Ausgespielt: IV-Betrüger war Profizocker
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AusgespieltIV-Betrüger war Profizocker

Er könne sich nicht konzentrieren, leide unter Halluzinationen und könne keine zwei Stunden lang ruhig sitzen, erklärte der IV-Empfänger den Ärzten. Nur in Casinos fand er offensichtlich Ruhe, wie jetzt die Zürcher Kapo mitteilt.

Der 53-jährige Türke hatte im Juni 2007 öffentlich damit geprahlt, dass er seit vier Jahren fünfmal pro Woche zum Pokerspiel gehe und dabei im Durchschnitt tausend Franken pro Abend verdiene, teilte die Zürcher Kantonspolizei am Mittwoch mit. Erste Ermittlungen hätten unter anderem aufgezeigt, dass er von den Betreibern seines Stamm-Casinos als halbprofessioneller Spieler bezeichnet wurde. Die Polizei verhaftete den Mann schliesslich im Juni 2008. Die Zahlungen der Invalidenversicherung wurden eingestellt.

Der Türke hatte gegenüber Ärzten und der Invalidenversicherung (IV) schwerste psychische Beschwerden geltend gemacht. Insbesondere könne er sich nicht konzentrieren, leide unter Wahrnehmungsstörungen sowie optischen und akustischen Halluzinationen. Er hab Angst vor der Nacht, sein formales Denken sei gehemmt, er leide unter Antriebsarmut und könne keine zwei Stunden lang ruhig sitzen. Zudem lebe er sozial zurückgezogen.

Seine nächtlichen Aktivitäten im Spielcasino, zu denen er jeweils mit dem eigenen Auto gefahren war, seien in krassem Widerspruch zu den angeblichen Leiden gestanden, schreibt die Polizei. Dem 53-jährigen Mann wird deshalb vorgeworfen, seine Invalidität in betrügerischer Weise vorgetäuscht und auf diese Weise seit 2001 über 400.000 Franken an IV-Renten sowie Beträgen vom Amt für Zusatzleistungen unrechtmässig erhalten zu haben. Hinzu wären weitere rund 900.000 Franken gekommen, die ihm bis zum Pensionsalter von 65 Jahren hätten ausbezahlt werden müssen.

Die Polizei verweist ferner darauf, das sich der Mann im April 1997 seine Pensionskasse in der Höhe von rund 98.000 Franken hat ausbezahlen lassen, um damit eine eigene Import/Exportfirma zu gründen. Diese sei dann allerdings bereits zwei Monate später wieder aufgelöst worden. Gemäss Angaben des Besitzers hatte dieser das ausbezahlte Geld für seinen Drogenkonsum verbraucht. Seit 1999 sei er auch Eigentümer einer Liegenschaft in Istanbul im Wert von rund 125.000 Franken, deren Existenz er immer verheimlicht habe. (dapd)

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