Comeback der Ampeln: «Jahrzehntelang hiess es, Kreisel seien die beste Lösung»
Aktualisiert

Comeback der Ampeln«Jahrzehntelang hiess es, Kreisel seien die beste Lösung»

Die Strassen des Kantons Luzern sind zunehmend überlastet. Um das Problem in den Griff zu bekommen, sollen Kreisel wieder zu Kreuzungen mit Ampeln umgebaut werden. Die Pläne stossen auf Unverständnis. 

von
Matthias Giordano
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Im Kanton Luzern stehen die Ampeln vor ihrem grossen Comeback. Sie sollen das Verkehrsproblem in und um Sursee in den Griff kriegen.

Im Kanton Luzern stehen die Ampeln vor ihrem grossen Comeback. Sie sollen das Verkehrsproblem in und um Sursee in den Griff kriegen.

20min/Zoé Stoller
Die bis anhin als beste Lösung geltenden Kreisel dagegen haben offenbar ausgedient. Zumindest überall dort, wo es zu viel Verkehr kommt.

Die bis anhin als beste Lösung geltenden Kreisel dagegen haben offenbar ausgedient. Zumindest überall dort, wo es zu viel Verkehr kommt.

Suva
Auf ein solches intelligentes Ampelsystem, wie es die Stadt Luzern getestet hat, will künftig auch der Kanton setzen.

Auf ein solches intelligentes Ampelsystem, wie es die Stadt Luzern getestet hat, will künftig auch der Kanton setzen.

gwa

Darum gehts

  • Der Kanton Luzern will künftig wieder stärker auf Ampeln setzen statt Kreisel. Die Kehrtwende kostet viel Geld und überrascht.

  • Die Stadt Sursee und ihre Umgebung sind in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Damit hat auch der Verkehr stark zugenommen. Bis 2040 rechnet man weiter mit starkem Wachstum.

  • «Das zunehmende Verkehrsproblem lösen wir weder mit Kreiseln noch mit Ampeln», sagt Kantonsrat Zbinden. Viel wichtiger sei eine konsequente Förderung des öffentlichen Verkehrs und Veloverkehrs in der Region Sursee.

«Wir sind durchaus überrascht von der neuen Haltung des Kantons», sagt Samuel Zbinden, Kantonsrat der Jungen Grünen. Er gehört dem Wahlkreis Sursee an, wo der Kanton nun vorhat, sieben Kreiseln ein neues Ampelsystem zu verpassen (20 Minuten berichtete). «Jahrzehntelang hiess es, Kreisel seien die beste Lösung, jetzt kommt die Wende. Wenn sich die Fachleute einig sind, dass intelligente Ampelsysteme helfen können, ist das zumindest prüfenswert.» Auf jeden Fall sei es besser als noch mehr Beton und Strassen. Das Problem auf den Strassen Sursees jedoch würden die Ampeln nicht lösen.

«Wir fänden es kaum verantwortbar, jetzt alle diese Strassenkreuzungen neu zu gestalten», sagt auch Yvonne Zemp Baumgartner, Co-Präsidentin der SP Sursee. Ihr schwebt eine Zwischenlösung vor, in der die Kreisel stehen bleiben, zu Stosszeiten aber trotzdem mit Ampeln gearbeitet wird. «Den grossen Vorteil der Ampeln sehen wir bei der Busbevorzugung», sagt Zemp Baumgartner.

Diese intelligenten Ampelsysteme werden durch Algorithmen gesteuert. Die Grün-Phasen sind nicht einprogrammiert, sondern die Anlage berechnet selbst, wie der Verkehr am effizientesten abgewickelt werden kann. Positive Erfahrungen hat damit bereits die Stadt Luzern gemacht, wo solche Ampelanlagen die Tribschenstrasse regeln. Die Wartezeiten haben sich dort um ein Drittel reduziert.

«Velos und Busse brauchen pro Person viel weniger Platz als Autos»

Die Stadt Sursee und ihre Umgebung sind in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. Damit hat auch der Verkehr stark zugenommen. Bis 2040 rechnet man weiter mit starkem Wachstum. Gut 60 Millionen Franken will der Kanton nun in die Hand nehmen, um besonders belastete Knotenpunkte mit sogenannten intelligenten Ampeln auszustatten. «Das zunehmende Verkehrsproblem lösen wir weder mit Kreiseln noch mit Ampeln», sagt Kantonsrat Zbinden. Viel wichtiger sei eine konsequente Förderung des öffentlichen Verkehrs und des Veloverkehrs in der Region Sursee. «Velos und Busse brauchen viel weniger Platz pro Person als ein Auto, sind umweltfreundlicher und verursachen weniger Lärm», sagt Zbinden. Darum müsse auch das Umsteigen aufs Velo oder den ÖV attraktiver werden.

Ähnlich sieht das die SP: «Wir benötigen in der Region endlich ein umfassendes Radroutennetzwerk, um den Langsamverkehr attraktiv zu machen und mehr Leute aus der Region zum Umsteigen auf das Fahrrad zu bewegen», sagt Zemp Baumgartner. «Es muss uns gelingen mit Modellen wie Multimobilität und einem gut vernetzen öV und Sharing-Angebot (Velo und Auto) den motorisierten Individualverkehr zu verringern.»

Kommt bald das Ende des Kreisels?

«Ausgedient hat aus unserer Sicht nicht der Kreisel, sondern die sture Fixierung des Kantons auf den motorisierten Individualverkehr»

Samuel Zbinden, Luzerner Kantonsrat (Junge Grüne)

Auch die SP-Präsidentin hoffe nicht, dass die Zeit des Kreisels endet. «Wir wünschen uns viel eher, dass sich der Individualverkehr so reduziert, damit das System mit den Kreiseln, das grundsätzlich die meiste Zeit des Tages sehr gut funktioniert, bestehen bleiben kann.»

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