Dejan Stankovic: «Italien hat mehr Respekt vor mir»
Aktualisiert

Dejan Stankovic«Italien hat mehr Respekt vor mir»

Das dritte WM-Gruppenspiel gegen Italien ist der erste Gradmesser für die Beachsoccer-Nati. Aber sie hat mit Sandkönig Dejan Stankovic einen Trumpf im Ärmel.

von
E. Tedesco

Dejan Stankovic zählt zu den besten Beachsoccer-Spielern der Welt. Mit der Schweizer Nati spielt er an der WM gegen seine Liga-Teamkollegen aus Italien. (Video: Andre Gouveia)

Sandfussball steht vor allem für schöne und für viele Tore. Und beides gehört auch zu Dejan Stankovic wie das tägliche Zähneputzen. Seit zehn Jahren mischt der Aargauer in der Beachsoccer-Szene nicht nur mit, er mischt sie auch auf. Stankovic zählt nämlich zu den besten Spielern der Welt, wurde 2009 als Best Player von der Fifa ausgezeichnet und posierte mit den Rasenkönigen Kakà und Lionel Messi an der Gala in Zürich.

Dass Stankovic zum Sandkönig wurde, ist – wie so häufig im Leben – dem Zufall geschuldet. Auch er träumte einst von einer Karriere als Fussball-Profi, durchlief bei Muri sämtliche Junioren-Teams und schaffte es mit dem FC Winterthur bis in die Challenge League. Doch in der zweithöchsten Schweizer Liga wurde dem Stürmer rasch klar, dass er nicht über einen durchschnittlichen Kicker hinauskommen würde. Er verlor die Freude am Fussball, bis er 2005 Angelo Schirinzi kennenlernte und sich vom Sandfieber anstecken liess. «Dejan ist physisch stark und hat eine herausragende Schusstechnik. Das macht ihn zu einer Tormaschine», sagt der Schweizer Nati-Coach heute über seinen Star im Team.

Noch nicht in Normalform

Mehr als 230 Partien hat Stankovic seither im roten Dress absolviert, darunter 11 WM-Partien (7 Tore). Und er hat sich in der Szene einen Namen gemacht. Auch wenn er im eigenen Land meist unerkannt bleibt, ist er in der Sand-Szene ein Star, wird immer wieder als Gastspieler beim FC Barcelona eingeladen und sogar erkannt, wenn er in Rio de Janeiro an der Copacabana auftritt. In der Schweiz hat er einen grossen Anteil daran, dass die Nationalmannschaft sich unter den Top-5-Mannschaften der Welt etabliert hat und derzeit sogar auf Rang 3 hinter Russland und Rekord-Weltmeister Brasilien zu finden ist.

An der WM in Portugal läuft es dem Stürmer und dem Team derzeit aber noch nicht nach Wunsch. «Wir sind schlicht noch nicht auf dem Level, zu dem wir fähig sind. Aber zumindest sind die Resultate ein positives Zeichen dafür, dass wir schlecht spielen und trotzdem gewinnen können», sagt Stankovic nach zwei Gruppenspielen am Strand von Espinho.

Der Star hadert

Besonders hadert der Star in den Reihen der Schweizer mit sich selbst. «Ich habe erst ein Tor erzielt bisher – das ist schlicht zu wenig.» Das soll sich gegen Italien, den ersten richtigen Gradmesser, ändern. «Sie sind weder technisch und taktisch besser noch haben sie mehr Qualität als wir», sagt Stankovic etwas überraschend, zumal die Italiener in dieser Saison nur ein einziges Spiel verloren haben. Und zwar den Final an den Europaspielen in Baku – allerdings gegen Russland, die aktuelle Weltnummer 1. Stankovic weiter: «Sie haben einen unglaublichen Lauf und spielen wie in einem Rausch. Wenn es läuft, dann läuft es halt.»

Nach zwei Spielen führen die Italiener mit 10 erzielten Toren und 104 Schüssen (41 auf das Tor) die Turnier-Statistik an. «Wenn ich gegen Italien fünf Tore mache, ist es mit dieser Statistik nicht mehr weit her», so der fast 30-Jährige kämpferisch. «Ich habe immer meine Tore gemacht. Wir haben Respekt vor Italien, aber sie haben mehr Respekt vor mir.» Und schliesslich kennt er den Gegner aus dem Effeff, zumal er seit Jahren auch in der italienischen Meisterschaft (Catania, Milan, A.S.D. Terranova Terracina) mitmischt und mehrfach Meister und Cupsieger wurde.

Grosse Schweizer Fangemeinde in Portugal

An Unterstützung fehlt es der Nati nicht, um im Direktvergleich mit den Italienern (18 Duelle, 9 Siege und 9 Niederlagen) in Führung zu gehen. Die Equipe kann sich auf eine grosse und lautstarke Fangemeinde verlassen, die extra nach Portugal gepilgert ist, um die Nati auf dem Weg zu ihrem Wunschziel, nach 2009 (Zweiter in Dubai) wieder eine Medaille zu holen, zu unterstützen. «Wenn der Sand aus dem Getriebe ist, können wir jeden Gegner schlagen», sagt Stankovic. Er muss es wissen als Mann für schöne und für viele Tore.

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