Kolonialherrschaft: Japan entschuldigt sich bei Südkorea
Aktualisiert

KolonialherrschaftJapan entschuldigt sich bei Südkorea

Japan hat sich beim koreanischen Volk für die Schrecken der 35 Jahre dauernden Kolonialherrschaft entschuldigt.

Koreanische Unabhängigkeitskämpfer, die von Japan gehängt wurden (undatiertes Archivbild).

Koreanische Unabhängigkeitskämpfer, die von Japan gehängt wurden (undatiertes Archivbild).

Vor hundert Jahren hat Japan die koreanische Halbinsel besetzt. Am Dienstag entschuldigte sich das Land erneut bei Südkorea für die 35-jährige Herrschaft: Der angerichtete Schaden und das Leid seien immens gewesen, liess Japans Premier Naoto Kan verlauten.

«Ich drücke hiermit mein tiefes Bedauern und meine aus tiefstem Herzen kommende Entschuldigung aus für das Leid und die immensen Schäden, die durch das Kolonialregime verursacht wurden», erklärte der japanische Regierungschef in einem Schreiben. «Die Seite, die den Schmerz zugefügt hat, kann leicht vergessen, jene, die gelitten haben, können das nicht.»

Er hoffe, dass die Beziehungen zwischen Japan und Südkorea an diesem historischen Punkt tiefer und stärker würden, sagte Kan. Zugleich kündigte er die Rückgabe von Kulturgütern «in naher Zukunft» an.

Die japanische Mitte-links-Regierung hatte der Entschuldigung zuvor zugestimmt, bei konservativen Abgeordneten stiess sie auf zum Teil wütende Reaktionen. In der Vergangenheit hatte Tokio mehrfach um Verzeihung für die japanischen Aggressionen in der Region gebeten.

Wegen der Äusserungen aus dem konservativen Lager, das eine Verantwortung Japans für Krieg und Gewalt ablehnt, hatten die asiatischen Nachbarn die Entschuldigungen aber als unaufrichtig zurückgewiesen.

Südkorea fordert Taten

Kans Erklärung wurde in Südkorea vorsichtig begrüsst. Das Aussenministerium in Seoul teilte mit, Südkorea erkenne darin den Willen Tokios, die «unglückliche Vergangenheit» zwischen beiden Ländern zu überwinden. Allerdings erwarte Südkorea, dass «alle Japaner» diese Auffassung teilten.

In einem Telefonat mit dem japanischen Premier habe Südkoreas Präsident Lee Myung Bak zugleich erklärt, es sei wichtig, dass Japan der Erklärung Taten folgen lasse, sagte eine Sprecherin. Politische Parteien und private Organisationen kritisierten, dass Kan Vergehen wie Zwangsarbeit und -prostitution nicht erwähnte.

35 Jahre lang unterdrückt

Die japanische Herrschaft über Korea dauerte 35 Jahre lang. 1905 machten die Japaner Korea zu ihrem «Protektorat», fünf Jahre später annektierten sie die Halbinsel ganz. Auflehnung traten die Besetzer mit äusserster Härte entgegen: Als 1919 koreanische Nationalisten eine Unabhängigkeitserklärung veröffentlichten, ermordeten die Japaner mehr als 7000 Koreaner und unterdrückten die Bewegung.

Die Wut auf das koreanische Volk zeigte sich auch beim grossen Erdbeben in Tokio am 1. September 1923: Mehr als 5000 Koreaner wurden in der japanischen Hauptstadt massakriert, weil sie angeblich Brände gestiftet und Brunnen vergiftet hatten.

1937 wurde den Koreanern in ihrem eigenen Heimatland der Gebrauch ihrer Sprache und das Studium ihrer Geschichte verboten. Sie wurden gezwungen, japanische Namen zu tragen, die japanische Sprache zu benutzen und die Geschichte Japans als ihre eigene zu betrachten - einschliesslich der Verehrung von Kaiser Hirohito als Abkömmling der Sonnengöttin und lebender Gott.

Ende mit Zweitem Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkrieges wurden hunderttausende Koreaner in die japanische Armee oder in Zwangsarbeitslager, Koreanerinnen in mobile Bordelle für die japanischen Soldaten gezwungen. Allein bei den amerikanischen Atombombenangriffen auf Hiroschima und Nagasaki kamen im August 1945 mindestens 40'000 zwangsverschleppte Koreaner um.

Erst mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Herrschaft im August 1945 mit der Kapitulation Tokios beendet. Seitdem ist die koreanische Halbinsel in zwei Länder geteilt: in das kommunistische Nordkorea und das kapitalistische Südkorea. Der Befreiung vom Kolonialregime wird in Süd- und Nordkorea am 15. August gedacht. (sda/dapd)

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