«Jahrhundertfund» in Ägypten
Aktualisiert

«Jahrhundertfund» in Ägypten

Bei Ausgrabungen in der antiken Stadt Bubastis im ägyptischen Nildelta sind Potsdamer Wissenschaftler nach eigenen Angaben auf einen Jahrhundertfund gestossen.

Gemeinsam mit ägyptischen Kollegen hätten sie in Tell Basta einen «Bilinguae-Stein» aus dem Jahre 238 vor Christus entdeckt, bestätigte Grabungsleiter Christian Tietze am Montag. «Ein vergleichbarer Stein ist seit rund 120 Jahren nicht mehr gefunden worden.»

In den grauen Granit sei in zwei Sprachen - allerdings in drei Schriften - ein Dekret von König Ptolemaios III. Euergetes II. gemeisselt. Der Fund entspreche in seiner Art dem «Stein von Rosette», der 1799 die Entzifferung der altägyptischen Hieroglyphen ermöglicht hatte.

Antike Hauptstadt

Der 99 Zentimeter hohe, 84 Zentimeter breite und 65 Zentimeter tiefe Stein wurde bei den seit 13 Jahren laufenden Ausgrabungen in einer Tempelanlage der antiken Stadt Bubastis entdeckt. Bubastis war im 8. Jahrhundert vor Christus Hauptstadt Ägyptens. In den Stein waren ursprünglich drei Schriften eingemeisselt - neben Griechisch und Demotisch (volkstümliche Hieroglyphen-Schrift) das ältere Hieroglyphisch.

40 Prozent sind nach Auskunft von Tietze erhalten. Das Grabungsareal wird Tell Basta genannt und liegt etwa 90 Kilometer nordöstlich von Kairo. «Es war ein Zufallsfund», sagte Tietze. Der Stein - ein Fragment einer Stele - sei neben der vor zwei Jahren entdeckten Statue einer Gemahlin von Ramses II. gefunden worden.

Kalenderreform

Das in den Bilinguae-Stein gemeisselte Dekret erlangte nach den Worten Tietzes Berühmtheit wegen der darin veranlassten Reform des ägyptischen Kalenders, die allerdings erst rund 250 Jahre später unter Cäsar vollzogen wurde. Ausserdem sind in den 24 demotischen und 67 griechischen Textzeilen die Wohltaten des Königs Ptolemaios festgehalten.

(sda)

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