Biel-Sportchef Schläpfer: «Ja, ich muss wohl wieder zaubern»
Aktualisiert

Biel-Sportchef Schläpfer«Ja, ich muss wohl wieder zaubern»

Wie vor einem Jahr muss in Biel Sportchef Kevin Schläpfer für die Ligaqualifikation als Trainer in die Bresche springen. Im Interview mit 20 Minuten Online spricht er über seinen schwierigen Auftrag, die Seeländer zu retten.

von
Klaus Zaugg
Wie vor einem Jahr steht in Biel während der Ligaqualifikation Sportchef Kevin Schläpfer an der Bande.

Wie vor einem Jahr steht in Biel während der Ligaqualifikation Sportchef Kevin Schläpfer an der Bande.

Kevin Schläpfer, der gefeuerte Trainer Kent Ruhnke arbeitet weiterhin für Sie. Wie müssen wir uns das vorstellen?

Kevin Schläpfer: Er wird die Spiele auf der Tribüne verfolgen und mir dann seine Eindrücke weitergeben.

Wo wird er im Stadion sitzen?

Moment mal. Ja, auf Sitz 1033. Nein, Spass beiseite. Ich weiss nicht, wo er sitzen wird.

Kommt er in der Pause in die Kabine?

Nein, sicher nicht.

Haben Sie seit der Entlassung bereits wieder mit ihm über das Spiel vom Samstag gegen Lausanne gesprochen?

Ja, wir haben telefoniert.

Das tönt ja gut. Aber wie ist es möglich, dass er trotz der Entlassung weiterhin hilft?

Es geht nicht um Kevin Schläpfer oder Kent Ruhnke. Es geht um die Existenz des EHC Biel.

Ja klar. Trotzdem: Wie ist es Ihnen gelungen, Ruhnke zum Mitmachen zu bewegen?

Wir sind beide lange genug im Eishockeygeschäft. Wir wussten beide, dass etwas passiert, wenn wir in die Ligaqualifikation müssen. Die Entlassung hat unsere Freundschaft nicht beeinträchtigt.

Hatten Sie denn Ruhnke vor dem Spiel gegen die SCL Tigers gesagt, dass er im Falle einer Niederlage gefeuert wird?

Nein. Aber wie ich eben sagte: Wir wussten beide, dass so etwas passieren wird.

Wie ging die Entlassung konkret vor sich?

Sandro Wyssbrod und ich haben es Kent gleich nach dem Spiel im Trainerbüro gesagt.

Und, wie hat er es aufgenommen?

Kent war in diesem Moment nicht anders als beim Beginn seiner Arbeit vor der Saison: Sachlich, professionell.

Wie kann Ihnen denn Ruhnke konkret während der Liga-Qualifikation helfen?

Vier Augen sehen mehr als zwei. Da fällt manchmal ein Tor und weil man gerade mit einem Spieler auf der Bank spricht, sieht man die Szene nicht. Für mich ist es sehr wichtig, einen Gesprächspartner zu haben, mit dem ich mich austauschen kann, jemand, der sich in meine Situation versetzen kann.

Wann wurde Ihnen klar, dass Sie die Mannschaft wieder übernehmen müssen?

Mir war eigentlich immer klar, dass ich wieder einspringen muss, wenn es schief geht. Deshalb haben Kent Ruhnke und ich während der ganzen Saison alles unternommen, um zu verhindern, dass wir in diese Situation geraten. Er als Trainer auf dem Eis, ich als Sportchef.

Warum ist es schiefgegangen?

Ich weiss auf diese Frage eigentlich keine Antwort. Ausreden lasse ich keine gelten. Wir haben nicht wegen der Schiedsrichter oder wegen Glück und Pech oder der Torhüterleistung verloren. Wir haben die Serien gegen Ambri und Langnau klar verloren. An dieser Tatsache gibt es einfach nichts zu rütteln. Aber es macht einem schon fast verrückt, wenn man von der Tribüne aus sieht, dass unsere Mannschaft eigentlich besser ist, aber gegen Ambri verliert. Und selbst ein Blinder konnte erkennen, dass wir besser waren als die SCL Tigers. Und trotzdem haben wir verloren. Wir haben für diese Playouts offensichtlich nicht die richtige Einstellung gefunden.

Sie haben vor einem Jahr die Mannschaft in der Ligaqualifikation nicht durch taktische Schachzüge gerettet. Sie haben einfach für bessere Stimmung und die richtige Einstellung gesorgt. Was ist jetzt anders?

Eigentlich nicht viel. Die Ausgangslage ist wieder ähnlich. Es geht auch jetzt darum, eine gewisse Blockade zu lösen. Die Rettung ist Kopfsache. Vielleicht diesmal mit dem Unterschied, dass wir nicht um fünf vor zwölf, sondern um Viertel vor zwölf gehandelt haben.

Aber die Verfassung der Spieler ist anders als vor einem Jahr?

Ja, das schon. Vor einem Jahr hatten wir mit der Liga-Qualifikation gerechnet. Wir waren ja in der Qualifikation auf dem letzten Platz gelandet. Aber diesmal hatten wir mit einer Rettung in den Playouts gerechnet und die Enttäuschung sitzt tiefer als vor einem Jahr. Es wird für meine Spieler schwieriger, nun trotzdem ihr bestes Eishockey zu spielen.

Also braucht es, wie vor einem Jahr, vor allem «Voodoo-Coaching»?

Ja, ich muss wohl wieder zaubern. Es wird nicht einfach. Es gibt doch diesen Werbespruch: Mitten drin - nicht nur dabei! Also jetzt verstehe ich, was damit gemeint ist ...

Führen Sie vor allem Einzelgespräche?

Gespräche ja. Aber nicht unbedingt Einzelgespräche. Ich werde mich zwar schon mit einigen Spielern unter vier Augen unterhalten. Aber grundsätzlich möchte ich das, was zu sagen ist, offen sagen. Das muss in einer Kabine möglich sein.

Kehrt Reto Berra ins Tor zurück?

Ja, er wird am Samstag im Tor stehen.

Sie müssen zwei Ausländer auf die Tribüne setzen. Wissen Sie schon welche?

Das entscheiden wir erst am Spieltag. Aber wenn alle fit sind, dann tendiere ich zum Einsatz der beiden Stürmer Sebastien Bordeleau und Rico Fata. Bordeleau hat allerdings zwei Tage wegen einer Grippe nicht trainieren können.

Wenn Sie die Mannschaft wieder retten, dann wäre es nur folgerichtig, wenn Sie nächste Saison Trainer des EHC Biel werden.

Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht. Wozu auch? Alles hängt davon ab, ob wir die Liga-Qualifikation gewinnen.

Sie haben ja so oder so noch für zwei weitere Jahre einen Vertrag als Sportchef.

Ja, das ist richtig so. Aber was bedeutet im Eishockey in Zeiten der Krise schon ein Zweijahresvertrag ...

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