Aktualisiert 30.11.2011 10:06

Fahrlässige Tötung

Jackson-Arzt zu vier Jahren Haft verurteilt

Nach dem Schuldspruch nun das Strafmass: Conrad Murray, früherer Leibarzt von Michael Jackson, muss für vier Jahre ins Gefängnis. Laut Gericht habe er keine Reue gezeigt.

Wegen fahrlässiger Tötung hat ein Gericht in Los Angeles am Dienstag den früheren Leibarzt des verstorbenen Sängers Michael Jackson zur Höchststrafe von vier Jahren Haft verurteilt. Der Vorsitzende Richter warf Conrad Murray in seinem Urteil einen «schweren Vertrauensmissbrauch» bei der Behandlung seines Patienten vor.

Der Mediziner war Anfang des Monats der fahrlässigen Tötung schuldig gesprochen worden. Die Geschworenen in Los Angeles sahen es als erwiesen an, dass Murray seinem Patienten Jackson versehentlich eine tödliche Dosis des Betäubungsmittels Propofol verabreicht habe.

Richter Michael Pastor nannte Murray einen rücksichtslosen Arzt, dessen Handlungen «eine Schande für die Medizin» seien. Der Angeklagte habe wiederholt gelogen und keine Reue gezeigt. «Dr. Murray hat die Umstände geschaffen und war Teil eines Kreislaufs schrecklicher Medizin», sagte Pastor. Der grosszügige Gebrauch von Propofol sei «medizinischer Wahnsinn» gewesen, mit der Murray seine ärztlichen Verpflichtungen verletzt habe, um «Geld, Ruhm oder Prestige» zu erlangen.

Richter entspricht mit Höchststrafe Antrag der Staatsanwälte

Mit der für fahrlässige Tötung zulässigen Höchststrafe von vier Jahren entsprach Richter Pastor dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte für eine Bewährungsstrafe für ihren Mandanten plädiert. Angesichts der Überbelegung der Gefängnisse im US-Staat Kalifornien könnte Murray allerdings bereits nach zwei Jahren wieder entlassen werden.

«Wir wollen keine Rache. Es gibt nichts, was uns Michael zurückbringt», hiess es in einer Stellungnahme der Jackson-Familie, die der Anwalt Brian Panish verlas. «Als seine Brüder und Schwestern können wir nie mehr mit Michael lachen oder auftreten. Und als seine Kinder werden wir ohne Vater aufwachsen - unseren besten Freund, Spielkameraden und Papa.»

Gegenüber der Nachrichtenagentur AP zeigte sich die Familie von Michael Jackson nach dem Urteil mit dem Strafmass zufrieden. «Wir werden eine Familie sein», sagte Michael Jacksons Bruder Jermaine. «Wir werden nach vorne schauen. Wir werden auf Tour gehen, Musik machen und ihn vermissen.»

(Quelle: YouTube/Reuters) (dapd)

Jackson-Prozess - Ein Rückblick:

25. Juni 2009: Der 50-jährige Michael Jackson stirbt an einer Vergiftung mit dem Narkosemittel Propofol. In den Mittelpunkt der Ermittlungen rückt Jacksons Privatarzt Conrad Murray, der ihm das Mittel möglicherweise gespritzt hat.

4. September: Jackson wird auf einem Prominentenfriedhof bei Los Angeles beerdigt.

4. Januar 2011: Vor Gericht beginnt Murrays Anhörung. Zeugen sagen gegen ihn aus. Bald darauf wird er angeklagt.

27. September: Der Prozess gegen Murray beginnt in Los Angeles. Die Anklage wirft ihm «grobe Fahrlässigkeit» vor, die Verteidigung weist Jackson die Schuld zu.

3. Oktober: Die Notärztin, die Jackson für tot erklären liess, erhebt schwere Vorwürfe gegen den Leibarzt. Er habe ihr verschwiegen, dass er ein Narkosemittel verabreicht hatte.

6. Oktober: Eine Ermittlerin räumt vor Gericht Fehler bei der Spurensicherung ein.

12. Oktober: Ein Kardiologe wirft Murray vor, er habe seine ärztlichen Pflichten grob vernachlässigt. So habe er den Notarzt zu spät alarmiert. Zudem habe er die Wiederbelebungsversuche verpatzt.

28. Oktober: Ein Facharzt erklärt, der Popstar habe sich die tödliche Dosis des Betäubungsmittels Propofol vermutlich selbst gespritzt.

7. November: Die Geschworenen sprechen Murray der fahrlässigen Tötung schuldig. Das Strafmass soll am 29. November bekanntgegeben werden.

24. November: Der Staatsanwalt fordert eine Entschädigung von 100 Millionen US-Dollar für Jacksons Erben.

29. November: Das Gericht setzt das Strafmass für Murray auf vier Jahre fest. Das ist die mögliche Höchststrafe in dem Fall.

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