Aktualisiert 06.12.2014 21:05

Schwarze Polizeiberaterin

«Jagdsaison auf schwarze Männer ist eröffnet»

In den USA werden immer mehr Fälle von Polizeigewalt bekannt. Die Reaktionen darauf: markige Aussagen, Särge in den Strassen und haarsträubende Schilderungen, was Schwarze im Alltag erleben.

von
cfr

Es ist der nächste Fall von Polizeigewalt in Amerika innert weniger Wochen: Ein weisser Polizist hat in Phoenix den 34-jährigen Familienvater Rumain Brisbon erschossen. Die Polizei reagierte sofort. Sie veröffentlichte eine detaillierte Beschreibung des Tatverlaufs für die Medien, um sich transparent zu zeigen.

Ohne grossen Effekt: Eine Polizeiberaterin der schwarzen Gemeinschaft sagte gegenüber dem Lokalsender «az central»: «Es scheint Jagdsaison auf schwarze Männer zu herrschen». Sie fügt hinzu: «Wir müssen genauer untersuchen, warum Polizisten sich gezwungen fühlen, zu schiessen und zu töten, anstatt die Person festzunehmen, in Gewahrsam zu nehmen, zu verhaften und ins Gefängnis zu stecken».

Särge auf den Strassen New Yorks

Unterdessen werden die Proteste auf Amerikas Strassen immer heftiger: In New York marschierten tausende Demonstranten zur Brooklyn Bridge und brachten den Feierabendverkehr zum Erliegen. Beim Times Square riefen die Massen: «New York Police Department, wie viele Kinder habt ihr heute umgebracht?»

Eine weitere Demonstrantenmenge legte sich im Stadtteil Brooklyn neben Sarg-Attrappen auf die Strasse und inszenierte ein «die in» (angelehnt an «drive in», in etwa: ein Treffen, um zu sterben). Später trugen sie die Särge, die mit Namen der Opfer von Polizeigewalt beschriftet waren, über die Brooklyn Bridge, wie die «New York Times» berichtet.

Auch viral geht der Protest weiter. Die schwarze Community hat inzwischen auf den weissen Protest #CrimingWhileWhite geantwortet. Unter dem Hashtag #AliveWhileBlack erzählen Schwarze von den Demütigungen, die sie im Alltag erleben. Und das trotz des Versprechens von US-Justizminister Eric Holder, «racial profiling» (das Handeln der Behörden aufgrund von Kriterien wie Rasse, ethnischer Zugehörigkeit oder Herkunft) ein für alle Mal zu beseitigen.

«Ein Auto fuhr in meines rein – ich hatte Blut im Gesicht und eine Gehirnerschütterung. Die Polizei und medizinischen Helfer sagten mir, ich sollte aufhören zu heulen und zu simulieren.»

«Weisse Polizisten haben mich um 1 Uhr morgens bei einer roten Ampel im Auto angehalten. Sie beschuldigten mich der Prostitution und hielten mich für 30 Minuten fest.»

«Ich wurde mit einer Pistole bedroht und ausgeraubt, wollte nicht zur Polizei, bis meine Mutter mich zwang. Ich erzählte der Polizei meine Geschichte, sie behandelten mich, als hätte ich jemanden ausgeraubt.»

Auch der Social-Media-Dienst Twitter selbst malte den Hashtag #BlackLivesMatter (Schwarze Leben zählen) an eine ihre Bürowände des Hauptsitzes. Mitarbeiter verbreiteten Fotos davon mit ihren Accounts.

«Geehrt, für ein solches Unternehmen zu arbeiten».

«Run from the Cops»-Lauf abgesagt

Während die Proteste sich ausweiten, übt sich die Polizei in Zurückhaltung: In Tempe im US-Bundesstaat Arizona hat die Polizei einen 5-Kilometer-Lauf für einen guten Zweck verschoben. In Anbetracht der derzeitigen Proteste müsse man den Lauf unter dem Motto «Run from the Cops» (Lauf vor der Polizei weg) absagen und «Sensibilität, Respekt und Unterstützung für alle Seiten der Debatte» zeigen, sagte der lokale Polizeichef gemäss «abc 15 News».

Auch die New Yorker Polizei hat auf die Anschuldigungen reagiert. In einem dreitägigen Kurs sollen 22'000 Streifenpolizisten der Stadt nachgeschult werden. New Yorks Bürgermeister Bill De Blasio sagte: «Unsere Polizisten werden anders mit den Einwohnern reden. Deeskalation, weniger Gewalt», so die «New York Times».

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