Aktualisiert 27.01.2011 23:34

Star StyleJaime steht auf eigenen Beinen

Mag sein, dass Schauspielerin Jaime Winstone das Talent ihrem Vater verdankt. Karriere hat sie aber allein gemacht.

von
Sarah Elena Schwerzmann
Foto: Keystone.

Foto: Keystone.

Draussen sind 10 Grad minus, und im 5-Sterne-Hotel Claridge's in der Londoner City ist die Heizung ausge­fal­len. Um Jaime Win­stones Oberschenkel flattert ein blau-violettes Chiffon-Kleidchen. «Ich muss für den roten Teppich heute Abend trainieren», sagt sie lachend.

In Partylaune

Im vergangenen Jahr waren die englischen Klatschspalten voll von Jaime: mit blondiertem Haar, meistens mit Drink in der Hand und auf wackligen Beinen. Keine Party in London, an der die 25-Jährige nicht kam, sah und rockte. Häufig war sie mit ihren Promi-Freundinnen Lily Allen, Daisy Lowe und Pixie Geldof unterwegs. Oder sie baumelte am Hals irgendwelcher süsser Jungs. Jaime findet das nur normal: «Ich bin 25, da soll man das Leben genies­sen, nicht wahr?»

Gleichzeitig macht Jaime als ernst zu nehmende Schauspielerin von sich reden: Sie hat sich in den vergangenen sechs Jahren ohne grosses Aufsehen, aber mit einer gehörigen Portion Disziplin vom Nobody zum neuen Star der englischen Filmszene hinaufgearbeitet. 2006, mit 20, spielte sie in der Kult­serie «Kidulthood» ein Mädchen, das sich dauernd die Kante gibt – ihre erste wichtige Rolle. Drei Jahre später stand sie bereits an der Seite der US-Stars Heather Graham und Gillian Anderson für die Kunstkomödie «Boogie Woogie» vor der Kamera.

In ihrem neusten Film «Made in Dagenham» spielt Jaime eine junge Frau, die Ende der 60er in einer Ford-Fabrik etwas ausserhalb von London Autositze zusammennäht und davon träumt, Model zu werden. Eine Rolle, die auf Jaime zugeschnitten ist – wie die sexy Retro-Outfits, die sie im Film trägt.

Vom Slum in die Villa

Wie ihre Filmfigur Sandra ist Jaime in einer trüben Sozialsiedlung am Stadtrand von London aufgewachsen. Dort beschränken sich die Berufsperspektiven vielleicht auf einen Job im Supermarkt. Das änderte sich schlagartig, als Jaimes Vater Ray als Schauspieler in Hollywood den Durchbruch schaffte: Die Familie Winstone zog um, in eine tolle Villa auf dem Land. «Es war der Horror! In London hatte ich alles vor meiner Haustür, am neuen Ort gab es nur Hügel und Schafe», sagt sie heute. Also schmiss sie die Schule und zog ins Zentrum Londons, in ein be­setztes Haus.

Zum Casting überredet

Schauspielern kam für Jaime damals noch nicht infrage: «Ich wollte auf keinen Fall das Gleiche machen wie mein Dad!» Rebellisch sei sie gewesen, richtig mühsam. Nachdem ein hartnäckiger Casting Director sie trotzdem überredete, an ein Vorsprechen zu gehen, wurde ihr klar: Doch, das ist es eigentlich, das will ich machen. Seitdem arbeitet Jaime langsam, aber beständig an ihrer eigenen Karriere. Ohne Vitamin D — ohne, dass Daddy mal ein gutes Wort einlegt. Wirklich? «Die Filmbranche ist knallhart, wer nicht überzeugt, wird abgeschrieben. Egal, ob mit oder ohne Empfehlung.»

Gleichheit, Freiheit, ...

In «Made in Dagenham» kämpfen die Näherinnen der Ford-Fabrik für Gleichberechtigung, was 1968 noch niemand verstand – nicht mal die Ehemänner der streikenden Frauen selber. Mit bunten gemusterten Kleidern, viel Eyeliner und toupierten Haaren lässt der Film die 60er-Jahre aufleben und erzählt eine wahre Geschichte mit viel britischem Humor und einer Menge Charme.

«Made in Dagenham», jetzt im Kino

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