Polizei nimmt Bande fest: Italiener simuliert Entführung – und landet drei Jahre lang in Jihadisten-Camp
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Polizei nimmt Bande festItaliener simuliert Entführung – und landet drei Jahre lang in Jihadisten-Camp

Die italienische Polizei hat ein Verbrechertrio festgenommen, das vorgetäuschte Entführungen anbot. Der Italiener Alessandro Sandrini hatte mit den Kidnappern eine simulierte Entführung vereinbart – dann kam alles anders.

von
Karin Leuthold
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Der Italiener Alessandro Sandrini wurde 2016 in der Türkei entführt. Im Sommer 2018 wurde ein Video veröffentlicht, in dem er die italienische Behörden um Hilfe bat.

Der Italiener Alessandro Sandrini wurde 2016 in der Türkei entführt. Im Sommer 2018 wurde ein Video veröffentlicht, in dem er die italienische Behörden um Hilfe bat.

Screenshot Youtube/TG2000
Sandrini hatte mit einer Bande aus Brescia eine simulierte Entführung vereinbart. Doch als er wie vereinbart in der Türkei ankam, wurde er tatsächlich verschleppt.

Sandrini hatte mit einer Bande aus Brescia eine simulierte Entführung vereinbart. Doch als er wie vereinbart in der Türkei ankam, wurde er tatsächlich verschleppt.

Screenshot Youtube/TG2000
Sandrini wurde drei Jahre lang in einem Jihadisten-Camp im Grossraum Idlib in Nordsyrien festgehalten. Am 30. März 2021 nahm die italienische Polizei seine drei Kidnapper fest.

Sandrini wurde drei Jahre lang in einem Jihadisten-Camp im Grossraum Idlib in Nordsyrien festgehalten. Am 30. März 2021 nahm die italienische Polizei seine drei Kidnapper fest.

Screenshot Youtube/TG2000

Darum gehts

  • Der Italiener Alessandro Sandrini wurde 2016 in der Türkei entführt und 2019 befreit.

  • Seine Entführer wurden am Dienstag in Italien festgenommen.

  • Das Trio arbeitete mit anderen Tätern in der Entführungsregion zusammen.

Die italienische Polizei hat am Dienstag in der Stadt Brescia in der Lombardei drei Männer festgenommen. Dabei handelt es sich um den Italiener Alberto Zannini und die beiden Albaner Fredi Frrokaj und Olsi Mitraj. Das Trio steckt hinter der simulierten Entführung des italienischen Unternehmers Alessandro Sandrini im Oktober 2016, die völlig aus dem Ruder lief.

Was war passiert? Die Entführer hatten Sandrini vorgeschlagen, ihn zu «entführen», um später gegen Lösegeld befreit zu werden. Doch dann ging alles anders: Nachdem Sandrini in der Türkei angekommen war, wie seine «Entführer» es bestellt hatten, wurde er tatsächlich nach Syrien verschleppt und drei Jahre lang in einem Camp bei Idlib von der Jihadisten-Miliz Turkestan Islamic Part, einem Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida, in Geiselhaft gehalten.

Razzia in Deutschland

Im Sommer 2018 ging ein Video um die Welt, in dem Sandrini in orangefarbenen Overalls vor bewaffneten Männern kniete und um seine Freilassung flehte. Im Mai 2019 wurde er schliesslich in einer koordinierten Aktion vom italienischen Geheimdienst, der Kriminalpolizei und der Krisenabteilung des Aussenministeriums befreit.

Die Ermittlungen ergaben, dass die Mitglieder der Bande ihre Opfer – in der Regel Geschäftsmänner – in die Türkei lockten, um eine Entführung zu simulieren. Doch einmal in Andana angekommen, wurden die Männer von einer Jihadisten-Gruppe tatsächlich verschleppt. Neben Sandrini war der Japaner Jumpei Yasuda gekidnappt worden. Auch er kam im Frühjahr 2019 frei. Eine ähnliche dritte Geiselnahme scheiterte. Die Entführer aus dem Raum Brescia sollen mit anderen Tätern in der Entführungsregion zusammengearbeitet haben, wie das italienische Portal TG24 berichtet.

Die Behörden vermuten einen islamistisch-terroristischen Hintergrund der Taten. Im Zusammenhang mit der Festnahme am Dienstag habe es auch eine Polizeiaktion mit Durchsuchung bei einer Person in Deutschland gegeben, teilten die Sicherheitsbehörden in Italien mit. Dabei wurden umgerechnet rund 97’000 Franken beschlagnahmt.

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