Schwangerschaftsabbruch : Jährlich treiben Hunderte Frauen ab dem 4. Monat ab
Aktualisiert

Schwangerschaftsabbruch Jährlich treiben Hunderte Frauen ab dem 4. Monat ab

Jedes Jahr werden in der Schweiz rund 500 Kinder nach der 12. Schwangerschaftswoche abgetrieben. Die Ethikkommission will mit dem Tabuthema brechen.

von
kat
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Spätabtreibungen werden in der Gesellschaft oft tabuisiert. «Diese Abbrüche sind eine Realität. Sie passieren weltweit, ob es uns gefällt oder nicht», sagt Tanja Krones, leitende Ärztin für klinische Ethik am Universitätsspital Zürich.

Spätabtreibungen werden in der Gesellschaft oft tabuisiert. «Diese Abbrüche sind eine Realität. Sie passieren weltweit, ob es uns gefällt oder nicht», sagt Tanja Krones, leitende Ärztin für klinische Ethik am Universitätsspital Zürich.

Mac99
Es helfe niemandem, andere moralisch zu verurteilen. Manchmal schaffe das Leben schwierige Situationen, die zu solchen Abbrüchen führen.

Es helfe niemandem, andere moralisch zu verurteilen. Manchmal schaffe das Leben schwierige Situationen, die zu solchen Abbrüchen führen.

Keystone/Gaetan Bally
Ein Thema bei der Abtreibung ist die Gesundheit des Ungeborenen, zum Beispiel wenn organische Schäden festgestellt werden, was häufig erst ab der 20. Schwangerschaftswoche möglich ist.

Ein Thema bei der Abtreibung ist die Gesundheit des Ungeborenen, zum Beispiel wenn organische Schäden festgestellt werden, was häufig erst ab der 20. Schwangerschaftswoche möglich ist.

Keystone/Christian Beutler

Es ist ein unbequemes Thema, doch die Mitglieder der Nationalen Ethikkommission im Bereich Humanmedizin wollen nun einige Fragen klären. Es geht um Frauen, die nach der 12. Schwangerschaftswoche abtreiben. Dafür wurde eine 50 Seiten lange Stellungnahme verfasst, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Demnach werden jährlich 500 Kinder in der Schweiz spät abgetrieben.

«Diese Abbrüche sind eine Realität. Sie passieren weltweit, ob es uns gefällt oder nicht», sagt Tanja Krones, leitende Ärztin für klinische Ethik am Universitätsspital Zürich, Mitglied der NEK und Mitautorin, «es hilft niemandem, wenn wir dieses Thema tabuisieren.»

Gefordert werden Diskussionen über Abtreibungsmethoden und bessere Aufklärung, etwa darüber dass Kinder gerade späte Abtreibungen überleben können. Ausserdem plädiert die NEK dafür, dass die Praxis in der Schweiz vereinheitlicht und das Angebot besser gestreut wird. So führen nicht alle Kliniken hierzulande späte Abtreibungen durch, es seien vor allem die grossen Zentren.

Verurteilung hilft niemandem

Krones betont, dass sich niemand Spätabbrüche wünsche, doch das Leben manchmal schwierige Situationen schaffe. Die Betroffenen zu verurteilen, helfe niemandem. Genannt werden etwa psychische Erkrankungen der werdenden Mütter oder eine Vergewaltigung. Letztere werde manchmal so stark verdrängt, dass Frauen ihre Schwangerschaft erst sehr spät bemerken.

Ein weiteres Thema ist die Gesundheit des Ungeborenen. Etwa wenn organische Schäden festgestellt werden, was häufig erst ab der 20. Schwangerschaftswoche möglich sei. Tests für Chromosomenstörungen wie Trisomie 18 oder 21 könnten zwar schon in den ersten drei Monaten durchgeführt werden, für eine sichere Diagnose werde jedoch mehr Zeit benötigt.

Warum Frauen spät abtreiben lassen, wird in der Schweiz nicht im Detail erfasst. Laut Bericht gilt jedoch die «schwere seelische Notlage der Frau» als häufigster Indikator.

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Für eine Reportage sucht 20 Minute Frauen, die von ihrer Abtreibung erzählen. Alle Informationen werden vertraulich behandelt.

Abtreibung - bis wann?

Bis zur 12. Schwangerschaftswoche liegt der Entscheid für eine Abtreibung in der Schweiz bei der Frau. Ab der 13. Woche muss ein Arzt eine medizinische oder sozial-medizinische Notsituation feststellen, um die Abtreibung zu erlauben. Im Jahr 2017 gab es in der Schweiz 103 Ab­brüche nach der 17. Schwangerschaftswoche und 41 Abtreibungen nach der 23. Woche.

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