Entmotorisierungswelle: Italien steigt aufs Velo um

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EntmotorisierungswelleItalien steigt aufs Velo um

Ein Projekt des italienischen Parlaments will den Verkehr ordnen: Tempo 30, Velowege, mehr Fussgängerschutz. Gleichzeitig werden dramatisch weniger Autos verkauft.

Rom war 1943 schon eine Velostadt: Zur Feier des Sturzes von Mussolini teilten sich etliche Leute ein Auto. Der Rest war auf dem Zweirad oder auf zwei Beinen unterwegs.

Rom war 1943 schon eine Velostadt: Zur Feier des Sturzes von Mussolini teilten sich etliche Leute ein Auto. Der Rest war auf dem Zweirad oder auf zwei Beinen unterwegs.

In Italiens Städten soll der Strassenverkehr in geordnetere Bahnen geführt werden. Dem Parlament liegt ein Projekt vor, das unter anderem Tempo 30, Velowege statt Parkplätze auf den rechten Strassenseiten und mehr Schutz für Fussgänger vorsieht.

Die Gemeinden Italiens haben sich verbündet, um diese Ideen durchzusetzen. Das Gesetzesprojekt kommt vom Gemeindeverband ANCI. «Wir wollen nicht dem Autoverkehr den Kampf ansagen, sondern alternative Formen der Mobilität fördern», betonte Vize-Verkehrsminister Erasmo D'Angelis laut römischer Tageszeitung «La Repubblica» am Sonntag.

Mit der Temporeduktion innerorts von 50 auf 30 soll die Zahl der Verkehrstoten gesenkt werden. 3650 Personen sind 2012 in Italien bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen, 260'500 Menschen wurden verletzt. Seit 2001 wurden 63'941 Verkehrstote in Italien gemeldet.

Velofahren stehe derzeit in Italien hoch im Kurs, meinte Vize-Verkehrsminister D'Angelis. Unter dem Druck der hohen Treibstoffpreise und der Krise verzichten immer mehr Italiener auf ein Auto.

In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Zahl der verkauften Privatautos von 2,5 Millionen auf 1,4 Millionen halbiert. Allein in diesem Jahr sollen weitere 150'000 Wagen weniger abgesetzt werden.

Autoverkehr geht zurück

Der Verkehr in den italienischen Städten ist um 34 Prozent zurückgegangen, geht aus einem Bericht des Automobilverbands ACI hervor. Experten sprechen von einer «Entmotorisierungswelle» in Italien.

Für das autobegeisterte Italien, in dem bis vor der Krise fast 700 Autos pro 1000 Einwohner unterwegs waren, ist der Velo-Boom eine Revolution. Die Zahl der verkaufen Velos im Land hat in den vergangenen Jahren ständig zugenommen. Nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands belief sich der Bestand 2012 auf 25 Millionen Stück.

Ein grosses Problem ist aber der Mangel Velowegen. Lediglich 4000 Kilometer stehen in Italien zur Verfügung. Die Schaffung von Velostrassen soll künftig von Städten und Gemeinden stärker gefördert werden, verlangt das italienische Umweltministerium. (sda)

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