Aktualisiert 30.01.2020 18:36

Virus-Verdacht auf Schiff«Sicherheitspersonal stand an den Ausgängen»

Auf der Costa Smeralda gab es am Donnerstag zwei Corona-Verdachtsfälle. Ein Dutzend Schweizer Staatsangehörige in China hofft derweil auf eine rasche Rückkehr in die Schweiz.

von
Reuters

Das chinesische Paar an Bord leidet an Fieber und Atembeschwerden.

Rund 6000 Passagiere des italienischen Kreuzfahrtschiffes Costa Smeralda sassen in Civitavecchia fest, weil bei zwei chinesischen Gästen an Bord der Verdacht auf eine Infizierung mit dem Virus bestand. Am Nachmittag kam dann die Entwarnung: Der Verdacht habe sich nicht bestätigt, schreibt die italienische Nachrichtenagentur Ansa.

Nach Angaben des italienischen Zivilschutzes sind 63 Schweizer Staatsangehörige an Bord des Schiffes, wie es beim EDA auf Anfrage hiess. Der St. Galler Andy Ruckstuhl ist einer von ihnen. Der 38-Jährige ist derzeit mit seiner Familie an Bord des Schiffes. Bis am späten Nachmittag habe man die Passagiere nicht an Land gelassen, erzählt er. Zahlreiche, vorwiegend asiatische Touristen, hätten plötzlich Atemschutzmasken getragen. «Sicherheitspersonal stand an den Ausgängen», so Ruckstuhl. Über die Entwarnung zeigt er sich erleichtert, obwohl er während des ganzen Tages «eigentlich keine Angst» hatte.

120 Anrufe bei Hotline eingegangen

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat derweil eine kostenlose Hotline aufgeschaltet, um Fragen zum Coronavirus aus der Bevölkerung zu beantworten. Bis am frühen Donnerstag Abend seien bei der Hotline rund 120 Anrufe eingegangen, sagte Cédric Berset, Kommunikationsleiter des Telemedizin-Anbieters Medgate. Dies sei im Vergleich zur Schweinegrippe vor rund zehn Jahren eine weitaus geringere Anzahl Anfragen. Medgate betreibt die Hotlines im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit (BAG).

Keine Repatriierung geplant

Ein Dutzend Schweizer Staatsangehörige in China hofft indessen auf eine rasche Rückkehr in die Schweiz. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) ist in ständigem Kontakt mit ihnen. Eine Repatriierung ist nicht geplant. Es gälten die normalen Vorschriften, sagte Aussenminister Ignazio Cassis vor den Bundeshausmedien. Wenn die Gefahr in der Schweiz zu gross sei, sei eine Repatriierung nicht ratsam.

Cassis erinnerte auch daran, dass das Reisen nicht möglich ist, wenn die lokalen Behörden die Bevölkerung unter Quarantäne gestellt haben. Die Schweiz sei auch nicht verpflichtet, ihre Bürgerinnen und Bürger auf Wunsch zu repatriieren, sagte er. Die Gesundheitsbehörden verfolgten die Entwicklung laufend, sagte Bundesratssprecher André Simonazzi.

Beim EDA hiess es auf Anfrage, die Organisation der Rückkehr sei sehr komplex. Die Schweiz sei in Kontakt mit verschiedenen anderen Ländern und Organisationen im Hinblick auf die mögliche Abreise der Rückkehrwilligen. Die dafür zur Verfügung stehenden Kapazitäten seien aber beschränkt. Insgesamt sind in China 4156 Schweizerinnen und Schweizer registriert.

WHO tagt in Genf

Der Notfallausschuss der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beriet am Donnerstag, ob ein internationaler Gesundheitsnotstand ausgerufen werden soll. Der Entscheid wurde am Abend erwartet. Das BAG werde den Entscheid analysieren und am Freitag zusammen mit dem EDA die Öffentlichkeit über das weitere Vorgehen informieren, sagte Dauwalder. (Reuters /20 Minuten/sda)

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