Aktualisiert 14.06.2005 14:52

Jackson: Immer noch reich, aber nicht flüssig

Auch nach dem Freispruch wird es für Michael Jackson schwer, den Thron des «King of Pop» zurückzuerobern.

Die Karriere des 46-Jährigen dümpelt schon seit Jahren vor sich hin. Seine jüngsten Alben floppten, seine grosse Glanzzeit liegt zwei Jahrzehnte zurück. Der Karriereknick spiegelt sich auch in den Finanzproblemen des Sängers. Er hat wachsende Probleme, die Rechnungen für seinen luxuriösen Lebensstil zu bezahlen.

Branchen-Insider erinnern daran, dass Jackson schon vor dem Prozess in der Popwelt seine Rolle als Trendsetter längst verloren hatte. «Wir hatten aufgehört, auf seine neueste Musikveröffentlichung zu warten, und auf seinen neuesten Skandal zu warten angefangen», sagt der Pop-Experte Robert Thompson von der University of Syracuse im US-Bundesstaat New York.

An die Erfolge von «Thriller» (1983) - des mit weltweit rund 60 Millionen Tonträgern meistverkauften Albums aller Zeiten - und «Bad» (1987) konnte Jackson nicht mehr anknüpfen, sein Ruhm zehrte bereits seit den 90er Jahren von der Vergangenheit.

Jackson hat sich zudem einen Ruf als unzuverlässiger Geschäftspartner erworben. Er sieht sich mit einer Serie von Klagen wegen versäumter Zahlungen konfrontiert.

Trotzdem noch nicht pleite

Der Gerichtsbuchhalter John Duross O'Bryan berichtete während des Missbrauchsprozesses, dass Jackson jährlich zwischen 20 und 30 Millionen Dollar mehr ausgebe als einnehme. Die Höhe seiner Gesamtschulden beläuft sich demnach auf etwa 224 Millionen Dollar (185,7 Millionen Euro).

Dies bedeutet freilich längst noch nicht, dass Jackson pleite ist. Sein Problem ist ein Mangel an Barreserven. Nach Recherchen des US-Senders CNN verfügt Jackson aber weiterhin über Vermögenswerte von mehr als 600 Millionen Dollar.

Die Beatles als Rettungsanker

Sollten seine Probleme mit dem Cash-Flow zunehmen, könnte er sich gezwungen sehen, einen Teil dieser Werte abzustossen. Spekuliert wird, dass Jackson seine 50-prozentige Beteiligung am Musikverlag Sony/ATV ganz oder teilweise verkaufen könnte, dessen Wert auf bis zu eine Milliarde Dollar geschätzt wird.

Eine Goldgrube von Sony/ATV sind die Rechte an den meisten Liedern der Beatles, die Jackson vor 20 Jahre für 47,5 Millionen Dollar erworben hatte. Jedes Mal, wenn einer der Beatles-Songs im Radio gespielt wird, verdienen Sony und Jackson daran.

Ein Hedge-Fonds als Falle

Die Einnahmen aus den Songrechten reichen aber nicht, um Jacksons auschweifenden Lebensstil zu finanzieren. Jackson hat die Songrechte deshalb als Sicherheiten für die Schuldenaufnahme eingesetzt.

Laut CNN häufte er bei der Bank of America bis zum Jahr 2000 eine Viertelmilliarde Dollar an Schulden an. Die Bank wiederum verkaufte die Jackson-Obligationen an den New Yorker Hedge-Fonds Progress weiter. Laut Duross O'Bryan wird die Rückzahlung eines der Kredite in Höhe von 200 Millionen Dollar im Dezember fällig.

Progress könnte Jackson zu zwingen versuchen, seinen Anteil an Sony/ATV zu verkaufen, um das Geld aufzubringen - ein für den Popstar bedrohliches Szenario. Trotz seiner Finanzprobleme machte Jackson bislang keine Anstalten, Abstriche an seinem Lebensstil vorzunehmen.

(sda)

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