Fuss eingeklemmt: J. T. (10) wurde 100 Meter von Bus mitgeschleift
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Fuss eingeklemmtJ. T. (10) wurde 100 Meter von Bus mitgeschleift

Weil er einer Frau die Bustür aufhalten wollte, wurde J.T. (10) eingeklemmt und vom Bus 100 Meter weit mitgeschleift. Bei den VBZ bedauert man den Vorfall.

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mon
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Als J.T. (10) eine Frau auf den Bus rennen sah, wollte er ihr die Tür aufhalten. Er drückte den Knopf und streckte seinen Fuss dazwischen.

Als J.T. (10) eine Frau auf den Bus rennen sah, wollte er ihr die Tür aufhalten. Er drückte den Knopf und streckte seinen Fuss dazwischen.

zvg
Doch die Tür schloss sich und klemmte sein Bein ein. Weil der Busfahrer nichts bemerkte, fuhr er los und schleifte den Jungen knapp hundert Meter die Strasse entlang mit.

Doch die Tür schloss sich und klemmte sein Bein ein. Weil der Busfahrer nichts bemerkte, fuhr er los und schleifte den Jungen knapp hundert Meter die Strasse entlang mit.

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An der Haltestelle Einfangstrasse in Zürich-Affoltern ist der 10-Jährige aus dem Bus gestiegen.

An der Haltestelle Einfangstrasse in Zürich-Affoltern ist der 10-Jährige aus dem Bus gestiegen.

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Mit Schürfungen und Prellungen sitzt J.T.* zu Hause. Obwohl der 10-Jährige Schulferien hat, kann er nicht raus zum Spielen. Zu gross sind die Schmerzen. Zudem steht der Fünftklässler noch immer unter Schock. Am Freitag, 8. Februar, stieg er an der Haltestelle Einfangstrasse in Zürich-Affoltern aus dem Bus.

Als er eine Frau auf den Bus rennen sah, wollte er ihr die Tür aufhalten. Er drückte den Knopf und streckte seinen Fuss dazwischen. Doch die Tür schloss sich und klemmte sein Bein ein. Weil der Busfahrer nichts bemerkte, fuhr er los und schleifte das Kind die Strasse entlang mit.

Knapp hundert Meter mitgeschleift

Das Rufen und Schreien der Gspänli, die sich im Bus befanden, schien der Chauffeur nicht zu hören. Erst nach etwa 100 Metern sei der Bus endlich stehen geblieben: «Ein Autofahrer hat gehupt und so wahrscheinlich den Fahrer auf mein Kind aufmerksam gemacht», erzählt die Mutter M. T.. Passanten befreiten den Kleinen schliesslich aus seiner misslichen Lage und zogen ihn von der Strasse.

Die Mutter ist empört: «Wie kann so etwas passieren? Wofür gibt es Sensoren?» Auch dass der Busfahrer nichts mitbekommen haben soll, sei fragwürdig. Ebenso habe sich die Frau, für die der Bub die Tür aufhielt, nicht als Zeugin gemeldet.

«Mein Kind hatte Glück im Unglück»

In der Zwischenzeit habe sie einen Anruf von den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ) erhalten: «Die haben mir nur gesagt, ich solle die Arztrechnung schicken. Keine Entschuldigung oder Erklärung. Als ob mein Sohn ein Gegenstand wäre, den man einfach reparieren kann.» Das möchte T. so nicht hinnehmen. Sie will nun Anzeige erstatten und damit verhindern, dass so etwas noch einmal passiert: «Mein Kind hatte Glück im Unglück.»

Die Mutter glaubt, dass der Schulthek sowie seine dicke Winterjacke ihn vor Schlimmerem bewahrt hätten. Zudem soll der 10-Jährige versucht haben, seinen Kopf oben zu halten: «Trotzdem hat er am ganzen Körper blaue Flecken erlitten, und sein Steissbein tut ihm sehr weh.» Auch seine Sneakers und seine Jacke seien bei dem Unfall kaputtgegangen. «Jetzt weint er nicht nur wegen der Schmerzen, sondern er ist auch traurig wegen seiner neuen Sachen.»

VBZ bedauert Vorfall

Bei der Stadtpolizei Zürich hat man Kenntnis von dem Vorfall. Ermittlungen würden laufen Die VBZ bedauern diesen Zwischenfall sehr, wie es auf Anfrage heisst: «Da Unfallursache und Unfallhergang noch Gegenstand der laufenden Ermittlungen sind, gibt es derzeit keine weiteren Informationen dazu», sagt VBZ-Sprecherin Daniela Tobler. Auch könne man zu den möglichen Konsequenzen für den Fahrer keine Stellung nehmen. Die Mutter des verunfallten Jungen sei aber ordnungsgemäss vom VBZ-Schadendienst kontaktiert worden, um die nötige Unfallmeldung auszulösen.

Wie Tobler erklärt, erfolgt die Überwachung der Türen über Lichtschranken beziehungsweise einen Klemmschutz. In dem Bereich, wo die Lichtschranke installiert ist, werden alle Bewegungen und Gegenstände wahrgenommen: «Die Anlagen sind nicht veraltet und funktionieren im Normalfall einwandfrei.» Vor der Ausfahrt der Busse finden zudem täglich Türkontrollen statt. Wie es trotzdem zu dem Unfall kommen konnte, sei unklar: «Das Fahrzeug wird nun genau untersucht.»

Sollte man einen solchen Vorfall beobachten, rät man den Fahrgästen, zu rufen und sich unmittelbar mit dem Fahrpersonal in Verbindung zu setzen.

*Name der Redaktion bekannt

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