13.06.2017 21:26

Ratgeber für berufstätige FrauenIvankas Tipps sind für ihre Näherinnen blanker Hohn

Die Mode des Labels Ivanka Trump wird unter anderem in Indonesien produziert. Dort beschweren sich Angestellte über Hungerlöhne und fehlende Freizeit.

von
mlr
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Ivanka Trump, die Tochter und Beraterin des US-Präsidenten, steht zwar nicht mehr an der Spitze der Modemarke Ivanka Trump, das Label trägt aber noch ihren Namen.

Ivanka Trump, die Tochter und Beraterin des US-Präsidenten, steht zwar nicht mehr an der Spitze der Modemarke Ivanka Trump, das Label trägt aber noch ihren Namen.

Keystone/Michael Sohn
Die Bedingungen, unter denen Kleidungsstücke wie diese produziert werden, sind alles andere als arbeiterfreundlich. Niedrige Löhne und Beschimpfungen seien an der Tagesordnung, sagen Angestellte einer Fabrik in Indonesien, die dem «Guardian» Einblicke in ihren Arbeitsalltag gewährten.

Die Bedingungen, unter denen Kleidungsstücke wie diese produziert werden, sind alles andere als arbeiterfreundlich. Niedrige Löhne und Beschimpfungen seien an der Tagesordnung, sagen Angestellte einer Fabrik in Indonesien, die dem «Guardian» Einblicke in ihren Arbeitsalltag gewährten.

Screenshot Ivankatrump.com
Dieser steht im Gegensatz zu der von Ivanka Trump in ihrem Buch «Women Who Work. Rewriting the Rules for Success» empfohlenen Work-Life-Balance.

Dieser steht im Gegensatz zu der von Ivanka Trump in ihrem Buch «Women Who Work. Rewriting the Rules for Success» empfohlenen Work-Life-Balance.

AP/Andrew Harnik

In ihrem kürzlich veröffentlichten Buch «Women Who Work» («Arbeitende Frauen») gibt US-Präsidententochter Ivanka Trump ihren Leserinnen Ratschläge dazu, wie sie Karriere, Kinder und Freizeit unter einen Hut bekommen können. Für die Angestellten einer indonesischen Fabrik, die für Trumps Modemarke Kleider nähen, dürften diese Tipps schwer umzusetzen sein – denn sie sehen weder ihre Kinder noch haben sie nennenswerte Freizeit.

Der «Guardian» hat mit mehr als einem Dutzend Arbeitern und Arbeiterinnen aus der indonesischen Stadt Subang gesprochen, die kaum ein gutes Haar an PT Buma, dem südkoreanischen Betreiber der Fabrik, lassen. Die Näherinnen erhalten einen der niedrigsten Mindestlöhne in ganz Asien. Sie verdienen so wenig, dass sie oftmals nicht zusammen mit ihren Kindern leben können. Die Produktionsziele, so beklagen die Angestellten, seien unrealistisch hoch gesteckt und Überstunden würden kaum jemals abgebaut. Alle Angestellten wollten anonym bleiben, weil sie Angst davor haben, ihren Job zu verlieren.

Tricks, um Kosten zu drücken

Eine Frau, die sich Alia nennt, arbeitet seit Jahren in der Textilindustrie in Subang. Sie und ihr Ehemann haben zwei Kinder, die sie jedoch höchstens einmal im Monat sehen. Immer dann, wenn sie genügend Geld für Benzin haben, nehmen die beiden die stundenlange Motorradfahrt aufs Land zur Grossmutter auf sich, wo die Kinder leben. Alia verdient den Mindestlohn ihrer Provinz – umgerechnet rund 167 Franken im Monat. Selbst für Indonesien ist das wenig Geld, und es sind etwa 40 Prozent weniger als in China, wo in der vergangenen Woche zwei Aktivisten verschwanden, die sich in einer Schuhfabrik umsahen, die für Ivanka Trump produziert.

Angesprochen auf Ivanka Trumps Buch, bricht Alia laut «Guardian» in Lachen aus. Ihre Vorstellung von Work-Life-Balance sei, ihre Kinder häufiger als einmal im Monat zu sehen.

In der Fabrik arbeiten knapp 2800 Angestellte, nur rund 200 von ihnen sind gewerkschaftlich organisiert. Etwa drei Viertel der Belegschaft ist weiblich, viele haben wie Alia Kinder, die sie nicht sehen. Um die Kosten zu drücken, bedienen sich die Betreiber einiger Tricks. So steigt etwa die Zahl der Kündigungen vor dem Ramadan sprunghaft an. Der Grund: Während des Fastenmonats stünden den Arbeitern Bonuszahlungen zu. Zudem müssten sich die Angestellten oft um 16 Uhr ausstempeln, auch wenn sie länger arbeiteten, sagt einer der wenigen männlichen Angestellten. Überstunden liessen sich so schlicht nicht beweisen.

Um den Druck hoch zu halten, liegt das Produktionsziel bei 58 bis 92 genähten Kleidungsstücken pro halber Stunde. Tatsächlich schaffen die Näherinnen aber nur zwischen 27 und 40 Stück in dieser Zeit. Viele, so geben die anonymen Arbeiter zu Protokoll, seien sich ihrer Rechte nicht bewusst und machten freiwillig Überstunden, um die unrealistischen Vorgaben zu erfüllen.

«Tiere, Schwachköpfe oder Affen»

Als Problem sehen sieben der interviewten Angestellten auch den rauen Umgangston in der Fabrik. Sie seien schon oft als «Tiere, Schwachköpfe oder Affen» beschimpft worden, sagen sie.

Doch nicht alle Arbeiterinnen beklagen sich. Manche sind zufrieden, dass sie überhaupt ein – wenn auch kleines – Einkommen haben. «Ich mag meine Arbeit immer noch. Sie ist nicht zu anstrengend», sagt etwa Eka, eine alleinerziehende Mutter, die seit sieben Jahren für PT Buma arbeitet.

Im vergangenen Jahr, dem Wahlkampfjahr von Donald Trump, stiegen die Online-Verkäufe der Modemarke um 18 Millionen Dollar. Doch mittlerweile haben viele Kaufhäuser Ivanka Trumps Mode aus den Regalen genommen, sie unter einem anderen Label verkauft oder sie mit saftigen Rabatten unter die Leute gebracht. Im Januar gab Ivanka Trump die Leitung ab, die Marke trägt aber noch immer ihren Namen.

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