Jährlich 800 sexuelle Gewalttaten gegen Zürcher Mädchen
Aktualisiert

Jährlich 800 sexuelle Gewalttaten gegen Zürcher Mädchen

Sexuelle Gewalt unter Jugendlichen kommt laut einer Studie häufiger vor als oft angenommen. Eine breite Befragung von 15-jährigen Zürchern hat ergeben, dass Minderjährige im Kanton Zürich jährlich für rund 300 Fälle von sexueller Gewalt an Jugendlichen verantwortlich sind.

Die Befragung von über 2600 15-jährigen Jugendlichen aus dem Jahr 1999 hat ergeben, dass im Kanton Zürich drei bis vier Prozent der 13- bis 15-Jährigen jährlich Opfer von sexueller Gewalt geworden sind. Opfer seien mehrheitlich Mädchen, heisst es in einem in der «Neuen Zürcher Zeitung» veröffentlichten Beitrag von Manuel Eisner von der University of Cambridge und Denis Ribeaud, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Zürich. Dies bedeutet, dass alleine im Kanton Zürich jedes Jahr etwa 800 Mädchen im Alter von 13 bis 15 Jahren Opfer von sexueller Gewalt werden. In der ganzen Schweiz dürften es mehrere Tausend sein.

In 40 Prozent der Fälle waren die Täter minderjährig. Damit sind Minderjährige im Kanton Zürich jährlich für rund 300 Fälle von sexueller Gewalt an 13- bis 15-Jährigen verantwortlich. Täter und Opfer kennen sich in den meisten Fällen, die Delikte ereignen sich oft in den Wohnungen von Täter oder Opfer beziehungsweise im Party- und Disco-Umfeld.

Anzeigen bei sexueller Gewalt unter Minderjährigen gibt es laut dem Bericht selten. Im Falle von erwachsenen Tätern erstatteten 17 Prozent der Opfer eine Anzeige, bei minderjährigen Tätern waren es drei Prozent. Als Grund für die Nichtanzeige der minderjährigen Täter gaben die meisten Opfer an, dass sie den Vorfall selbst regeln wollten, dass Erwachsene doch nichts tun könnten oder dass sie mit der Polizei nichts zu tun haben wollten. Angst vor dem Täter wurde praktisch nie genannt.

Die grösste Tätergruppe bildeten, mit etwa 35 Prozent der Taten, die Schweizer. Rund 25 Prozent stammten aus Ex-Jugoslawien und etwa 15 Prozent aus der Türkei. Dies bestätige zwar eine Übervertretung ausländischer Täter, eine Reduzierung des Problems auf das Ausländerthema sei aber fehl am Platz, schreiben die Autoren.

Sexuelle Belästigung unter Jugendlichen stellt besonders an Schulen ein Problem dar, wie es in dem Bericht weiter heisst. In der Zürcher Studie gaben 25 Prozent der befragten Neuntklässler an, an ihrer Schule sexuelle Belästigung unter Schülern zu beobachten. Deutlich häufiger waren die Probleme an den damaligen Real- und Oberschulen sowie in benachteiligten Quartieren und Gemeinden mit hohem Ausländeranteil. (dapd)

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