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Solidarität mit Carola RacketeItalienerinnen sollen ohne BH auf die Strasse

«Free Nipples Day» heisst es am Samstag in Italien. Das hat aber nichts mit Mode zu tun, sondern mit der Flüchtlingspolitik der EU.

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Aus Solidarität mit Schiffskapitänin Carola Rackete haben zwei Frauen aus Turin eine Initiative lanciert: Am 27. Juli 2019 sollen alle Frauen ohne BH auf die Strasse gehen.

Aus Solidarität mit Schiffskapitänin Carola Rackete haben zwei Frauen aus Turin eine Initiative lanciert: Am 27. Juli 2019 sollen alle Frauen ohne BH auf die Strasse gehen.

Pasquale Claudio Montana Lampo
Ein Modetrend ist das keineswegs: Die Initiative ist eine politische Aktion.

Ein Modetrend ist das keineswegs: Die Initiative ist eine politische Aktion.

Pasquale Claudio Montana Lampo
Die Initiantinnen Nicoletta Nobile und Giulia Trivero wollen damit «die inhaltslosen Debatten rund um den Fall Carola Rackete» thematisieren.

Die Initiantinnen Nicoletta Nobile und Giulia Trivero wollen damit «die inhaltslosen Debatten rund um den Fall Carola Rackete» thematisieren.

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Weg mit den BHs! Am kommenden Samstag sollen Frauen in ganz Italien einen Tag lang auf das Tragen eines Büstenhalters verzichten. Das fordern Nicoletta Nobile und Giulia Trivero mit ihrer Initiative «#freenipplesday». Mit einer neuen Modeerscheinung hat das aber wenig zu tun: Mit der Aktion wollen die zwei Organisatorinnen eigentlich «die inhaltslosen Debatten rund um den Fall Carola Rackete» thematisieren.

Die deutsche Kapitänin, die vor etwa einen Monat ihr Schiff «Sea-Watch 3» mit 40 Flüchtlingen an Bord trotz eines Verbots in den Hafen von Lampedusa gesteuert hatte, war in den Medien unter anderem dafür attackiert worden, weil sie keinen BH trägt. Dabei hat dieses Detail wenig mit der Tatsache zu tun, dass sich Italien und die anderen EU-Staaten mit der Umverteilung der geretteten Flüchtlinge aus dem Mittelmeer befassen müssen.

So sehen das eben auch Nicoletta Nobile und Giulia Trivero: «Unser Protest mag ironisch und provokativ wirken, hat aber ein sehr ernstes Ziel», sagen die Initiantinnen aus Turin. «Wir leben in einer Zeit, in der politische Debatten durch belanglose Details verdeckt werden. Diese lenken von den wichtigen Inhalten ab. Ausserdem werden sie dazu genutzt, um Frauen zu demütigen und den weiblichen Körper zu dämonisieren», erklärten Nobile und Trivero gegenüber «La Repubblica».

Ein friedlicher Versuch, gegen Hass zu protestieren

Die beiden Theater-Studentinnen wollen nicht zulassen, dass die «Aufmerksamkeit verlagert» wird, wie es in «einigen rechtsgerichteten Medien» geschehe. Als sie von der Kontroverse rund um den BH-Verzicht von Schiffskapitänin Rackete hörten, seien sie «schockiert und entmutigt» gewesen, sagen die Frauen.

Ihre Einladung an alle Frauen, einen Tag lang keinen BH «bei der Arbeit, im Unterricht oder beim Einkaufen in der Stadt» zu tragen, sei ein «friedlicher Versuch», auf den Hass hinzuweisen, den Frauen oft im Alltag erleben.

Bislang haben sich ein paar Dutzende Italienerinnen für den Event angemeldet. Auch ein paar Männer wollen mitmachen: Statt aber einen BH auszuziehen, wollen die männlichen Teilnehmer einen tragen.

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