18.10.2020 12:53

Gegen das CoronavirusItalienische Bahn macht mehr für den Schutz der Passagiere als die SBB

Die SBB hinkt im internationalen Vergleich hinterher. Italienische, deutsche und österreichische Zugbetriebe gehen bei der Umsetzung der Massnahmen gegen das Coronavirus weiter als die Bundesbahnen.

von
Bianca Lüthy
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Volle Züge und Pendlerströme sind an Schweizer Bahnhöfen nichts Aussergewöhnliches. Andere Länder haben seit der Pandemie jedoch Massnahmen gegen das Coronavirus ergriffen, das Zugreisen sicherer zu machen. 

Volle Züge und Pendlerströme sind an Schweizer Bahnhöfen nichts Aussergewöhnliches. Andere Länder haben seit der Pandemie jedoch Massnahmen gegen das Coronavirus ergriffen, das Zugreisen sicherer zu machen.

Keystone
Bei der SBB gilt lediglich eine Maskenpflicht. Desinfektionsmittelspender sucht man in Schweizer Zügen vergeblich. 

Bei der SBB gilt lediglich eine Maskenpflicht. Desinfektionsmittelspender sucht man in Schweizer Zügen vergeblich.

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Pendlerströme werden an SBB-Bahnhöfen nicht gelenkt, so dass ein sicheres Durchkommen möglich wäre. 

Pendlerströme werden an SBB-Bahnhöfen nicht gelenkt, so dass ein sicheres Durchkommen möglich wäre.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Die Schweizer Züge hinken im internationalen Vergleich betreffend Hygiene-Massnahmen hinterher.

  • In Italien stehen gegen das Coronavirus in Zügen Desinfektionsmittel und Schutzmasken zur Verfügung.

  • Auch jeder zweite Sitzplatz ist abgesperrt; in der Schweiz gibt es aber keine Absperrungen.

Jeder zweite Sitzplatz ist abgesperrt, Pendler erhalten einen Beutel mit Schutzmaske, Desinfektionsmittel und einem frischen Tuch für die Kopfstütze – so pendeln die Italiener während der Coronavirus-Pandemie von A nach B. In der Schweiz werden in Zügen – abgesehen von der Maskenpflicht – keinerlei Massnahmen umgesetzt.

Die italienische Bahn hat Schilder an den Türen angebracht, die zeigen, wo Passagiere ein- und aussteigen können. Pfeile am Boden weisen die Richtung an, sodass kein Gedränge entsteht. Im Zug weisen Pfeile am Boden die Richtung, damit kein Gedränge entsteht und Behälter mit Desinfektionsmittel wurden angebracht, wie die «SonntagsZeitung» berichtet.

Spender mit Desinfektionsmittel gibt es bei der SBB keine. Auch die Kapazität hat die SBB nicht eingeschränkt. Auf Anfrage der SonntagsZeitung sagt eine SBB-Sprecherin: «Das Schweizer Schutzkonzept im öffentlichen Verkehr basiert auf den Empfehlungen und Massnahmen des Bundes zum Gesundheitsschutz.»

Man wollte «unaufgeregt» bleiben

Weshalb die SBB darüber hinaus keine kundenfreundlichen Massnahmen treffen, bleibt offen. In einem Interview mit dem «Tages Anzeiger» verwies der SBB-Chef Vincent Ducrot darauf, dass in Italien strengere Regelungen gelten als in der Schweiz. «Bei uns war die Weisung – auch von der Politik –, möglichst unaufgeregt zu operieren.» Und was ist mit Corona-Beuteln auf längeren Strecken? «Die Schweizer Kunden wollen nicht bevormundet werden. Darum bin ich mir nicht sicher, ob so ein Hygiene-Täschchen gut ankommen würde», so Ducrot.

Nicht nur in italienischen Zügen werden Hygiene-Regeln gross geschrieben. Auch die Bahngesellschaften in Österreich und Deutschland gehen mit ihren Schutzkonzepten gegen das Coronavirus weiter als die SBB. So gibt es zum Beispiel in der Schweiz keine Bussen für Personen, die keine Maske anhaben. In Österreich müssen diese 40 Euro Busse zahlen.

Hohe Kapazität trotz Coronavirus

«Im Rahmen des neuen Fahrplans werden bis Jahresende unsere Railjet- und Nightjet-Züge mit neuen Desinfektionsmittel-Spendern in den WC-Anlagen ausgestattet», so eine Sprecherin der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Zudem können Pendler im Zug eine Maske sowie Handdesinfektionsmittel kaufen. Auch in Deutschland kann man im Zugrestaurant eine Maske für 1,50 Euro kaufen. «Masken und Desinfektionsmittel gibt es in zahlreichen Läden in unseren Bahnhöfen zu kaufen sowie an den Selecta-Automaten», heisst es bei der SBB. Im Zug selbst gibts weder Masken noch Desinfektionsmittel.

Trenitalia, die italienische Bahn, hat die Kapazität der zum Verkauf stehenden Tickets eingeschränkt. So werden auf Langstrecken 50 Prozent weniger Tickets angeboten, bei Regionalzügen sind es 20 Prozent weniger. In Österreich hat man die Kapazitäten nicht eingeschränkt. Die Deutsche Bahn behält sich vor, den Ticketvorverkauf auszusetzen, wenn sich eine hohe Auslastung abzeichnet. Bei der SBB ist davon nicht die Rede. So wird auch zu Stosszeiten die volle Kapazität ausgeschöpft – ohne abgesperrte Sitzplätze, dafür mit Maskenpflicht.

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141 Kommentare
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Kontrolleur

19.10.2020, 20:03

Bei der italienischen Bahn zahlen vielleicht die Fahrgäste auch die Dienstleistung die sie beanspruchen, nicht so wie bei uns wo sehr viele einfach mitfahren und von den nicht funktionierenden Apps profitieren. Hauptsache die Tickets sollen via Handy gelöst werden, auch wenn es nicht funktioniert.

Nachgehakt

19.10.2020, 16:48

Alle die,die Italienisch Eisenbahn bevorzugen dürfen gehen,ich fahre weiter dankbar mit der SBB.

Schibli

19.10.2020, 08:55

Samstag 17. Oktober HB Zürich 12.15 Uhr Gleis 33 eine S Bahn 3 Wagen ich konnte 18 Personen zählen ohne Maske und 4 waren ohne Maske aber am Salate Essen und leider aussen zwei älteren alle Jung Wenigstens hatten im IC 8 nach St. Gallen alle im Wagen eine Maske an, nun frage an die Jammeris was muss die SBB oder der Bundesrat machen? ich wüsste was Militär wie in China Russland oder auch in Frankreich natürlich mit geladener Waffe