Aktualisiert 07.11.2013 08:05

Edelmarke Brioni

James Bonds Schneider kommt nach Zürich

Den feinen Brioni-Zwirn tragen Banker, Promis und Präsidenten. Nun zieht es die italienische Edelschneiderei mit einer eigenen Boutique nach Zürich. Die bisherigen Brioni-Verkäufer haben das Nachsehen.

von
S. Spaeth

Er ist von Hand genäht, sitzt perfekt und faltenfrei. James Bond trägt ihn, genauso wie Altkanzler Gerhard Schröder oder Ex-Uno-Generalsekretär Kofi Annan. Es geht um den Brioni-Anzug, aus feinstem Zwirn in den italienischen Abruzzen hergestellt. Ab Stange gibts den Brioni ab rund 4000 Franken, ein ausgefallenes Kaschmir-Modell nach Mass schlägt aber schon mal mit 20'000 Franken zu Buche.

Nun drängt die italienische Nobelschneiderei nach Zürich und wird im Sommer 2014 am Rande der Bahnhofstrasse eine eigene Boutique eröffnen. In unmittelbarer Nähe befinden sich die Edeluhrenmarken Patek Philipp und Breguet, schräg gegenüber die Privatbank Julius Bär. Offiziell bestätigen will der Hersteller, der jährlich rund 100'000 Anzüge herstellt, seinen Plan für Zürich nicht. Aufschluss darüber gibt aber eine Meldung im Handelsamtsblatt von Ende Oktober. Demnach hat Brioni Switzerland das Stammkapital der bisherigen Mieterin, der Boutique Laredo Zürich, übernommen.

Rätsel um Ablösesumme

Eingefädelt hat den Deal für das 200 Quadratmeter grosse Ladenlokal Standortberater Marc-Christian Riebe von der Location Group. Die Miete dürfte jährlich laut Brancheninsidern rund 600'000 Franken kosten. Wie viel die Italiener der bisherigen Mieterin als sogenanntes Schlüsselgeld fürs Überlassen von Lokal und Mietvertrag bezahlt haben, wollen weder Riebe noch Boutique-Besitzerin Ruth Ludl beantworten. Bekannt ist: Für Standorte in der Gegend der Bahnhofstrasse werden auch schon mal siebenstellige Ablösesummen bezahlt.

Dass Brioni mit einer eigenen Boutique nach Zürich kommt, liegt an der kaufkräftigen Kundschaft: Banker, Vermögensverwalter, Prominente – und Angeber. Für die einen zählt die zeitlose Klassik und der enganliegende Schnitt, für die anderen ist Brioni ein Statussymbol. Dass Zürich für Nobelmarken ein gutes Pflaster ist, zeigt auch eine UBS-Studie vom Herbst 2012, die Zürchern im internationalen Vergleich die höchste Kaufkraft und die grössten Nettoeinkommen bescheinigt. «Mit den lokalen Brioni-Händlern wurde eines der besten Ergebnisse weltweit erzielt», sagt Retailexperte Riebe.

Brioni-Konkurrernz in unmittelbarer Nähe

Die Zürcher Adresse für Brioni war bisher das Familienunternehmen Weinberg & Co. an der Bahnhofstrasse. Über verkaufte Stückzahlen mag Mitinhaber Ben Weinberg nicht sprechen, räumt aber ein, dass man zu den besten Brioni-Händlern der Schweiz gehöre. Die Konkurrenz durch die nur rund 250 Meter entfernte Brioni-Boutique spielt er herunter. «Wir sehen den Mono-Brand-Store als Ergänzung zu unserem Angebot», so Weinberg. Die Kunden würden ja nicht wegen der Marke Brioni, sondern wegen Auswahl, Beratung und der eigenen Schneiderei zu Weinberg kommen.

Brioni und 007

Einer der bekanntesten Brioni-Träger ist James Bond. Die Italiener stattete 007 zwischen den Filmen Golden Eye im Jahr 1995 und Casino Royale (2006) aus. Eine italienische PR-Firma liess einst verlauten, in Golden Eye würde der Geheimagent in 60 Prozent der Szenen Brioni tragen. Während der letzten beiden Filme gewann den Poker um Bonds Modemarke das US-Label Tom Ford. (sas)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.