Aktualisiert 08.02.2010 21:30

Fahrlässige TötungJacksons Leibarzt angeklagt

Der frühere Leibarzt von Michael Jackson, Conrad Murray, ist ein halbes Jahr nach dem Tod des Superstars wegen fahrlässiger Tötung angeklagt worden. Dem Arzt drohen bei einem Schuldspruch bis zu vier Jahren Gefängnis.

von
Linda Deutsch, AP

Murrays Anwalt kündigte an, sein Mandant werde den gegen ihn erhobenen Vorwurf vor Gericht zurückweisen. Murray hat zugegeben, dem an Schlafstörungen leidenden King of Pop kurz vor dessen Tod das Narkosemittel Propofol und andere Beruhigungsmittel verabreicht zu haben, um ihm zum Einschlafen zu verhelfen. Aber nichts von dem, was er dem Popstar gegeben habe, hätte Jackson töten dürfen, erklärte der Arzt. Die Anklage dagegen wirft ihm vor, «ohne die nötige Vorsicht und Umsicht» vorgegangenen zu sein, als er Jackson Propofol verabreichte.

Murrays Anwälte teilten am Montag im Internet mit, der Arzt werde sich den Behörden stellen und gegen 13.30 Uhr Ortszeit (22.30 Uhr MEZ) vor dem Gerichtsgebäude in Los Angeles eintreffen. Schon Stunden vorher bezogen zahlreiche TV-Reporterteams mit Satellitenwagen Position.

Der Kardiologe war der Letzte, der Jackson lebend sah. Er stand seit dessen plötzlichem Tod am 25. Juni im Zentrum der Ermittlungen. Murray war bei Jackson, als dieser im Alter von 50 Jahren starb, wenige Wochen vor einer geplanten Serie von Comeback-Konzerten in London. Laut Autopsiebericht wurde der Tod durch Propofol in Verbindung mit weiteren Beruhigungsmitteln ausgelöst.

Murray war von Jackson als Leibarzt angestellt worden, während sich der Popstar auf seine Comeback-Konzerte vorbereitete. Der Mediziner schloss für die mit 150 000 Dollar dotierte Stelle bei Jackson seine kardiologischen Praxen in Houston und Las Vegas, um sich gänzlich auf die Betreuung Jacksons zu konzentrieren und ihn auf Reisen begleiten zu können. Im November erklärte sein Anwalt Edward Chernoff dazu, Murray habe für die Zeit als Jacksons Arzt kein Honorar bekommen. Der Mediziner habe seit sieben Monaten kein Geld mehr verdient, und es sei fraglich, ob er weiter sein Haus behalten und seine Familie unterhalten könne.

Vorführung in Handschellen oder freiwilliges Erscheinen

Seit sich die Hinweise auf eine Anklageerhebung gegen den Arzt in der vergangenen Woche verdichteten, ging es vor allem um die Frage, ob es Murray ermöglicht wird, sich der Justiz selbst zu stellen, oder ob er von der Polizei verhaftet und in Handschellen vorgeführt wird. Seine Anwälte wollten es Murray ersparen, vor einem Millionenpublikum - einschliesslich potenzieller Geschworener für den Prozess - in Handschellen aufzutreten. Einige hartnäckige Jackson-Fans wollten aber genau dies erreichen und hatten in einer Telefonaktion die Polizei in Los Angeles mit der Forderung bestürmt, Murray Handschellen anzulegen. Für den Fall, dass sich der Arzt freiwillig den Behörden stellen dürfte, hatten sie Proteste vor dem Gericht in Flughafennähe angekündigt.

In einem Prozess dürften Experten mit Aussagen über den Einsatz von Propofol zu Wort kommen. Unter anderem müsste geklärt werden, ob es sich um grobe Fahrlässigkeit handeln kann, wenn das Mittel in einem Privathaushalt verabreicht wird. Üblicherweise wird es in Krankenhäusern eingesetzt. Der Leiter von Murrays Anwaltsteam, Chernoff, hat erklärt, der Arzt sei für den juristischen Kampf gut gerüstet. «Wir werden eine Kautionszahlung erreichen, wir werden auf nicht schuldig plädieren, und wir werden kämpfen wie verrückt.»

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