Einbürgerung: Italiener und Ösis pfeifen auf den roten Pass
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EinbürgerungItaliener und Ösis pfeifen auf den roten Pass

Neue Zahlen zeigen, welche Nationalitäten am häufigsten den roten Pass erhalten. Bei Russen ist er am beliebtesten, während Italiener lieber verzichten.

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Russen beantragen laut einer Studie der Uni Genf deutlich öfter den roten Pass als Italiener oder Österreicher.

Russen beantragen laut einer Studie der Uni Genf deutlich öfter den roten Pass als Italiener oder Österreicher.

Keystone/Christian Beutler
«Als Russin ist man Bürgerin eines Drittstaates, das Reisen mit dem russischen Pass ist extrem mühsam. Spontane Reisen sind unmöglich, jedes Mal ist ein Visum nötig», erklärt Galina Spirito. Die Russin befindet sich zurzeit im ordentlichen Einbürgerungsverfahren.

«Als Russin ist man Bürgerin eines Drittstaates, das Reisen mit dem russischen Pass ist extrem mühsam. Spontane Reisen sind unmöglich, jedes Mal ist ein Visum nötig», erklärt Galina Spirito. Die Russin befindet sich zurzeit im ordentlichen Einbürgerungsverfahren.

zvg
Ähnlich sieht es Olga Gehrig. Sie liess sich vor zwei Jahren einbürgern. «Man zahlt ohne Schweizer Pass bis zu 40 Prozent höhere Versicherungsprämien. Auch bei der Jobsuche hilft der rote Pass», so die gebürtige Russin. Diese Nachteile hätten die EU-Bürger weniger. «Der Druck, sich einbürgern zu lassen, ist bei diesen Nationalitäten deshalb wohl weniger hoch.»

Ähnlich sieht es Olga Gehrig. Sie liess sich vor zwei Jahren einbürgern. «Man zahlt ohne Schweizer Pass bis zu 40 Prozent höhere Versicherungsprämien. Auch bei der Jobsuche hilft der rote Pass», so die gebürtige Russin. Diese Nachteile hätten die EU-Bürger weniger. «Der Druck, sich einbürgern zu lassen, ist bei diesen Nationalitäten deshalb wohl weniger hoch.»

Wer seit zehn Jahren in der Schweiz wohnt und über eine C-Bewilligung verfügt, kann beim Kanton oder bei der Gemeinde ein Gesuch um Einbürgerung stellen. Erstmals legen nun die Eidgenössische Migrationskommission und die Uni Genf detaillierte Zahlen zur lokalen Einbürgerungspraxis vor. Dabei zeigt sich auch, bei welchen Nationalitäten das Schweizer Bürgerrecht besonders beliebt ist – und welche lieber verzichten.

Diese acht Nationen verfügen über die höchsten Anteile an eingebürgerten Personen (Zahlen in Prozent):

Spitzenreiter sind dabei die Russen, wie die Daten für 2011 bis 2017 zeigen. 10,3 Prozent der in der Schweiz wohnhaften Russen liessen sich laut der standardisierten Einbürgerungsquote ordentlich einbürgern. Diese standardisierte Quote geht von einer Standardbevölkerung aus, um Unterschiede zwischen den Nationalitäten beim Alter, dem Geburtsort und der Aufenthaltsdauer aufzuheben. Eine geringe standardisierte Einbürgerungsquote von 1,2 Prozent findet man hingegen bei den Italienern, der grössten ausländischen Gemeinschaft in der Schweiz. Am wenigsten lassen sich mit einer Quote von 0.7 Prozent die Österreicher einbürgern.

Diese acht Nationen verfügen über die geringsten Anteile an eingebürgerten Personen (Zahlen in Prozent):

Vorteile dank Schweizer Pass

Allgemein sind die Einbürgerungsquoten bei denjenigen Gruppen am höchsten, deren Sprache und Kultur sich stark von der Schweiz unterscheidet. Somit führen nach den Russen die Iraker (6,0 Prozent) und Inder (4,1 Prozent) das Ranking an. Geringe Quoten findet man vor allem bei den Schweizer Nachbarländern. Laut Philippe Wanner, Professor für Demografie an der Universität Genf, gibt es dafür zwei Hauptgründe. «Erstens sind internationale Reisen für Nicht-EU-Bürger mit einem Schweizer Pass erleichtert möglich. Zweitens ist für Menschen aus anderen Kulturkreisen die Einbürgerung ein Mittel zur besseren Integration und Zugang zum europäischen Arbeitsmarkt.»

SVP-Nationalrätin Barbara Steinemann sieht das kritisch: «Es ist problematisch, wenn Ausländer bei der Einbürgerung nur auf ihre eigenen Vorteile bedacht sind und die Integrationswille in den Hintergrund gerät». Deshalb müsse die Gemeinde genau hinschauen, ob die Einbürgerungskandidaten auch bereit sind, ihre Bürgerpflicht wahrzunehmen.

Allfällige Rückkehr ist entscheidend

Pascale Steiner von der Eidgenössischen Migrationskommission sieht das anders: «Wenn eine Person etwa bessere Chancen am Arbeitsmarkt erhält, kann sie wiederum mehr Steuern zahlen, was der ganzen Gesellschaft zugute kommt.» Ausserdem gebe es noch andere wichtige Gründe für ein Einbürgerungsgesuch, wie die Möglichkeit der Teilhabe an öffentlichen Entscheidungsprozessen. Laut Steiner lebt eine Demokratie davon, dass möglichst viele Bürger mitentscheiden können. Dieser Ansicht ist auch Wanner: «Besonders für Personen aus nicht demokratischen Ländern ist interessant, dass sie als Schweizer Bürger das öffentliche Leben mitbestimmen können. Auch gibt es vielfach einen emotionalen Bezug zur Schweiz, etwa weil der Partner Schweizer ist.»

Für den Einbürgerungswillen ist entscheidend, ob Pläne einer allfälligen Rückkehr ins Herkunftsland bestehen. Laut Wanner bestehen auch hier systematische Unterschiede zwischen den Nationalitäten: «EU-Bürger sind nicht an die Schweiz als Wohnort gebunden. Hingegen kommen Staatsangehörige von Nicht-EU-Ländern oft dauerhaft in die Schweiz, etwa weil die politische oder ökonomische Situation im Heimatland schwierig ist. Die Beantragung eines Schweizer Passes ist somit ein logischer Schritt.»

Statistische Methoden

Die rohen Einbürgerungsquoten werden berechnet, indem die Anzahl der Einbürgerungen durch die Zahl der entsprechenden Ausländergruppe dividiert wird. Standardisierte Quoten dienen in diesem Fall dazu, verschiedene Nationalitäten oder Städte vergleichbar zu machen. Somit geht man bei den standardisierten Quoten davon aus, dass die Bevölkerungsgruppen aller Nationalitäten bezüglich Alter, Geburtsort und Aufenthaltsdauer in der Schweiz gleich aufgebaut sind.

Die hier besprochenen Einbürgerungsquoten beziehen sich nur auf die ordentlichen Einbürgerungen. Nicht Teil der Analyse ist die erleichterte Einbürgerung, von der insbesondere ausländische Ehepartner oder Kinder von Schweizern profitieren. Allein der Bund ist dann für den Entscheid zuständig.

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