Aktualisiert 31.10.2017 07:28

Neue Salafisten gesuchtIZRS lanciert neue Mitglieder-Offensive

Mit bezahlter Werbung auf Social Media versucht der IZRS, junge, neue Mitglieder zu rekrutieren. Das Propagandavideo zielt laut Experten auf Menschen, die sich benachteiligt und unterdrückt fühlen.

von
ann
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Mit einem sorgfältig inzenierten Clip sucht der Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) neue Aktiv-Mitglieder.

Mit einem sorgfältig inzenierten Clip sucht der Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) neue Aktiv-Mitglieder.

Dabei arbeitet er mit Bildern der Unterdrückung und des Sich-Wehrens, wie hier mit dem Boxer in Kampfhaltung.

Dabei arbeitet er mit Bildern der Unterdrückung und des Sich-Wehrens, wie hier mit dem Boxer in Kampfhaltung.

Die Frauen im Video tragen allesamt ein Kopftuch und sind in der Regel jung.

Die Frauen im Video tragen allesamt ein Kopftuch und sind in der Regel jung.

Für die Generalversammlung sucht der Islamischen Zentralrat Schweiz (IZRS) mit einem sorgfältig inszenierten Video neue Mitglieder. Der Clip wurde offenbar auf Facebook gezielt und gegen Bezahlung unter den 15- bis 25-jährigen Nutzern im Raum Zürich ausgespielt. Auch auf Instagram ist er zu finden.

Eine Studentin mit arabischem Namen hatte das Filmchen auf ihrem Facebook-Profil: «Ich bin nicht religiös und das Video irritiert mich sehr, ich finde es fragwürdig, dass eine solch radikale Organisation auf Facebook Werbung machen kann.» Gezeigt werden darin vor allem junge Männer und Frauen, unterlegt von einer Stimme, die dazu aufruft, sich für den IZRS zu engagieren.

«Gebraucht werden junge Leute für Fronarbeit»

Sektenexperte Georg Otto Schmid von Relinfo sagt, im Video seien die typischen Verheissungen salafistischer Werbung zu erkennen: «Jungen Leuten mit Ausgrenzungs- und Benachteiligungserfahrung, eingeeingt in Regelkorsetts des Herkunftsmilieus und unter Perspektivlosigkeit leidend, werden ein Ende der Probleme und ein selbstbestimmtes Leben im Zeichen des salafistischen Islam versprochen, das nicht weniger beinhaltet als die Möglichkeit, an der Gesellschaft der Zukunft mitzubauen.»

Für Schmid wird im Video aber auch deutlich, was die IZRS-Führer vor allem brauchen: «Junge Leute, die in Fronarbeit umsetzen, was man sich in der Zentrale ausdenkt, und die gegebenenfalls darüber hinaus noch bereit sind, den IZRS finanziell zu unterstützen.»

«IZRS schreckt vor nichts zurück, um Basis zu vergrössern»

Ähnlich sieht dies Saïda Keller-Messahli vom Forum für einen fortschrittlichen Islam. «Mit den Begriffen ‹Gemeinschaft› und ‹Unternehmungslust› macht der IZRS Jagd auf potenzielle Mitglieder. Es ist die übliche Masche: Wir und sie, zwei Kategorien, die Feindschaft suggerieren und zum Kampf animieren sollen.»

Es sei die Rhetorik aller Islamisten, Muslime als Opfer ihrer feindlichen Umgebung anzusprechen und sie in aggressive Stimmung zu versetzen, so Keller-Messahli. Dass der IZRS gezielt Junge anspreche und seine Werbung bei allen lande, die irgendwie etwas mit Islam zu tun hätten, zeige, dass der IZRS vor nichts zurückschrecke, um seine Basis zu vergrössern.

Hat der IZRS ein Mitgliederproblem?

Keller-Messahli vermutet denn auch, dass der IZRS ein Mitgliederproblem hat. «Die Tatsache, dass die Bundesanwaltschaft eine Anklage gegen die Exponenten des IZRS erhoben hat, hält bestimmt einige davon ab, dem Verein beizutreten.»

Dies mutmassen auch andere Exponenten, die nicht zitiert werden wollen. Sie glauben, der IZRS spreche mit seinem Konzept nur einen kleinen Kreis von Muslimen an und habe deutlich weniger Mitglieder als vermutet.

«Nur natürliche Fluktuation»

IZRS-Generalsekretärin Ferah Ulucay widerspricht der Mutmassung. Der IZRS sei wie jeder Verein auf Nachwuchs angewiesen und habe seit seiner Gründung eine natürliche und stabile Fluktuation: «Die Anzahl der Aktivmitglieder bewegt sich zwischen 40 und 46.»

Grund für Abgänge seien meist Abwanderungen ins Ausland oder berufliche Auslastung. Ganz selten komme es vor, dass ein Aktivmitglied dem Rat aus weltanschaulichen Gründen den Rücken kehre. Gern hätte laut Ulucay auch der IZRS ein wenig mehr aktive Mitglieder. Die Realität zeige aber, dass es Knochenarbeit sei, Leute auf Dauer für unbezahlte Vereinsarbeit zu motivieren. Ulucay: «Entsprechend sind wir auf Neuzugänge angewiesen, um nicht zu schrumpfen.» Den Clip brauche der Verein, um die Muslime zu motivieren, sich zu engagieren.

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