Mobbing und Schikane auf der Verwaltung von Hofstetten-Flüh

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Hofstetten-Flüh SOJahrelanges Mobbing auf der Verwaltung – Täter darf bleiben

In der Gemeinde Hofstetten-Flüh SO wurde eine Mitarbeiterin von einem Kollegen massiv schikaniert. Während sie in psychologische Behandlung musste, behielt er seine Stelle.

von
Gandalf Weidemann
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In der Gemeindeverwaltung Hofstetten-Flüh hatte ein Mitarbeiter seine Arbeitskollegin regelmässig gemobbt. Dadurch musste sie sich in psychologische Behandlung begeben.

In der Gemeindeverwaltung Hofstetten-Flüh hatte ein Mitarbeiter seine Arbeitskollegin regelmässig gemobbt. Dadurch musste sie sich in psychologische Behandlung begeben.

Wikimedia/Roland Zumbuehl
Er hatte ihren Computer immer wieder lahmgelegt, Dokumente manipuliert und Programme zum Absturz gebracht.

Er hatte ihren Computer immer wieder lahmgelegt, Dokumente manipuliert und Programme zum Absturz gebracht.

20min/Raphael Knecht (Symbolbild)
Serviceboxen Boxen Sorebo Mobbing

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20 Minuten

Darum gehts

  • Im vergangenen Jahr mobbte ein Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung Hofstetten-Flüh SO seine Kollegin so stark, dass diese in psychologische Behandlung musste.

  • Die Gemeinderatssitzung hatte am Dienstag den Entschluss gefasst, dem Täter nicht zu kündigen, sondern «disziplinarisch» zu bestrafen.

  • Grund dafür sind seine Einsicht und dass er noch nie negativ aufgefallen sei. 

In der Verwaltung der Gemeinde Hofstetten-Flüh im Kanton Solothurn kam es jahrelang zu massiven Mobbing-Vorfällen. Ein Mitarbeiter regelmässig an dem Computer seiner Kollegin zu schaffen gemacht, wie Aufnahmen einer Videoüberwachung belegen. Während sie sich deshalb in psychologische Behandlung begeben musste, sieht der Gemeinderat von der härtesten Bestrafung – einer Kündigung des Täters – ab.

Die disziplinarische Bestrafung des Angestellten hat der Gemeinderat an seiner jüngsten Sitzung beschlossen, wie aus einer am Mittwochabend publizierten Medienmitteilung hervorgeht. Der Entscheid sei vom Gesamtgemeinderat getroffen worden, auf Basis eines Berichts einer Untersuchungskommission. In der Beurteilung hätten das Eingeständnis des Täters und dass er vorher nie negativ aufgefallen war, zu seinen Gunsten gewirkt. Aufgrund der entlastenden Faktoren sei eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses nicht verhältnismässig.

In seiner Bewertung kommt der Gemeinderat aber klar zum Schluss, dass die Handlungen ihres Mitarbeiters als Mobbing zu qualifizieren sind. «Er hat mit seinem Fehlverhalten bewusst in Kauf genommen, dass die Leistung der gesamten Gemeindeverwaltung in Mitleidenschaft gezogen und der Gemeinde dadurch Schaden entstanden ist», so der Gemeinderat. Dies sei eine «schwerwiegende Dienspflichtverletzung».

Lohnkürzung und Anstellung auf Bewährung

Durch die wiederholten Manipulationen am Computer seiner Arbeitskollegin habe er ihre Leistung negativ beeinflusst und in Kauf genommen, dass Daten verloren gingen. Die betroffene Mitarbeiterin ist, wie die Gemeinderätin Andrea Meppiel (SVP) gegenüber der «Basler Zeitung» bestätigte, nach wie vor krankgeschrieben.

Der fehlbare Mitarbeiter wird nun für zwei Jahre in ein provisorisches Dienstverhältnis gestellt und mehrere Lohnstufen zurückversetzt. Eine Massnahme, die aufgehoben werde, falls er sich in den jährlichen Mitarbeiterbeurteilungen bewährt. Darüber hinaus muss er die gesamten Verfahrenskosten bezahlen. 

Der Beschluss ist noch nicht rechtskräftig. Der 20-seitige Bericht der gemeinderätlichen Kommission, die den Mobbing-Fall untersucht hatte, ist nicht öffentlich. Der Gemeinderat bedauere, dass der Fall nicht von Beginn dem Recht entsprechend angegangen worden sei.

Hast Du schon unter Mobbing gelitten?

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von (Cyber-)Mobbing betroffen? 

Hier findest du Hilfe:

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Fachstelle Mobbing (kostenpflichtig)

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Hilfe bei Mobbing, Fachstelle für Schulen und Eltern (kostenpflichtig)

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

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