Bubendorf BL: «Jackpot» – Laien-Archäologe stösst auf einen Topf voller Münzen
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Bubendorf BL«Jackpot» – Laien-Archäologe stösst auf einen Topf voller Münzen

Ein archäologischer Späher ist in Bubendorf unweit des Schlosses Wildenstein mit dem Metalldetektor auf einen antiken Schatz gestossen. Dessen wissenschaftlicher Wert sei «unermesslich».

von
Lukas Hausendorf
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Ein freiwilliger Späher der Archäologie Baselland stiess am 6. September bei Bubendorf unweit des Schloss Wildenstein mit seinem Metalldetektor auf einen römischen Münzschatz.

Ein freiwilliger Späher der Archäologie Baselland stiess am 6. September bei Bubendorf unweit des Schloss Wildenstein mit seinem Metalldetektor auf einen römischen Münzschatz.

Archäologie Baselland
Archäologe Andreas Wahl bereitete den spätrömischen «Jackpot» sorgfältig für die Blockbergung vor.

Archäologe Andreas Wahl bereitete den spätrömischen «Jackpot» sorgfältig für die Blockbergung vor.

Archäologie Baselland
Der Topf beinhaltete 1290 Münzen, die aus der Zeit des Kaisers Constantin des Grossen aus dem Zeitraum zwischen 332 bis 335 nach Christus datiert werden können.

Der Topf beinhaltete 1290 Münzen, die aus der Zeit des Kaisers Constantin des Grossen aus dem Zeitraum zwischen 332 bis 335 nach Christus datiert werden können.

Archäologie Baselland

Darum gehts

Am 6. September war Daniel Lüdin mit seinem Metalldetektor in einem Waldstück unweit des Schlosses Wildenstein unterwegs. Beim sogenannten prospektieren, machte der ehrenamtliche Mitarbeiter der Archäologie Baselland einen Sensationsfund. Nachdem das Gerät ein starkes Signal gab, begann Lüdin zu schürfen und stiess auf mehrere römische Münzen und Keramikfragmente. Da wusste er, dass er gerade einen Sensationsfund gemacht hatte und tat das einzig Richtige: Er deckte den Fund wieder zu und bot die Archäologie Baselland auf. Diese machte den Fund am Mittwoch bekannt.

Die Profis konnten den Topf danach fachgerecht in einem Block bergen. Der Jackpot beinhaltete 1290 spätrömische Münzen aus dem vierten Jahrhundert. Nach der Durchsicht des Fundes waren die Archäologen gleich doppelt überrascht: Ein Stück Leder unterteilte die Münzen in zwei Portionen, andererseits sei der Zeitpunkt seiner Verbergung ungewöhnlich. Denn Münzschätze aus der Zeit um 332 bis 335 nach Christus seien bisher kaum bekannt.

Die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt hat den Fund einer Computertomographie unterzogen und die Zusammensetzung der Münzen analysiert. Die Tomographie förderte auch das Rindslederband zutage, das die Münzen in zwei Teile trennte. Das Band lässt die Archäologen aber ratlos zurück. «Über Sinn und Zweck dieser Unterteilung lässt sich nur spekulieren», heisst es in der Mitteilung.

Die Münzen selbst bestehen aus einer Kupferlegierung mit einem sehr geringen Silberanteil. Kantonsarchäologe Reto Marti spricht von «gestreckten Münzen». Es handle sich dabei wohl um Kleingeld mit geringer Kaufkraft. Zur Regierungszeit von Kaiser Constantin dem Grossen, aus dessen Regentschaft die Münzen datieren, wie die Prägung verrät, herrschte Inflation. Der Wert aller Münzen entsprach etwa zwei Monatsverdiensten eines damaligen Soldaten. Während ihr Nominalwert eher bescheiden ist, sei ihr wissenschaftlicher Wert dagegen «unermesslich», wie Marti sagt. Einen eigentlichen Barwert könne man dem Fund gar nicht zuschreiben. «Die Münzen sind eigentlich unverkäuflich, der Handel damit ist illegal», erklärt er.

Ein weiteres Rätsel ist, weshalb der Münztopf überhaupt vergraben wurde. Zu Zeiten von Wirtschaftskrisen und Bürgerkriegen in der späten Römerzeit vergruben viele Menschen ihre Wertsachen, um sie vor fremdem Zugriff zu schützen. Für die Verbergungszeit des «Jackpots» von Bubendorf gebe es im ganzen römischen Reich aber kaum vergleichbare Horte, so die Baselbieter Archäologen. Die Zeit aus der der Fund datiert,  sei von politischer Stabilität geprägt gewesen. Ein Indiz könnte der Fundort selbst liefern. Diese liege im Grenzbereich zwischen drei römischen Gutshöfen. «Vielleicht wurden die Münzen hier in einer Art Grenzheiligtum verwahrt oder den Göttern geopfert», spekulieren die Archäologen.

20 Minuten hat 2019 einen Späher begleitet, der als Freiwilliger für die Archäologie Baselland arbeitet.

20 Minuten/Oliver Braaams

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