10.03.2020 13:07

Coronavirus

Italiens Patient Nr. 1 atmet wieder ohne Maschine

Die Ärzte in Italien haben 20 Tage lang um das Leben von Mattia aus Codogno gekämpft: Dem 38-jährigen Corona-Patienten geht es wieder besser.

von
rab
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Die Coronavirus-Epidemie setzt die Intensivstationen der Spitäler in Italien einer enormen Belastung aus. Jedes Mal, wenn ein Bett frei wird, besprechen sich die Ärzte, um zu entscheiden, wer nun dorthin kommt.

Die Coronavirus-Epidemie setzt die Intensivstationen der Spitäler in Italien einer enormen Belastung aus. Jedes Mal, wenn ein Bett frei wird, besprechen sich die Ärzte, um zu entscheiden, wer nun dorthin kommt.

Giuseppe Lami
Binnen drei Wochen benötigten 1135 Menschen in der Lombardei einen Intensiv-Platz, aber es gibt es nur 800 solcher Betten.

Binnen drei Wochen benötigten 1135 Menschen in der Lombardei einen Intensiv-Platz, aber es gibt es nur 800 solcher Betten.

Filippo Venezia
«Wir müssen berücksichtigen, ob ältere Patienten Familien haben, die sich nach Verlassen der Intensivstation um sie kümmern können,», sagt Marco Resta, stellvertretender Leiter der Intensivstation von San Donato.

«Wir müssen berücksichtigen, ob ältere Patienten Familien haben, die sich nach Verlassen der Intensivstation um sie kümmern können,», sagt Marco Resta, stellvertretender Leiter der Intensivstation von San Donato.

Angelo Carconi

Das ganze Land ist abgeriegelt, in den Städten sind die Gassen und Plätze leer, die Infektionszahlen steigen rasant an – der Covid-19-Ausbruch zwingt Italien den Ausnahmezustand auf. Jetzt kommt für die Italiener die erste gute Nachricht seit nun fast drei Wochen Corona-Albtraum: Patient Nummer 1, der 38-jährige Mattia aus Codogno, der seit dem 19. Februar schwer erkrankt in einer Klinik behandelt wird, hat begonnen, wieder selbstständig zu atmen und wurde, wie «La Repubblica» schreibt, von der Intensiv- auf die subintensive Pflegestation verlegt.

Teilweise an Beatmungsmaschine

In den letzten 20 Tagen kämpften rund 30 Ärzte im Polytechnikum von Pavia um das Leben des Mannes, dessen Frau im achten Monat schwanger ist. Er wurde zeitweise ins künstliche Koma versetzt und an eine Beatmungsmaschine angeschlossen. «Mattia darf nicht sterben», sagte Raffaele Bruno, Chef der Abteilung für infektiöse Krankheiten des Spitals, während der Behandlung gegenüber der Zeitung. Die Ärzte testeten gar einen Cocktail mit Pharmaka, die gegen Aids, Hepatitis C und Ebola eingesetzt werden, um das Wachstum des Virus zu stoppen – offenbar mit Erfolg. Seine Frau, die sich ebenfalls mit dem Virus infiziert hatte, konnte das Spital bereits vor mehreren Tagen verlassen.

Matteo war begeisterter Hobbysportler

Nach Bekanntwerden der Corona-Infektion versuchten die Behörden in einem Wettlauf mit der Zeit, alle Personen zu identifizieren, mit denen Mattia, der so gar nicht in die Zielgruppe passt, Kontakt gehabt haben könnte – vor allem Personen, bei denen das Virus einen schweren Verlauf nehmen könnte. Das Problem: Der 38-Jährige ist ein begeisterter Hobbysportler und hatte – bevor die ersten Symptome der Krankheit auftraten – an mehreren Wettkämpfen teilgenommen.

So soll er am 2. Februar mit anderen Läufern in Portofino und Santa Margherita Ligure einen Halbmarathon gelaufen sein. Rund 1200 Personen, darunter auch eine aus dem Tessin, sollen daran teilgenommen haben. Am 9. Februar soll der Mann an einem Rennen in Sant'Angelo Lodigiano mitgemacht haben. Am Samstag, 15. Februar, soll er in Codogno an einem Fussballspiel teilgenommen haben. Während eines Abendessens traten schliesslich die ersten Symptome auf. Zwei Tage später soll ein Arzt ihn zu Hause besucht haben und am 18. Februar soll er in die Notaufnahme des Codogno-Spitals eingeliefert worden sein.

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