Aarau: IV-Betrüger sucht per Inserat einen Alibi-Arzt

Aktualisiert

AarauIV-Betrüger sucht per Inserat einen Alibi-Arzt

Ein Mann suchte in der Lokalzeitung ganz ungeniert einen «verständnisvollen» Arzt, der ihm zur IV-Rente verhelfen soll. Nun werden Forderungen nach einer Strafanzeige laut.

Deborah Sutter
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Deborah Sutter

Auf diese Idee muss man erst kommen: Ein Mann, «körperlich nicht ganz auf der Höhe und noch nicht 65» möchte sich zur Ruhe setzen. Zu diesem Zweck sucht er «einen verständnisvollen Arzt», der ihm zur IV verhelfen soll. Für diese Hilfe bietet ein Inserent in der aktuellen Ausgabe des Aargauer «Landanzeigers» ein «gutes Trinkgeld».

Bei der Justiz stösst das Inserat nach einem Bericht in der «Aargauer Zeitung» auf reges Interesse: «Mit diesem Vorgehen könnte durchaus ein Betrug beabsichtigt sein. Strafbar – mit einer Strafandrohung bis zu 5 Jahren – ist das Vorgehen des Inserenten aber wohl erst dann als Betrugsversuch, wenn tatsächlich ein Rentenantrag gestellt und zusammen mit einem falschen Arztzeugnis eingereicht wird», sagt Oberstaatsanwalt Beat Sommerhalder. Die Sozialversicherung Aargau wollte gestern zum Fall keine Stellung nehmen, liess aber durch­blicken, dass sie wegen des Inserats keine unmittelbaren Massnahmen ergreifen werde. Dies ist für den Präsidenten der SVP Aargau, Thomas Lüpold, unverständlich: «Ich finde es total daneben, dass jemand überhaupt auf eine solche Idee kommt und eine Zeitung das auch noch abdruckt.» Er glaubt an ein Offizialdelikt und fordert die Sozialversicherung auf, aktiv zu werden und Strafanzeige einzureichen.

Dem «Landanzeiger» schien die Sache gestern unangenehm zu werden: Man habe die Sache «mit dem Inserenten abgeklärt», es handle sich «um einen Jux», liess der Verlag am Abend verlauten.

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