Politiker gestehen: «Ja, wir haben auch schon gekifft»
Aktualisiert

Politiker gestehen«Ja, wir haben auch schon gekifft»

Das Ja zur Kiffer-Busse im Parlament kommt nicht von ungefähr. Immerhin haben einige Politiker schon selbst Cannabis konsumiert. Bei Geri Müller ist es noch nicht einmal eine Woche her.

von
Jessica Pfister

Bei der Debatte über das Betäubungsmittelgesetz wurde deutlich, wer im Parlament ganz sicher noch nie einen Joint gedreht, geschweige denn an einer Tüte gezogen hat. So sprach SVP-Ständerat Peter Föhn von 100 Joints, die man mit 10 Gramm Cannabis bauen könne. SP-Ständerat Roberto Zanetti protestierte darauf: «Ich kann Kollege Föhn vom Hörensagen – nicht etwa aus praktischer Erfahrung, sondern vom Hörensagen – mitteilen: Hundert Joints mit zehn Gramm, das gibt ‹Diätjointlis›, die relativ harmlos sind.»

Obwohl Zanetti mit seinem Hinweis Recht hat - es kommt nicht nur vom Hörensagen, dass er so gut Bescheid weiss. «Ja, ich gebe es zu. Während der Studienzeit habe auch ich gekifft», sagt der 57-jährige Solothurner. Hätte damals ein Party-Gastgeber solche «Diätjointlis» angeboten, wäre dies laut Zanetti wohl nicht gut angekommen. Ob er auch nach dem Studium wieder mal Cannabis konsumiert hat, will der SP-Politiker nicht verraten. Dafür enerviert er sich über diejenigen Politiker, die auch heute noch Cannabis als Einstieg für harte Drogen wie Heroin oder Kokain verteufeln. «Die leben wirklich hinter dem Mond.»

«Anregende Diskussionen nach Kiffen»

Definitiv nicht zur Anti-Cannabis-Fraktion gehört der grüne Nationalrat Geri Müller. Er steht nicht nur dazu, dass er in jungen Jahren gerne mal eine Tüte geraucht hat, sondern erzählt auch völlig offen, dass er heute noch Gras konsumiert: «Meinen letzten Joint habe ich am vergangenen Samstag geraucht.» Er bezeichne sich selbst als Gelegenheitskiffer, sagt Müller. Ein Joint sei für ihn wie ein gutes Glas Wein. Die Wirkung von Cannabis schätze er vor allem als Stimulans bei Gesprächen mit Freunden. «Nach dem Kiffen entstehen oft sehr anregende Diskussionen.» Ausserdem nutze er Marihuana gesundheitlich als schmerzlinderndes und entzündungshemmendes Mittel. «Bei einer Lungenentzündung hat mir Cannabis-Tee sehr geholfen.»

So gut wie Müller kennt sich FDP-Ständerätin Christine Egerszegi nicht mit dem Betäubungsmittel aus - obwohl auch sie schon gekifft hat. «Das war während meiner Studienzeit in Lausanne - und ich warte heute noch auf die Wirkung», sagt die 64-Jährige und lacht. Damals habe jeder gekifft, und sie als neugierige Person habe ebenfalls mitreden wollen. Dennoch hat sie es viele Jahre später nicht sofort realisiert, als ihr Sohn in ihrem Garten ein Hanfpflänzchen zog. Erst nachdem ihr auffiel, wie liebevoll er diese Pflanze hegte und pflegte, schaute sie genauer hin. «Ich habe das Pflänzchen geduldet, nur wenn Besuch kam, hab ich den Topf hinter der Garage versteckt.» Sie sei aber auch nicht traurig gewesen, als aus der Ernte nichts wurde.

«Keine Kontrolle verlieren»

Um kiffende Kinder muss sich ihre Parteikollegin Karin Keller-Sutter keine Sorgen machen. Wie Egerszegi befürwortet auch die ehemalige Präsidentin der Justiz- und Polizeidirektorenkonferenz das mildere Bussen-System für Cannabiskonsumenten. Keller-Sutter hatte ihre erste und einzige Erfahrung mit Cannabis mit jungen 16 Jahren. «Ich mag es nicht, die Kontrolle über mich selbst zu verlieren», sagt die 48-Jährige. Deshalb trinke sie bis heute auch nur wenig Alkohol.

Bessere Voraussetzungen für eine Kifferkarriere hatte SP-Nationalrat Andy Tschümperlin. Mit Rastalocken bis über die Schultern und umgeben von kiffenden Reggaefans am legendären Bob-Marley-Konzert im Jahr 1980 in Zürich war auch Tschümperlin «stoned» - allerdings nur vom Passivrauchen, wie er sagt. «Ich hatte immer zu viel Respekt und Angst vor Cannabis.»

Kiffer auch aus der SVP

Zumindest ausprobiert haben es dafür Jungpolitiker der Kiffer-kritischen SVP. So stehen sowohl Natalie Rickli als auch Lukas Reimann offen dazu, schon Cannabis geraucht zu haben. Beide haben als einzige SVP-Nationalräte für das Bussensystem gestimmt. Es sei sicher besser, kein Gras zu rauchen, sagt Rickli dazu. «Ich finde es aber auch falsch, Kiffer wie Kriminelle zu behandeln.»

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