regierung, endlich einen Flüchtlingsplan für 2014 festzulegen und auch privaten Hilfsgruppen Geld zu geben.

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