Italienische Firma verkauft ab 2023 keine Hitler-Weine mehr

Weinflaschen mit dem Abbild von Adolf Hitler und Benito Mussolini in einem italienischen Geschäft.

Weinflaschen mit dem Abbild von Adolf Hitler und Benito Mussolini in einem italienischen Geschäft.

imago images/Pietro Scozzari
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Flaschen mit NazisymbolenItalienische Firma verkauft ab 2023 keine Hitler-Weine mehr

Getränke mit Hitler-Etikett schockieren seit Jahren immer wieder Reisende in Italien. Ein Weingut, das solche Flaschen herstellt, will diese ab kommendem Jahr aus dem Sortiment nehmen.

von
Johanna Senn

Bier- und Weinflaschen mit den Konterfeis von Diktatoren wie Adolf Hitler oder Benito Mussolini sorgen schon seit Jahren in Italien bei Touristen und Touristinnen für Empörung. Ein grosses Wein-Unternehmen, das solche Flaschen herstellt, will die Produktion dieser Weine nun einstellen.

Vini Lunardelli ist ein Weingut im Nordosten Italiens, das von der Familie Lunardelli betrieben wird. Zum Geschäft des Unternehmens gehören Weine der selbsternannten «historischen Linie». Diese Flaschen sind mit Etiketten versehen, die unter anderem das Abbild von Sissi und Napoleon zeigen, aber auch Diktatoren wie Stalin, Mussolini und Hitler aufgedruckt haben.

Für diese «historische Linie» von Weinen ist bald Schluss.

Für diese «historische Linie» von Weinen ist bald Schluss.

imago images/BILDGENTUR-ONLINE

Nachfrage bei Deutschen besonders hoch

Auf der Website kann man das Wein-Etikett sogar mit Zitaten aus dem Nationalsozialismus versehen lassen. «Leider ist das meistgefragte Label in unserer historischen Reihe Adolf Hitler. Vor allem bei Touristen aus Deutschland, aber auch bei vielen Briten, Nordländern, Franzosen und Russen», sagt Winzer Andrea Lunardelli zu «Vice».

Dabei beteuert der Winzer, dass er «absolut kein Nazi» sei. Auch das Unternehmen insistiert, dass ihre «historische» Wein-Linie nicht politisch sei. Die Flaschen seien viel mehr für Menschen gedacht, die sich «der Geschichte erinnern» wollen, und es gebe auch eine Kundennachfrage danach.

Nazisymbole in der Schweiz

In der Schweiz sind Nazisymbole wie der Hitlergruss oder das Hakenkreuz nicht in jedem Fall strafbar. Diese Symbole sind in der Schweiz nur dann verboten, wenn es sich um Propagandazwecke handelt. Diskussionen und Vorstösse, dies zu ändern, gibt es aber schon seit geraumer Zeit.

Erst im Februar wurde das Nazi-Symbol-Verbot vom Bundesrat abgeschmettert. Zwar hält es der Bundesrat für unbestritten, dass das «Zur-Schau-Stellen und Instrumentalisieren» solcher Kennzeichen vor allem etwa für die Opfer des Holocausts von Kennzeichen des Nationalsozialismus «schockierend und sehr belastend» sein können. «Jedoch vermag die öffentliche Verwendung rassistischer Symbole ohne Propagandazweck die Menschenwürde und den öffentlichen Frieden nur mittelbar zu beeinträchtigen», äusserte sich der Bundesrat Anfang Jahr zum Thema.

«Respektlose Marketingstrategie»

Ganz anders sieht das die jüdische Menschenrechtsorganisation Simon Wiesenthal Zentrum, die schon seit den 1990ern gegen den Wein ankämpft. «Wenn die Leute solche Flaschen kaufen, gehen sie nach Hause und stossen auf das an, wofür Hitler stand. Und das ist empörend», sagt Rabbiner Abraham Cooper, der Direktor des Zentrums für globale soziale Massnahmen. Der Wein richte sich klar an faschistische Sympathisanten und Sympathisantinnen, die die Verbrechen von Hitlers Nazi-Regime glorifizieren.

«Antisemitismus, Rassismus und Hass sind nicht mit Adolf Hitler in einem Bunker gestorben. Und jetzt, im Jahr 2022, vermarkten Leute damit Wein», sagt Cooper. Auch das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus in Deutschland äussert sich gegenüber «Vice»: «Die Marketingstrategie ist respektlos gegenüber allen Opfern des Naziregimes und ihren Nachkommen.» 

Hast du schon einmal solche Flaschen in einem Laden gesehen?

Ab nächstem Jahr aus dem Sortiment

Winzer Andrea Lunardi verspricht, dass es die Linie mit «historischen» Weinen ab 2023, wenn er das Unternehmen von seinem Vater übernehme, nicht mehr geben werde. Er möge die Linie nicht und habe die Kontroverse darum satt.

Für Shimon Samuels, Direktor internationaler Beziehungen des Simon Wiesenthal Zentrums, sei dieser Schritt nur ein schwacher Trost. Schon früher seien diese Weine aus dem Sortiment genommen worden, nur um später wieder zurückzukehren.

Bereits in der Vergangenheit sorgten Hitler-Weine für Protest. 2009 entdeckte eine Jüdin aus Frankreich die Weine mit dem Hitler-Abbild bei der Lebensmittelkette Carrefour in Italien. Das Geschäft entschuldigte sich und nahm die Flaschen aus dem Handel. 

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Antisemitismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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