Kaugummis und Zigi-Stummel: Italiener staunen über schmutzige Stadt Zürich

Aktualisiert

Kaugummis und Zigi-StummelItaliener staunen über schmutzige Stadt Zürich

Italo-Komiker Fiorello war in Zürich – und störte sich am Schmutz auf der Bahnhofstrasse. Daraufhin berichtete auch ein italienischer TV-Sender über die Abfallsünden der Zürcher.

von
Marco Lüssi

Der italienische Komiker und Sänger Fiorello (55) reiste letzte Woche nach Zürich – am Wochenende hatte er im Kongresshaus zwei Auftritte. Zum Konzept von Fiorellos Bühnenshow gehört es, dass er über seine Erlebnisse in der Stadt berichtet, in der er gastiert. Und was er bei einem Spaziergang an Zürichs berühmtester Einkaufsmeile, der Bahnhofstrasse, erlebte, hat ihn gemäss eigenen Aussagen schockiert. Das zeigt dieses Video, das er bei seinem Spaziergang gedreht hat:

Kaugummis auf der Bahnhofstrasse

Kaugummis und Zigarettenkippe auf dem Boden: Dass es dies an der Zürcher Bahnhofstrasse gibt, erstaunt den italienischen Sänger Fiorello.

Quelle: Youtube

Fiorello, geboren in Sizilien, empfand Zürich als bei weitem nicht so sauber, wie er es erwartet hätte. Vor allem die unzähligen Kaugummis, die auf der Bahnhofstrasse kleben, erregten sein Missfallen, dem er genüsslich und theatralisch Ausdruck verlieh.

«Zürich ist eine Latrine!»

Und es wurde noch schlimmer: Fassungslos musste Fiorello weitere Abfallsünden konstatieren, die er wohl in seiner Heimat Italien, aber nie in der Schweiz erwartet hätte: Zigarettenstummel auf dem Boden, Papierchen – und sogar Hundekot. Ganz sicher war er sich im letzten Punkt aber nicht: «In der Schweiz muss man immer auch damit rechnen, dass es sich um Schokolade handeln könnte.»

Ein Begleiter von Fiorello, der aus Palermo stammt, ergriff die Initiative und hob Abfall auf. «Ein Palermitaner putzt Zürich», rief Fiorello aus. Das erbarmungslose Fazit des Komikers: «Zürich ist eine Latrine!»

Italienische TV-Sendung nahm das Thema auf

Fiorellos Video ist auch den Machern der Satire-Sendung «Striscia la Notizia» des Berlusconi-Senders Canale 5 aufgefallen. Sie entsandten eigens einen Reporter nach Zürich, um die Erkenntnisse von Fiorello vor Ort zu überprüfen. Und der bestätigte den Befund: Auch er stiess auf mehrere herumliegende Papierchen und auf eine weggeworfene Zigarettenpackung – und dies direkt vor dem Stadthaus.

Dort besuchte der italienische Reporter Anna Schindler, Direktorin Stadtentwicklung der Stadt Zürich, und überreichte ihr den «Tapiro d'oro» – einen Schmähpreis, den die Satire-Sendung verleiht (den Beitrag sehen Sie hier).

Zürich entfernt Kaugummis bewusst nicht

Warum aber kleben auf Zürichs Strassen so viele Kaugummis? Pio Sulzer, Sprecher des städtischen Tiefbau- und Entsorgungsdepartements, verweist auf Erhebungen, die gezeigt hätten, dass die Bevölkerung Kaugummis als «wenig störend» empfinde – ebenso wie Zigarettenstummel. «Darum wird Kaugummi auf Strassenbelag nicht weggemacht», so Sulzer zu 20 Minuten.

Möglich sei dies nur mit Megahochdruckgeräten. «Das wäre teuer, und der Belag würde beschädigt.» Das Kosten-Nutzen-Verhältnis spreche daher gegen die systematische Entfernung von Kaugummi.

EU-Studie: Zürich top, Italien flop

Die Verleihung des «Tapiro d'oro» nehme die Stadt Zürich im Übrigen mit «Humor und Stolz», sagt Sulzer: «Letztlich machen sich die Italiener über unsere hohen Sauberkeitsstandards lustig. Wir Zürcherinnen und Zürcher können mitlachen oder stolz sein oder beides.»

Und Sulzer verweist auf eine aktuelle EU-Studie. Diese hat erhoben, wie zufrieden die Europäer mit der Sauberkeit ihrer Städte sind. Zürich liegt dort auf dem dritten Platz. Am untersten Ende der Rangliste finden sich allesamt italienische Städte: Neapel, Rom und Palermo.

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