IWF will 400 Tonnen Gold verkaufen
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IWF will 400 Tonnen Gold verkaufen

Seit die Schwellenländer aus Furcht vor massiven Zinsen auf IWF-Kredite verzichten, sind dort die Zinseinnahmen eingebrochen. Um den Währungsfonds auf sichere finanzielle Beine zu stellen, sollen nicht weniger als 400 Tonnen Gold abgestossen werden. Und das, ohne den Preis des Edelmetalls in den Keller zu schicken.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) will mehr als 400 Tonnen Gold verkaufen. Der Vorstand billigte entsprechende Pläne zur Sicherung der finanziellen Zukunft des IWF und rechnet mit Einnahmen von rund elf Milliarden Dollar (7 Milliarden Euro) in den kommenden Jahren. Der US-Kongress muss einem solchen Verkauf zustimmen.

Preisverfall verhindern

IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn nannte die geplanten Veränderungen beim IWF in Washington eine grundlegende Entscheidung, die das Institut auf ein «solides finanzielles Fundament stellen» und seine Strukturen modernisieren würden, sagte der frühere französische Finanzminister. Vorgesehen sind ausserdem deutliche Kosteneinsparungen von 100 Millionen Dollar in den kommenden Jahren sowie der Abbau von bis zu 100 Stellen.

Der Verkauf soll mit verschiedenen Zentralbanken koordiniert werden, um einen abrupten Preisverfall des Edelmetalls zu verhindern. Am Dienstagvormittag notierte der Goldpreis in London bei 921,50 Dollar je Feinunze nach 928,10 Dollar am Vortag.

Sinkende Einnahmen

Der IWF hatte in den 1990er Jahren Ländern in Asien und Afrika, die in ökonomischen Schwierigkeiten steckten, Milliarden geliehen und sich durch die Kreditzinsen refinanziert. In den letzten Jahren hatten aber immer mehr Staaten auf IWF-Kredite verzichtet, deren Vergabe an strenge Auflagen geknüpft ist. Die Folge sind sinkende Zinseinnahmen.

Der US-Kongress muss dem Verkauf der Goldes noch zustimmen. 1999 hatte er ähnliche Pläne schon einmal abgelehnt. Zudem stammt der Mehrheitsführer im Senat, der Demokrat Harry Reid, aus dem Goldstaat Nevada. Die USA sind Hauptfinanzierer des Währungsfonds, dessen Aufgabe die Verhinderung globaler finanzieller Krisen ist. Auch weitere der 184 Mitgliedstaaten müssen den Goldverkauf absegnen.

Das Stimmrecht der Mitgliedsländer richtet sich nach ihrem Kapitalanteil. Dementsprechend zählen die USA, Japan oder auch Deutschland zu den Schwergewichten des IWF. (dapd)

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