Bezirksgericht Zürich: «Jade-Schläger» ist kein Messerstecher
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Bezirksgericht Zürich«Jade-Schläger» ist kein Messerstecher

Ein Hauptangeklagter, der seit Februar in Haft sitzt, wurde von der Beschuldigung des Messereinsatzes freigesprochen. Ein Schläger bleibt er allerdings.

von
Attila Szenogrady
Im Jade Club kam es Ende Dezember 2013 zu einer wüsten Schlägerei mit zwei Schwerstverletzten.

Im Jade Club kam es Ende Dezember 2013 zu einer wüsten Schlägerei mit zwei Schwerstverletzten.

In der Nacht auf den 23. Dezember 2013 kam es im Zürcher Club «Jade» zu einer wüsten Massenschlägerei. Dabei setzten die Parteien nicht nur Fäuste, sondern auch Flaschen und Stichwaffen als Kampfmittel ein. Zwei Personen erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Weitere sechs Personen wurden mittelschwer verletzt. Am Donnerstag musste sich ein heute 27-jähriger Beteiligter vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Laut Staatsanwältin Bettina Groth handelte es sich um einen der Haupttäter.

Gemäss Anklage hatte der Barbetreiber aus Olten bereits im Club aktiv an der Keilerei teilgenommen und einem am Boden liegenden Gegner an den Kopf getreten. Kurz darauf begab er sich nach draussen, wo er laut Anklage zwei Kontrahenten mit einem Messer niederstach. Danach suchte er das Weite.

Er wurde im Laufe der Ermittlungen am vergangenen 4. Februar von der Polizei festgenommen und sitzt seither im Gefängnis. Die Staatsanwältin lastete ihm nicht nur Raufhandel, sondern auch mehrfach versuchte schwere Körperverletzung an. Der Strafantrag von fünf Jahren Freiheitsentzug fiel dementsprechend happig aus.

Verwechslung geltend gemacht

Der Barbetreiber handelte sich seit 2006 fünf Vorstrafen wegen Verkehrsdelikten, Sachbeschädigung, Ausländerrecht und Drohung ein.

Vor Gericht bezeichnete er sich als unschuldig und führte aus, dass er sich nur gewehrt habe. Die eingeklagten Stiche wies er gänzlich von sich: «Ich bin keine Person, die mit einem Messer herumläuft», erklärte er. Die belastenden Aussagen der beiden Geschädigten wies er zurück und machte eine Verwechslung geltend.

Widersprüchliche Aussagen der Opfer

Für die Staatsanwaltschaft sah es bereits zum Prozessauftakt schlecht aus. So hatten beide Geschädigten ihre Anträge einen Tag vor der Verhandlung überraschend zurückgezogen und erklärt, dass sie heute nicht mehr sicher seien, ob der Beschuldigte tatsächlich der Messerstecher gewesen sei.

Anfangs hätten beide ausgeführt, dass sie wegen Pfefferspray im Auge den Täter gar nicht erkannt hätten. Später gaben sie dagegen nach einer Drittinformation an, dass sie den Beschuldigten bis zu 95 Prozent identifizieren könnten. «Der Blinde wurde zum Sehenden», kommentierte der Verteidiger, der auch vom Vorwurf des Raufhandels einen Freispruch verlangte. Zudem forderte er für die zu Unrecht erlittene Haft Schmerzensgeld von 28'400 Franken.

Raufhandel ja, Messerstiche nein

Das Gericht kam zum Schluss zu einem verhältnismässig milden Urteil. So sprach es den Beschuldigten von den versuchten schweren Körperverletzungen mangels Beweisen frei. So hätten die Aussagen der Opfer nicht überzeugt. Im Gegensatz dazu sah das Gericht den Raufhandel als erwiesen an. So hatte eine Augenzeugin des Fusstritts gegen den Kopf eines Gegners nicht nur genau beobachtet, sondern auch den Beschuldigten als Täter klar identifiziert. Sie hatte ihn aus 256 Fotos identifiziert.

Das Gericht sprach damit von einer aktiven Beteiligung des Beschuldigten und einem nicht mehr leichten Verschulden. Es setzte eine bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten fest und ordnete die sofortige Haftentlassung an. Wegen des Schuldspruchs lehnte das Gericht die Zusprechung einer Genugtuung allerdings ab. Zudem setzte es eine verlängerte Probezeit von drei Jahren an und widerrief zwei früher bedingte Geldstrafen von 15 und zehn Tagessätzen zu 60 Franken. In den folgenden Monaten wird es zu weiteren Prozessen im Hinblick auf die Massenschlägerei kommen.

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