Aktualisiert 25.11.2012 18:39

Stettlen BEJäger brauchen Fuchs als Wegweiser

Ein Fuchs hängt am Samstagmorgen tot an einem Strassenschild im Kanton Bern. Ein Bild, das auch die Polizei beschäftigt. Die Verantwortlichen sind schnell gefunden, sehen in ihrer Aktion aber kein Problem.

von
J.Büchi
Leser-Reporter R. entdeckte das aufgehängte Tier.

Leser-Reporter R. entdeckte das aufgehängte Tier.

Leser-Reporter R. musste zwei Mal hinsehen, als er am Samstagmorgen in Stettlen BE den Schwandiweg passierte. Am Wegweiser am Strassenrand hing ein Tier! Bei genauerem Hinsehen wurde R. klar: Es handelt sich um einen Fuchs.

«Er war auf eine Art Holzgestell gespannt – diese Konstruktion war dann am Metallpfahl des Schilds befestigt», erzählt R.. Das skurrile Bild beschäftigte auch die Berner Kantonspolizei. Beamte fuhren eigens nach Stettlen, um sich vor Ort selbst ein Bild zu machen. Die Polizisten nahmen den aufgehängten Fuchs herunter und beschlagnahmten ihn.

«Die Patrouille stellte fest, dass der Fuchs schon einige Zeit tot war. Vom Tier ging ein ziemlich starker Verwesungsgestank aus», erklärt Mediensprecherin Alice Born auf Anfrage. Da in der Gegend am Samstagmorgen eine Fuchsjagd stattfand, fiel der Verdacht schnell auf den entsprechenden Jagdverband. «Der zuständige Wildhüter wird das Gespräch mit den Leuten suchen», so Born.

Fuchs diente als Wegweiser

Und tatsächlich – auf Anfrage beim Berner Jägerverband ist das Rätsel schnell gelöst. «Wir haben den Fuchs als Wegweiser aufgehängt, damit die Jäger leichter zum Treffpunkt finden», erklärt Verbandspräsident Lorenz Hess. Er stellt aber klar: «Es war nicht das ganze Tier, sondern nur das Fell eines Fuchses, der vor einiger Zeit erlegt worden war.» Weshalb die Polizei von einem Verwesungsgeruch spricht, kann er sich nicht erklären.

Am ungewöhnlichen «Wegweiser» sieht er denn auch nichts Despektierliches. «Es gibt auch Restaurants, die den Gästen mit Fellen den Weg weisen», so Hess. Er habe auch keine negativen Reaktionen bekommen. «Die Fuchsjagd wird hier in der Gegend allgemein sehr positiv aufgenommen. Die Leute sind froh, wenn wir die Zahl der Füchse etwas reduzieren. Wenn wir unterwegs auf Hündeler oder Spaziergänger treffen, werden wir immer freundlich gegrüsst.»

Unter den 20 Leuten, die am Morgen an der Jagd teilgenommen haben, war laut Hess auch der Wildhüter der Region– jener, der laut der Polizei in den nächsten Tagen das Gespräch mit den Jägern suchen sollte. «Er hatte gar nichts auszusetzen am aufgehängten Fuchsfell», hält Hess abschliessend fest. «Es war eine gute und friedliche Jagd. Wir haben insgesamt fünf Füchse erlegt.»

Tierschützer sind entsetzt

Der Dachverband der Berner Tierschutzorganisationen hingegen ist entsetzt: «Ich verurteile diese Aktion aufs Schärfste. Die Jäger haben die Würde des Tieres verletzt. Es hätte andere Möglichkeiten gegeben, auf die Jagd hinzuweisen», so Präsidentin Alexandra Spring.

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