Aktualisiert 14.06.2005 17:00

Jacko zeigt sich geläutert

Sein Mandant werde nicht mehr mit Kindern in einem Bett schlafen, sagte Verteidiger Thomas Mesereau am Dienstag dem Fernsehsender NBC.

«Er wird sich nicht länger verwundbar machen.» Jackson war am Montag in allen zehn Anklagepunkten für unschuldig befunden worden.

Der viermonatige Prozess habe Jackson sehr zugesetzt, sagte Mesereau weiter. Er werde sich jetzt langsam erholen. Als der Konvoi mit Jackson und seiner Familie am Montagnachmittag vor der Neverland Ranch vorfuhr, wurde er von wartenden Fans begeistert begrüsst. «Es ist ein Sieg», sagte die 39-jährige Tracee Raynaud. «Gott ist am Leben und es geht ihm gut.» Auch Jacksons Exfrau Debbie Row war erleichtert. «Ich hätte nie einen Pädophilen geheiratet», sagte sie. «Das (Rechts-)System funktioniert.»

Einige der Geschworenen äusserten jedoch Zweifel, ob der Sänger wirklich niemals Kinder belästigt habe. «Wir sind enttäuscht», sagte Staatsanwalt Tom Sneddon, der seit mehr als zehn Jahren gegen Jackson ermittelt hat. Er stehe weiterhin zu seiner Anklage. Die Staatsanwälte hatten versucht, Jackson als Persönlichkeit mit abwegigen Neigungen darzustellen, der auf seinem Anwesen eine Porno-Spielwiese für Kinder eingerichtet habe.

Der 46-Jährige war angeklagt, vor zwei Jahren einen 13-jährigen Jungen mit Wein gefügig gemacht und sexuell misshandelt zu haben. Nach viermonatigem Prozess und 30-stündiger Beratung befanden die Geschworenen den Sänger für nicht schuldig. Auch in den Anklagepunkten der Verschwörung zur Erpressung, zur Kindesentführung und zur Freiheitsberaubung wurde er freigesprochen. Bei einem Schuldspruch hätten ihm nahezu 20 Jahre Haft gedroht.

Die Jury fasste ihre Entscheidung einvernehmlich, wie es das amerikanische Recht vorschreibt. Sie folgte letztlich den Argumenten der Verteidigung, die versucht hatte, die Glaubwürdigkeit der als Hauptzeugin aufgetretenen Mutter des inzwischen 15-jährigen Jungen in Frage zu stellen. Der Frau wurde vorgeworfen, den Prozess aus reiner Geldgier lanciert zu haben.

Einige der Geschworenen räumten offen ein, dass sie die Mutter ausgesprochen unsympathisch fänden. Ein Jury-Mitglied, Ray Hultman, erklärte später, er sei nicht davon überzeugt, dass Jackson niemals Kinder belästigt habe. Im konkreten Fall hätten jedoch Zweifel an der Schuld des Angeklagten bestanden. Die Familie des betroffenen Jungen hat jetzt noch die Möglichkeit, eine Zivilklage gegen den Sänger einzureichen. Dieser werden nach dem Freispruch allerdings keine grossen Chancen eingeräumt.

«Wir suchen uns die Verbrechensopfer nicht aus und wir suchen uns die Familie nicht aus», sagte Sneddon. «Ich werde nicht zurückschauen und mich für irgendetwas entschuldigen.» Einige Juroren erklärten, sie hofften, dass Jackson aus dem Prozess gelernt habe. «Wir hoffen, dass er nicht mehr mit Kindern schläft, und dass er lernt, dass sie bei ihren Familien bleiben müssen», sagte der Vorsitzende der Geschworenen, Paul Rodriguez. «Und er muss vorsichtig sein, wie er sich im Umgang mit Kindern benimmt.»

(dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.