Einschätzung: Jähes Ende des UBS-Neuanfangs
Aktualisiert

EinschätzungJähes Ende des UBS-Neuanfangs

Der Abbau von 3500 Stellen bei der UBS zeigt, wie schlecht die Führung der Grossbank die Lage eingeschätzt hat. Die Zeche zahlt das Personal – wie immer.

von
Lukas Hässig
Die Expansion der UBS ist abgeblasen.

Die Expansion der UBS ist abgeblasen.

3500 Stellen werden in den nächsten Monaten bei der UBS abgebaut, allein in der Schweiz drohen 400 Entlassungen. Getroffen wird vor allem Zürich, wo die Grossbank ihren Hauptsitz hat und viele Backoffice- und Investmentbank-Jobs unterhält.

Vor allem die Angestellten hinter der Front müssen um ihre Stelle fürchten, während die Kundenberater von der neuen Stellenübung weitgehend verschont bleiben sollen, wie die UBS in ihrer Mitteilung von heute schreibt.

Am stärksten trifft es die Investmentbank und die Vermögensverwaltung, auf die 45 respektive 35 Prozent der 3500 abzubauenden Arbeitsplätze fallen. Das entspricht knapp 1600 Jobs im Handelsteil und gut 1200 Stellen in der Vermögensverwaltung. Weitere je 10 Prozent oder je 350 Stellen fallen auf die Vermögensverwaltung für Gross-Anleger und die Vermögensverwaltung in den USA.

Geld sparen will die Bank mit diesem Verteilschlüssel somit insbesondere in der Investmentbank und in der Vermögensverwaltung. Ziel sind 2 Milliarden Franken, die ab 2014 jährlich eingespart werden sollen. Weil die Personalkosten im Banking den grössten Kostenblock ausmachen, setzt die UBS dort das Messer an.

Kapitale Fehleinschätzung

Die Anleger reagierten im Vormittagshandel erfreut, die Aktie legte um über 2 Prozent zu. Doch eigentlich handelt es sich um das Eingeständnis einer Niederlage. Die Ankündigung beendet nämlich jäh den Wiederaufbau der 2008 vor dem Konkurs stehenden Bank.

Als Oswald Grübel im Frühling vor 2 Jahren das CEO-Steuer übernommen hatte, sprach das Schlachtross von Swiss Banking noch vom Aufbruch zu alten Ufern. Die Bank sollte durch eine Blut-, Schweiss- und Tränen-Strategie zu Glanz und Grösse zurückfinden.

Expansion abgeblasen

Der Kraftakt misslang, wie die Zahlen seit einiger Zeit andeuten. Nun wird die Expansion definitiv abgeblasen. Stattdessen will die Bank erneut Milliarden einsparen. Sie sieht offenbar keine Alternative, weil sie immer weniger Geld verdient. Würde sie die Kosten hoch halten, dann würden die UBS-Gewinne noch mickriger und der Aktienkurs wohl weiter um 10 Franken herum pendeln.

Die Zeche bezahlt einmal mehr das Personal. Die Entwicklung der letzten 4 Jahre des weltweiten Personalbestands zeigt, dass die UBS eine Schrumpfkur schon unter Grübels Vorgänger begann. 2011 wechselte die Bank in leichten Steigflug. Das Timing hätte kaum schlechter sein können.

Ende der fetten Jahre

Das Hin und Her ist Beleg dafür, dass Grübel und seine Crew die Zeichen der Zeit zu spät erkannt haben. Sie rechneten lange Zeit mit einer Rückkehr der fetten alten Zeiten im globalen Banking, machten dabei aber die Rechnung ohne den Wirt: die internationalen Regulatoren und die globalen Investoren.

Die Regulatoren ziehen die Schrauben an und verunmöglichen Casino-Gewinne durch harte Kapitalvorschriften. Hinzu kommt Finanzkrise 2.0, die zu einer Staatskrise ausgewachsen ist und die Anleger verunsichert. Diese warten ab, statt ihr Geld zu riskieren.

No Business, no Fun, heisst das für die internationalen Grossbanken. Das wird noch lange so bleiben, sagen sich nun Grübel & Co., und bauen deshalb über 5 Prozent der Stellen ab.

Personalvertreter fordern Kürzung der Kaderlöhne

Der Schweizerische Bankpersonalverband (SBPV) fordert von der UBS eine ausgeglichene Ausgestaltung der angekündigten Sparmassnahmen. Der Abbau von rund 400 Stellen in der Schweiz soll gemäss SBPV von einer Reduktion der höchsten Löhne begleitet werden.

In einem Communiqué kritisierte der SBPV zudem die mangelnde Transparenz in der Informationspolitik der UBS. «Wir erhalten zu wenig Informationen über das Sparprogramm», sagte Denise Chervet, Zentralsekretärin des SBPV, der Nachrichtenagentur sda.

Es sei nicht klar, ob in den Massnahmen auch eine Reduktion bei den Toplöhnen enthalten sei. Der SBPV verlangt, dass die höchsten zehn Prozent der Saläre gekürzt werden.

Ebenfalls sei nicht bekannt, ob die Entlassungen noch unter dem laufenden Sozialplan vollzogen würden, der Ende Jahr ausläuft. Gegenwärtig wird laut Chervet ein neuer Sozialplan ausgehandelt.

(sda)

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