Japan rückt näher an die Schweiz

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Japan rückt näher an die Schweiz

Die Schweiz und Japan nehmen Verhandlungen über ein wirtschaftliches Partnerschafts- und Freihandelsabkommen auf. Das haben Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey und der japanische Premierminister Shinzo Abe vereinbart.

Die Schweiz und Japan nehmen Verhandlungen über ein wirtschaftliches Partnerschafts- und Freihandelsabkommen auf. Das haben Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey und der japanische Premierminister Shinzo Abe am Freitag vereinbart.

Wie Staatssekretär Jean-Daniel Gerber vor den Medien darlegte, hat eine gemeinsame Studiengruppe Schweiz-Japan auf Behördenebene die Machbarkeit eines umfassenden Freihandelsabkommens untersucht und bejaht. Ihr Bericht empfehle die rasche Aufnahme von Verhandlungen.

In einem Telefongespräch haben Aussenministerin Calmy-Rey und Premierminister Abe vom Bericht der Studiengruppe zustimmend Kenntnis genommen. Verlaufen die Verhandlungen erfolgreich, kommt laut Gerber das erste präferenzielle Wirtschaftsabkommen zwischen Japan und einem europäischen Partner zu Stande.

Verhandeln im Alleingang

Geplant sei ein umfassendes Abkommen, das nicht nur Zollsenkungen vorsehe, sondern auch den Warenverkehr, Dienstleistungen, Investitionen und die Visaerteilung umfasse. Gleich laufende Interessen hätten die Schweiz und Japan namentlich auf dem Gebiet des geistigen Eigentums.

Bei den Finanzdienstleistungen stehe das Bankgeheimnis nicht zur Diskussion. Sich überschneidende Interessen bestünden auch im Tourismus. Die Schweiz verhandle nicht im Rahmen der EFTA, warte nicht auf die EU, sondern gehe im Alleingang voran, sagte Gerber. Sein Wunsch wäre, innerhalb eines Jahres zu einem Abschluss zu kommen.

Drittwichtigster Handelspartner

Die Wirtschaft unterstützt mit Nachdruck die Bestrebungen, eine schweizerisch-japanische Freihandelszone zu schaffen, wie ihr Dachverband economiesuisse mitteilte. Ein Freihandelsabkommen stärke die Position der Schweizer Wirtschaft in Japan und werde den grenzüberschreitenden Wettbewerb fördern.

Japan ist nach der EU und den USA der drittwichtigste Handelspartner der Schweiz. Die Warenexporte nach Japan beliefen sich 2005 auf 5,9 Milliarden Franken, die Importe auf rund 3 Milliarden. Die schweizerischen Direktinvestitionen betrugen 7,7 Milliarden, die japanischen 1,1 Milliarden. Schweizer Firmen beschäftigen in Japan rund 40 000 Mitarbeitende.

Abkommen mit Ägypten und Kanada

Fortschritte seien auch bei anderen Verhandlungen über Freihandelsabkommen erzielt worden, berichtete Gerber. Bundesrätin Doris Leuthard wird am 27. Januar in Davos zusammen mit Norwegen, Island und Liechtenstein das EFTA-Freihandelsabkommen mit Ägypten unterzeichnen.

Das Abkommen mit Ägypten liberalisiert den Warenhandel und beseitigt Diskriminierungen der Schweizer Industrieexporte auf dem ägyptischen Markt. Zusammen mit anderen Abkommen ermöglicht es den EFTA-Staaten, an der euro-mediterranen Freihandelszone teilzunehmen, die derzeit auf Initiative der EU entsteht.

Schliesslich rechnet Gerber damit, dass die seit neun Jahren laufenden Freihandelsverhandlungen mit Kanada bald abgeschlossen werden können. Das Abkommen soll der Schweizer Industrie und der Nahrungsmittelbranche den zollfreien Zugang zum kanadischen Markt eröffnen. (sda)

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