27.10.2016 19:47

Erschreckende Erkenntnisse

Jägerbombs wirken auf das Gehirn wie Kokain

Alkohol mit Energy-Drinks zu mischen, halten viele Feierwillige für eine gute Idee. US-Forscher sind da ganz anderer Meinung und warnen davor.

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Die Kombination von hochprozentigen und stark koffeinhaltigen Getränken kommt nicht überall so gut an wie bei dieser Halloween-Party: Forscher der Purdue University warnen sogar davor, die beiden Dinge miteinander zu konsumieren.

Die Kombination von hochprozentigen und stark koffeinhaltigen Getränken kommt nicht überall so gut an wie bei dieser Halloween-Party: Forscher der Purdue University warnen sogar davor, die beiden Dinge miteinander zu konsumieren.

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Schon jede Substanz für sich genommen kann üble Nebenwirkungen haben: Während Alkohol für Kater und Kopfschmerzen und im schlimmsten Fall für Vergiftungen sorgt, ....

Schon jede Substanz für sich genommen kann üble Nebenwirkungen haben: Während Alkohol für Kater und Kopfschmerzen und im schlimmsten Fall für Vergiftungen sorgt, ....

Keystone/Jean-christophe Bott
... schwächen die trinkbaren Aufputschmittel das Herz. Und das bereits während des Trinkens.

... schwächen die trinkbaren Aufputschmittel das Herz. Und das bereits während des Trinkens.

Flickr.com/reynermedia/CC BY 2.0

Sowohl Hochprozentiges als auch Energy-Drinks sollten mit Bedacht getrunken werden. Denn beide Substanzen können üble Nebenwirkungen haben.

Während Alkohol für Kater und Kopfschmerzen und im schlimmsten Fall für Vergiftungen sorgt, schwächen die trinkbaren Aufputschmittel das Herz. Und das bereits während des Trinkens.

Schlimmer geht immer

Noch schlimmer sieht es aber aus, wenn beide Getränkearten miteinander gemixt werden, beispielsweise in Form sogenannter Jägerbombs (Jägermeister mit Red Bull), warnen Forscher der Purdue University im US-Bundesstaat Indiana.

Das Team um Richard van Rijn hatte in der im Fachjournal «PLOS One» veröffentlichten Studie jugendliche Mäuse (siehe Box 1) dem Koffein-Alkohol-Mix ausgesetzt.

«Beide Substanzen zusammen überschreiten eine Grenze, wodurch es zu neurochemischen Veränderungen im Gehirn und zu einer Verhaltensänderung kommt», sagt van Rijn in einer Mitteilung. Die Wirkung trete nicht auf, wenn man nur eines von beidem konsumiere.

Die Menge macht das Gift

Weiter erkannten die Forscher, dass die Labor-Mäuse mit jeder Dosis hochprozentigen Koffeins immer lebhafter wurden. Und zwar in dem Mass, das zu erwarten wäre, wenn die Nager Kokain konsumiert hätten.

Dieser Eindruck bestätigte sich auf anderer Ebene: So stellten van Rijn und seine Kollegen bei den Tieren ein erhöhtes Vorkommen des Proteins FosB fest. Dies deutet auf eine dauerhafte Veränderung im Gehirn hin, wie sie auch bei Koksern auftritt. «Das ist einer der Gründe, warum es Drogenkonsumenten so schwer fällt, die Sucht aufzugeben», so der Forscher.

Erhöhtes Suchtpotenzial

Dass der Konsum von Mix-Getränken à la Jägerbombs oder Flying Hirsch langfristig Spuren hinterlässt, bewies auch eine deutlich später durchgeführte Untersuchung der Mäuse.

Sie zeigte, dass die Tiere im Erwachsenenalter Kokain und koffeinhaltigen Alkohol ganz anders – schwächer – wahrnahmen als jene Nager, die in jungen Jahren keine Alkohol-Energy-Drink-Kombinationen getrunken hatten.

Was im ersten Moment positiv tönt, ist aus Sicht der Forscher bedenklich, denn es führt laut einem weiteren Experiment dazu, dass sie einfach mehr konsumieren, um sich zuzudröhnen. «Ihre Hirne sind durch den frühen Konsum derart verändert worden, dass sie später anfälliger für Suchtmittel sind», so das Fazit der Forscher.

Potenziell tödlich

Der Mix aus Jägermeister und Energy-Drinks hat eine 18-Jährige in England fast das Leben gekostet. Zwar vertrug die Britin die grosse Menge an Alkohol offenbar ohne Probleme, doch die hohe Koffein-Konzentration brachte ihren Körper Stunden später völlig ausser Kontrolle: Sie erlitt nicht nur drei Herzattacken, sondern ihr Herz hörte vorübergehend sogar auf zu schlagen. Insgesamt drei Wochen lag sie im künstlichen Koma.

Laut ihren Ärzten hat der Alkohol zunächst ihre Herzfrequenz heruntergeschraubt. Als sich der Alkohol in ihrem Körper jedoch allmählich abbaute, hat das Koffein erst vollständig seine Wirkung entfalten können und so das Herz der jungen Frau zum Rasen gebracht.

Warum Mäuse statt Menschen?

Gerne hätten Richard van Rijn und seine Kollegen die Untersuchung an Menschen durchgeführt. Aber das ist aus ethischen Gründen nicht erlaubt. Deshalb wichen sie auf die tierischen Probanden aus. Die Wahl ist wohl überlegt: So haben frühere Studien gezeigt, dass Mäusegehirne auf Drogen ganz ähnlich reagieren wie die Denkorgane von Menschen.

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