07.10.2014 14:05

Obergericht ZürichIV-Betrüger taucht vor dem Prozess unter

Ein angeblich an Rückenschmerzen leidender Chauffeur aus Uster ZH soll IV-Gelder für rund eine halbe Million Franken ertrogen haben. Zur Verhandlung ist der Serbe nicht erschienen.

von
Attila Szenogrady
Obwohl der Beschuldigte nicht zur Verhandlung am Obergericht Zürich erschienen war, konnten die Parteien dennoch plädieren.

Obwohl der Beschuldigte nicht zur Verhandlung am Obergericht Zürich erschienen war, konnten die Parteien dennoch plädieren.

Der heute 54-jährige Familienvater aus Uster meldete sich bereits im Sommer 2001 für eine Invalidenrente an. Die Diagnosen mehrerer Ärzte berichteten von chronischen Rückenschmerzen sowie einer depressiven Stimmungslage des Serben. Ein Mediziner erklärte ihn gar zum Pflegefall, der selbst beim Anziehen von Kleidern auf fremde Hilfe angewiesen sei.

Fest steht, dass der angebliche Patient bis Ende 2008 neben einer IV-Rente auch eine Hilflosenentschädigung sowie Zusatzleistungen von den Gemeinden Greifensee und Uster erhielt. Die Anklage geht von einem Gesamtbetrag von über einer halben Million Franken aus.

Verreist, gearbeitet und Familie verprügelt

Als die Behörden Verdacht schöpften und den IV-Bezüger zu beobachten begannen, staunten sie nicht schlecht. So kam heraus, dass er in Wahrheit ein normales Leben führte. So verreiste er oft nach Serbien, um sich an einem Hausbau zu beteiligen. In Uster konnte er ohne Hilfe Waren verladen, Pneus aus dem Keller tragen und gar Betten aus dem Fenster werfen.

Aus seinem Tagebuch ging zudem hervor, dass er auch in der Lage war, mehrmals monatlich seine Frau und seine Kinder zu verprügeln. Nicht zuletzt legte er eine Lastwagenprüfung ab und konnte an Festen tanzen.

Das Bezirksgericht Uster hatte den nicht geständigen Chauffeur bereits im Januar 2010 wegen mehrfachen Betrugs zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten verurteilt. Nach einem Umweg über das Bundesgericht war am Dienstag das Zürcher Obergericht an der Reihe. Allerdings warteten die Parteien und eine Dolmetscherin vergeblich auf die Hauptfigur. So ist der Beschuldigte bereits vor dem Prozess untergetaucht. Sein Anwalt hat den Kontakt zu ihm bereits vor über einem Monat verloren.

32 Monate Gefängnis teilbedingt gefordert

Das Obergericht liess die Parteien trotzdem plädieren. Dabei verlangte der zuständige Staatsanwalt Markus Hug wegen mehrfachen Betrugs und weiteren Delikten eine markante Straferhöhung auf 32 Monate teilbedingt. Die Hälfte davon soll der Familienvater absitzen. Der Verteidiger forderte dagegen einen vollen Freispruch und kritisierte, dass sein Klient bisher noch nicht ein Mal psychiatrisch begutachtet worden sei. Im schlimmsten Fall von Schuldsprüchen sei die bedingte 20-monatige Freiheitsstrafe von Uster zu bestätigen.

Das Obergericht kam noch zu keinem Entscheid. Es will den unentschuldigt abwesenden Beschuldigten noch einmal vorladen. Sollte er erneut den Prozess schwänzen, wird das Obergericht aufgrund der Akten entscheiden.

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