Ilaria Salis' Vater: «Will einfach, dass sie freikommt»

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Italienische Gefangene«Will, dass sie freikommt»: Salis' Vater appelliert an die Behörden

Die Bilder schockierten Italien: Ilaria Salis wurde in einem ungarischen Gericht in Ketten dem Richter vorgeführt. Jetzt appelliert Salis' Vater an die Behörden.

Hier wird Ilaria Salis in Ketten dem Richter in Budapest vorgeführt.

20min

Darum gehts

  • Eine Polizistin führte die 39-jährige Italienerin Ilaria Salis am Montag in Budapest an einer Kette dem Richter vor.

  • Die Bilder schockierten Italien, Salis' Anwalt und ihr Vater sprachen davon, dass sie behandelt werde wie ein Tier.

  • In der italienischen Presse meldete sich am Mittwoch erneut der Vater zu Wort. Es bestehe Hoffnung, dass Salis bald freikomme.

«Es gibt nicht mehr viel zu sagen. Was kann ich wollen? Einfach nur, dass Ilaria so schnell wie möglich freigelassen und unter Hausarrest gestellt wird. Es gibt Zeichen der Hoffnung.» Das sagt Roberto Salis gegenüber der italienischen Zeitung «Il Giornale». Roberto Salis ist der Vater von Ilaria Salis, die seit über einem Jahr in einem ungarischen Gefängnis in Untersuchungshaft sitzt.

Die Bilder von Salis' Vorführung beim Richter gingen um die Welt und schockierten Italien: Gefesselt an Händen und Füssen und von einer Polizistin an einer Kette festgehalten – so wurde die 39-Jährige am Montag in den Gerichtssaal in Budapest geführt. Seit knapp einem Jahr sitzt die Norditalienerin dort in Untersuchungshaft. Sie wird beschuldigt, bei Demonstrationen im Februar 2023 zusammen mit anderen Menschen mehrere Neonazis angegriffen zu haben.

«Anzeichen, dass sie bald freikommen könnte»

Salis' Vater ist 58 Jahre alt, sardischer Herkunft, wohnhaft in Monza, derzeit freiberuflicher Ingenieur, Ehemann und Familienvater. An die Öffentlichkeit getreten ist er gegen seinen Willen. Jetzt schöpft er Hoffnung: «Es gibt Anzeichen dafür, dass Ilaria freikommen könnte. Wir haben uns mit dem italienischen Botschafter in Ungarn getroffen, aber ich kenne den Zeitpunkt nicht, die Aktionen der Regierung hängen nicht von mir ab», sagt Roberto Salis gegenüber «Il Giornale».

Und: «Ich habe den Eindruck, dass sie uns etwas wohlwollender gegenüberstehen und dass es einige Zeichen der Hoffnung gibt. Ich erzähle den Journalisten natürlich keine Details», fügt er an.

«Beziehung zu meiner Tochter wichtiger als Politik»

Auch über sich selbst will er nicht viel mehr verraten, präzisiert auf Nachfrage des «Giornale»-Journalisten aber: «Ich habe 2013 bei den Regionalwahlen für ‹Fare per fermare il declino› kandidiert.» Dabei handelt es sich um eine liberale, pro-europäische Kleinpartei. 

Roberto Salis fügt an: «Meine Kinder, und ich werde Ihnen nicht sagen, wie viele es sind und was sie tun, wurden dazu erzogen, selbstständig zu denken. Ich habe es schon gesagt: Mit meiner Tochter haben wir uns oft gestritten, auch heftig, aber unsere Bindung ist viel wichtiger als die Politik.»

Ein Jahr in U-Haft wegen Angriff auf Rechtsextreme

Die Grundschullehrerin war vor elf Monaten nach Budapest gereist, um an einer antifaschistischen Demo teilzunehmen. Rechtsextreme Gruppen aus ganz Europa hatten angekündigt, sich zwischen dem 9. und 12. Februar 2023 in Budapest zu treffen. Neonazis, Skinheads und Hooligans kamen in die ungarische Hauptstadt, um an ein Nazi-Bataillon zu erinnern, das 1945 versuchte, die Belagerung Budapests durch die Rote Armee zu verhindern.

Während der Neonazi-Demo und der antifaschistischen Gegendemo kam es zu Auseinandersetzungen. Auf Videoaufnahmen war zu sehen, wie zwei Rechtsextreme von Personen umzingelt und mit Schlagstöcken angegriffen und leicht verletzt wurden. Die ungarische Polizei nahm Salis am 11. Februar fest und warf ihr vor, Teil der Gruppe gewesen zu sein, die an der Attacke beteiligt war.

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