Aktualisiert 28.03.2007 11:43

«Jahrhundertflut» künftig alle drei Jahre?

Zwei Drittel der grössten Städte der Welt sind direkt von den bis Ende des Jahrhunderts beträchtlich steigenden Meeresspiegeln bedroht. Experten warnen die Regierungen: «Zieht weg von der Küste!»

Sie könnten katastrophale Folgen nur durch hohe Investitionen und kostspielige Massnahmen wie der Umsiedlung ganzer Industrie- und Wohngebiete vermeiden, wie aus einer am Mittwoch in London veröffentlichten Studie hervorgeht. Es ist die erste von Fachleuten überprüfte Untersuchung, die von New York über London und Schanghai bis Tokio die am meisten von Hochwasserkatastrophen gefährdeten Regionen benennt.

Weg von der Küste

In den gefährdeten Küsten-Ballungsräumen leben zurzeit in mehr als 180 Ländern 634 Millionen Menschen, schreiben die Autoren in der Londoner Fachzeitschrift «Environment and Urbanization». Rund 70 Prozent dieser Länder hätten Städte mit mehr als fünf Millionen Einwohnern in diesen Ballungsräumen. Besonders anfällig seien Küstenregionen in Asien und insbesondere arme Länder. Das Bevölkerungswachstum in diesen Regionen sollte bereits jetzt gestoppt werden.

«Die Migration weg von den Gefahrenregionen wird notwendig, teuer und schwer durchzusetzen sein», schrieb Koautor Gordon McGranahan vom Internationalen Institut für Umwelt und Städtebau in London. «Küstensiedlungen müssen also auch modifiziert werden, um Einwohner zu schützen.»

Massnahmen jetzt treffen

In dem Artikel von McGranahan, Deborah Balk und Bridget Anderson hiess es weiter, dass die einfachen Lösungen nicht mehr zu verwirklichen seien, wenn die Folgen des Klimawandels in den betroffenen Küstenregionen sichtbar sein werden.

Der Weltklimarat, der im Februar einen Anstieg des Meeresspiegels um 18 bis 58 Zentimeter bis zum Ende des Jahrhunderts prognostizierte, will in der kommenden Woche seine Warnungen konkretisieren. In einem Bericht über die Auswirkungen des Klimawandels auf Gesundheit, Städte, Landwirtschaft, Industrie und verschiedene Tier- und Pflanzenarten heisst es, bis 2080 könnten jährlich 100 Millionen Menschen von Hochwasserkatastrophen betroffen sein. Der Bericht wurde der Nachrichtenagentur AP in London vorab bekannt.

Wirtschaftsboom in China gefährdet

In der in London veröffentlichten Studie wird besonders auf die Gefährdung Chinas hingewiesen. Durch den Wirtschaftsboom habe in den vergangenen Jahren eine Massenwanderung in die Küstenregionen stattgefunden, in denen grosse Industriezonen entstanden. «Wenn nichts passiert, besteht die Möglichkeit, dass mit den in den niedrig gelegenen Küstengebieten auch Chinas wirtschaftlicher Erfolg auf dem Spiel steht.» Die fünf Länder mit der grössten Bevölkerung in bedrohten Küstengebieten seien China, Indien, Bangladesch, Vietnam und Indonesien.

Im schlimmsten Szenario werden bis 2090 Städte wie Los Angeles und New York alle drei bis vier Jahre von «Mega-Fluten» heimgesucht, die bisher in Nordamerika nur alle 100 Jahre auftreten. (dapd)

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