28.06.2019 14:42

Hitze im Militär

«Jammert nicht so, wir sind viel schlimmer dran!»

Diese Woche startete die Sommer-Rekrutenschule – bei Temperaturen bis 39 Grad. Rekruten erzählen, wie sie mit der Hitze umgehen und welche Tricks helfen.

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mm
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Diese Woche begann die Sommer-Rekrutenschule.

Diese Woche begann die Sommer-Rekrutenschule.

Keystone/Gaetan Bally
Doch diese Woche zeigt sich der Sommer mit Temperaturen von bis zu 39 Grad Celsius von seiner extremen Seite.

Doch diese Woche zeigt sich der Sommer mit Temperaturen von bis zu 39 Grad Celsius von seiner extremen Seite.

Jakob Gruber
Während die Bevölkerung Glace essend in der Badi sitzt, ...

Während die Bevölkerung Glace essend in der Badi sitzt, ...

Keystone/Anthony Anex

Diese Woche zeigt sich der Sommer von seiner extremen Seite: Während die Bevölkerung Glace essend in der Badi sitzt, schwitzen RS-Frischlinge seit Montag in der Sommer- Rekrutenschule. Wir haben sie gefragt, wie sie der Hitze trotzen und welche Überlebensstrategien sie entwickelt haben.

Zwei Leute dehydriert im Spital

«Wir bekommen zwar nicht mehr Pausen, können aber, wenn immer möglich, die Zeit im Schatten verbringen. Die Zweier-Kolonne wird zu 99 Prozent im Schatten ausgeführt und wir dürfen viel trinken», sagt Rekrut Severin. Bei den hohen Temperaturen von gestern hätten sie ihre Tarnanzugsjacke ausziehen dürfen. In den Zimmern sei es allerdings viel zu heiss. «Bis jetzt sind zwei Leute dehydriert ins Spital eingeliefert worden.»

Ein weiterer Rekrut bestätigt, dass sie seit Mittwoch die Tarnanzüge ausziehen dürften. «Alle tragen Trinkflaschen auf sich. In unserem Theoriezelt ohne Kühlung herrschen jedoch Saunatemperaturen.»

«Immer den Mutz tragen»

Rekrutin Lorena rät: «Eine Camelbak-Flasche bringt sehr viel und erleichtert regelmässiges Trinken. Wenn immer möglich sollte man sich im Schatten aufhalten, den Mutz tragen oder nach Tenüerleichterung fragen.»

Markus nimmt die Hitze mit Ironie: «Ich freue mich unheimlich auf die Übung im C-Vollschutz und kann es kaum erwarten, auf langen Märschen mit voller Packung gegen den inneren Schweinehund anzukämpfen.» Was einen nicht töte, mache ja bekanntlich stark, so der Rekrut.

Eiswürfel sollen Hitze von innen nach aussen bekämpfen

«Bei uns haben sie angefangen, Eiswürfel als Teil des Mittagessens zu servieren», so Sebastian. Aber nicht, um sie ins Getränk zu kippen, sonder um darauf herumzuschlecken und zu -beissen. Laut Kommandant solle das die Hitze von innen nach aussen bekämpfen.

Die Hitze setzt vielen Rekruten zu. «Die normalen Bürger sollen mal nicht so jammern. Wir sind hier viel schlimmer dran!», sagt einer von ihnen.

«Ausbildner sind mit gesundem Menschenverstand gesegnet»

Die Armee habe Massnahmen gegen die Hitze ergriffen, sagt Sprecher Stefan Hofer. «Wir schauen, dass die grossen Anstrengungen auf die frühen Morgenstunden oder späten Abendstunden verlegt werden.» Ausserdem werden die Rekruten angehalten, viel zu trinken, wobei die Wasserzufuhr sogar kontrolliert werde. Erlaubt seien auch Camelbaks, also flache Behälter mit Trinkschlauch. «Zudem wird die Länge der Pausen der körperlichen Anstrengung angepasst und Übungen werden, wenn immer möglich, im Schatten oder in Gebäuden abgehalten», so Hofer.

Glücklicherweise seien die Kader und die Ausbildner mit gesundem Menschenverstand gesegnet und gesundheitliche Beschwerden aufgrund der Hitzewelle bisher nicht bekannt.

Sanfter Einstieg in den militärischen Alltag

Hofer verweist zudem auf das Projekt Progress, welches bereits seit einiger Zeit laufe: «Es wird darauf Rücksicht genommen, dass die Rekruten aus dem zivilen Alltag kommen. Wir fangen deshalb sanft an und belasten Rekruten nicht vom ersten Tag an.» So gebe es beispielsweise in der ersten Woche noch keine Märsche, sagt Hofer.

Er gehe deshalb davon aus, dass es in dieser Hinsicht keine grossen Programmanpassungen geben werde. «Letzten Endes hat die Armee jedoch einen Auftrag, auf dessen Erfüllung die Bevölkerung Anspruch hat. Bei dienstlicher Notwendigkeit spielt Kälte oder Hitze keine Rolle mehr», sagt Hofer.

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