Student verschwunden: Jagt Kim Jong Un seinen Cousin in Paris?
Aktualisiert

Student verschwundenJagt Kim Jong Un seinen Cousin in Paris?

Der Sohn des in Nordkorea hingerichteten Jang Song Taek, Onkel von Diktator Kim Jong Un, studiert in Paris. Jetzt ist er verschwunden. Am Flughafen gab es zuvor einen Kidnapping-Versuch.

von
gux
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Eine unglaubliche Demütigung: Der mächtige Vizevorsitzende der Nationalen Verteidigungskommission, Jang Song Taek, wurde vor laufender Kamera aus einer Sitzung des Politbüros abgeführt, aller Ämter und Titel enthoben und aus der Partei ausgeschlossen.

Eine unglaubliche Demütigung: Der mächtige Vizevorsitzende der Nationalen Verteidigungskommission, Jang Song Taek, wurde vor laufender Kamera aus einer Sitzung des Politbüros abgeführt, aller Ämter und Titel enthoben und aus der Partei ausgeschlossen.

KCNA
Die von den nordkoreanischen Machthabern verbreiteten Bilder lassen das Bevorstehende erahnen.

Die von den nordkoreanischen Machthabern verbreiteten Bilder lassen das Bevorstehende erahnen.

Keystone/Rodong Sinmun / Handout
Jang Song Thaek galt als Mentor und politischer Lehrer seines Neffen Kim Jong-Un.

Jang Song Thaek galt als Mentor und politischer Lehrer seines Neffen Kim Jong-Un.

Keystone/Yonhap

Die französische Polizei sucht einen jungen Nordkoreaner. Seit 15 Tagen ist der Student, der in Paris Architektur studiert, verschwunden. Der junge Mann, von dem nur der Name Han bekannt ist, soll der Sohn von Jang Song Taek, dem Onkel von Diktator Kim Jong Un sein. Kim hatte seinen Onkel letzten Dezember während einer Sitzung des Politbüros hinrichten lassen, vor laufender Kamera. Der Vorwurf: Staatsfeindliche Akte, Korruption und Drogenmissbrauch. Medienberichten zufolge soll er von einer Meute Hunde zerfleischt worden sein (siehe Link-Liste).

Hinweise auf das Leben der Familie wurden aus den nordkoreanischen Medienarchiven gelöscht. Jetzt will man offenbar auch die im Ausland lebenden Familienmitglieder auslöschen. Jedenfalls berichtet «Le Parisien», dass der junge Nordkoreaner in der ersten Novemberwoche am Pariser Flughafen fast entführt worden sei: Unbekannte hätten versucht, Han in ein Flugzeug nach Pjöngjang zu schaffen.

Noch ist unklar, was dann genau geschah – oder wo Han jetzt ist. Gelang ihm die Flucht und versteckt er sich irgendwo in Frankreich? Konnte die französische Polizei am Flughafen einschreiten und den jungen Nordkoreaner vor seinen Häschern schützen? Oder konnten ihn die nordkoreanischen Agenten am Schluss doch einfangen und zu seiner Hinrichtung nach Nordkorea fliegen?

Mehrere Vertraute von Kims Onkel hingerichtet

Sicher ist nur, dass Han seit zwei Wochen nicht mehr an der renommierten École Nationale Supérieure d'Architecture im Osten von Paris gesehen wurde und die französische Staatsanwaltschaft den Fall laut Justizkreisen untersucht. Sie muss bei diesem pikanten und hochpolitischen Fall umso mehr Fingerspitzengefühl an den Tag legen, da Frankreich neben Estland der einzige europäische Staat ist, der keine offiziellen diplomatischen Beziehungen zu Nordkorea unterhält.

Student Han dürfte nicht der einzige im Visier des diktatorischen Regimes sein: Die Nachrichtenagentur Yonhap hatte Ende Oktober berichtet, dass Machthaber Kim seit Jahresbeginn etwa 50 Menschen hingerichtet habe. In mehreren Fällen handelte es sich um Vertraute von Kims hingerichtetem Onkel.

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