Vergewaltigungsvorwurf - J.B. droht die Ausschaffung
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VergewaltigungsvorwurfJ.B. droht die Ausschaffung

Am Freitag findet der zweite Tag der Gerichtsverhandlung zum Fall Isabella T. statt. Drei Männern wird Störung des Totenfriedens vorgeworfen. Dem Haupttäter zudem Vergewaltigung in einem anderen Fall. Deswegen könnte er ausgeschafft werden.

von
Jeremias Büchel
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J.B.* steht am Freitag (28.05.2021) vor dem Bezirksgericht Frauenfeld. Es wird der zweite Prozesstag im Fall Isabella T. sein. 

J.B.* steht am Freitag (28.05.2021) vor dem Bezirksgericht Frauenfeld. Es wird der zweite Prozesstag im Fall Isabella T. sein.

20min/Taddeo Cerletti
Isabella T. (†20) wurde im November 2017 in einen Teppich gerollt und in einem Waldstück in Zezikon TG abgelegt.

Isabella T. (†20) wurde im November 2017 in einen Teppich gerollt und in einem Waldstück in Zezikon TG abgelegt.

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Während Wochen galt die junge Frau als vermisst. 

Während Wochen galt die junge Frau als vermisst.

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Darum gehts

  • Im Januar 2018 wurde die Leiche von Isabella T. in einen Teppich eingerollt in einem Waldstück in Zezikon TG gefunden.

  • Isabella war zuvor seit November 2017 vermisst worden.

  • Am Freitag (28.5.2021) müssen sich drei Männer vor dem Bezirksgericht Frauenfeld verantworten. Das wird bereits der zweite Prozesstag sein.

  • Ihnen wird unter anderem Störung des Totenfriedens vorgeworfen, weil sie Isabella T.s Leichnam von der Wohnung von J.B.* in den Wald geschafft haben.

  • Für den 40-jährigen Niederländer J.B. fordert die Staatsanwaltschaft eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und vier Monaten.

  • J.B. steht wegen weiterer Delikte, unabhängig vom Fall Isabella T. vor Schranken. Wegen einer mutmasslichen Vergewaltigung droht im die Ausschaffung aus der Schweiz.

Seit Anfang November 2017 galt Isabella T. als vermisst. Die damals 20-Jährige wurde Ende Januar 2018 in einem Waldstück in Zezikon TG, eingerollt in einen grünen Teppich, von Waldbesitzer Manfred Hunziker gefunden. Gestorben ist sie in der Wohnung von J.B.* in Thundorf TG, die Todesursache konnte aufgrund der fortgeschrittenen Verwesung nicht eindeutig zugeordnet werden.

Waldbesitzer Manfred Hunziker fand im Januar 2018 den Leichnam von Isabella T. Im Video erzählt er, wie er den Teppich mit der Leiche vorgefunden hatte.

20 Minuten/Ladina Maissen 

Abgelegt wurde der Teppich mit der Leiche von zwei Komplizen von J.B. Beim Verpacken war dieser den beiden Männern behilflich. Alle drei wurden wegen Störung des Totenfriedens angeklagt. Am 10. Mai fand der erste Verhandlungstag statt, am Freitag 28. Mai 2021 wird der Prozess nun fortgeführt. Am ersten Prozesstag zeigten die beiden Komplizen tiefe Reue, sagten, sie hätten noch für Isabella T. gebetet. Weshalb sie keine Ambulanz gerufen haben, konnten weder die Komplizen noch der Hauptangeklagte J.B. schlüssig erklären. (Alles zum ersten Prozesstag lesen Sie im Ticker hier)

Vorwurf der Vergewaltigung in anderem Fall

Die Staatsanwaltschaft fordert für den Hauptangeklagten eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und vier Monaten. Ihm werden neben der Störung des Totenfriedens weitere Delikte zur Last gelegt, unter anderem Vergewaltigung. Es ist zu erwarten, dass sich der heute 40-jährige Niederländer am zweiten Prozesstag weiter gegen diesen Vorwurf wehren wird. Denn sollte er wegen Vergewaltigung verurteilt werden, droht ihm die Ausschaffung. Konkret fordert die Staatsanwaltschaft einen Landesverweis von sieben Jahren.

Die Störung des Totenfriedens wird von den Angeklagten nicht bestritten. Doch die Umstände, die dazu geführt hätten, sollen laut den Verteidigern zu milden Strafen führen. Die Anwälte der Komplizen fordern Freisprüche, weil die Beschuldigten unter Schock gestanden hätten und somit nicht schuldfähig seien. Die Staatsanwaltschaft fordert bedingte Freiheitsstrafen.

Verteidiger beantragt bedingte Strafe für J.B.

Der Verteidiger von J.B. hält eine bedingte Freiheitstrafe von zehn Monaten für angemessen, der Vergewaltigungsvorwurf wird bestritten. Der Sex sei einvernehmlich gewesen. Eine Beurteilung dieser These fällt schwer, denn bei der Befragung der Frau wurde die Öffentlichkeit, auch die Medienschaffenden, ausgeschlossen. Somit kennen Prozessbeobachtende nur die Sicht des mutmasslichen Täters. Vielleicht wird am Freitag die Anwältin der Frau ausführlicher Stellung nehmen. Für den zweiten Prozesstag ist vorgesehen, dass bis kurz nach Mittag verhandelt und das Urteil am Abend mündlich eröffnet wird. 20 Minuten berichtet in einem Liveticker vom Prozess.

Für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

* Name der Redaktion bekannt

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Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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