Klimaschutz: Italienisches Dorf legt sich mit Pizzaöfen an
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KlimaschutzItalienisches Dorf legt sich mit Pizzaöfen an

Im italienischen San Vitaliano ist die Luftqualität schlimmer als in Peking. Der Bürgermeister gibt der Holzofenpizza die Schuld.

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In der Gemeinde San Vitaliano müssen Holz-Öfen einen speziellen Schmutzfilter installiert haben.

In der Gemeinde San Vitaliano müssen Holz-Öfen einen speziellen Schmutzfilter installiert haben.

Keystone/AP/Eric Risberg

In San Vitaliano, einer Gemeinde knapp 20 Kilometer östlich von Neapel, schreibt man Klimaschutz von nun an ganz gross. Bürgermeister Antonio Falcone hat in einem Verdikt die traditionelle Zubereitung von Pizzas im Holzofen verboten — solange die Pizzeriabesitzer nicht einen speziellen Filter im Ofenkamin installiert haben.

Laut «Il Mattino» ist Bürgermeister Falcone um die schlechte Luftqualität im 6500-Einwohner-Dorf «sehr besorgt». Die Luftverschmutzung in San Vitaliano sei sogar schlimmer als die von Peking, schreibt das italienische Blatt. Selbst die Stadt Neapel, die in der Regel als Umwelt-Übeltäter betrachtet wird, sei im Vergleich zu San Vitaliano «ein Garten». Im Jahr 2015 hat die Gemeinde die Grenzwerte für Luftverschmutzung an 114 Tagen überschritten, während es in Mailand zum Beispiel «nur» 86-mal gewesen waren.

Es drohen saftige Bussen

Bürgermeister Falcone fordert nun von den Pizzeriabesitzern, dass sie einen Schmutzfilter in den Pizzaöfen einbauen. Wer das nicht tut, muss mit Bussen von bis zu 1032 Euro (umgerechnet 1115 Franken) rechnen. Das Verbot gilt zunächst bis 31. März. Sollten aber die Filtersysteme nicht das erwünschte Ergebnis bringen, kann es verlängert werden.

In San Vitaliano sind nicht alle von Bürgermeister Falcones Klimaschutzmassnahme überzeugt. Am Sonntag protestierten Pizzaiolos vor dem Rathaus. «Wir können nicht der Grund für den Smog sein», sagte einer von ihnen zum «Corriere della Sera». Neapel habe viel mehr Pizzerien und dort gebe es kein Holzofenverbot.

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