E-Trading: Jagd auf das schnelle Geld – als Online-Broker

Aktualisiert

E-TradingJagd auf das schnelle Geld – als Online-Broker

Online-Broker haben Zulauf wie nie: Viele Schweizer wollen mit Mini-Spekulationen von der Krise profitieren.

von
Daniel Waldmeier

«Ich kann kaum mehr schlafen, die Kurse verfolgen mich auch im Traum, so B. M. Erst vor drei Wochen hat er via Internet sein erstes Börsengeschäft abgewickelt und seither 4800 Franken verdient – und es lässt ihn nicht mehr los. Er ist nicht der Einzige: Online-Broker werden derzeit von neuen Kunden überrannt.

«Es ist eine Extremsituation», sagt Marc Bürki, CEO des Online-Brokers Swissquote. Anmeldungen und Trades hätten sich mit der Krise verdoppelt. «Viele wollen die grossen Kursschwankungen ausnutzen», sagt Manfred Hauser von Trade-net.ch, das rund 50 Prozent mehr Anmeldungen verzeichnet. Dasselbe bei E-Trading: «Immer wenn die Börse verrückt spielt, werden wir von Kunden überrannt», so ein Sprecher. Dass die ­Krise viele Kleinaktionäre anzieht, zeigt auch das Beispiel UBS: Hatte sie Ende 2007 noch 186725 Schweizer Aktionäre, waren es ein halbes Jahr ­später bereits 252745.

«Das Dümmste, was man machen kann»

Hans Geiger, Professor am Bankeninstitut der Uni Zürich, rät Anfängern davon ab, an der Börse zu wetten.

Online-Broker boomen, weil viele Schweizer auf kurzfristige Gewinne hoffen. Wie viel Risiko ist dabei?

Hans Geiger: Es ist das Dümmste, was man machen kann. Oder würden Sie als Segelanfänger bei Sturm aufs offene Meer hinausfahren? Kurzfristig mögen so zwar Gewinne erzielbar sein, langfristig werden aber viele als Verlierer da­stehen, weil sie zu lange spielen.

Ist dies ein neues Phänomen?

Absolut. Früher ist man bei Sturm an Land geblieben. Wer gamblen will, sollte besser ins Kasino gehen.

Glauben Sie, dass die Spekulanten der Börse schaden können?

Nein, das glaube ich nicht, da diese Leute eher kleine Summen investieren und deshalb wenig Marktmacht haben. Einem Kasino schadet es ja auch nicht, wenn die Leute ihr Geld verlieren.

daw

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