Japan wirbt aggressiv für Walfang
Aktualisiert

Japan wirbt aggressiv für Walfang

Gleich am ersten Tag der Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) ist es im italienischen Sorrento zum offenen Streit zwischen Befürwortern und Gegnern der Jagd auf die Meeressäuger gekommen.

Japan, Norwegen und Island drängten auf eine Freigabe der Tiere zum Abschuss, die USA, Grossbritannien und ein Grossteil Europas dagegen wollen sie weiter schützen.

Der japanische Beauftragte Minoru Morimoto sagte zu Beginn der viertägigen Tagung, sein Land verliere allmählich die Geduld. Wenn das seit 1986 geltende Moratorium nicht aufgehoben werde, wolle Japan die IWC verlassen und eine eigene Organisation gründen. Deutschland warf Japan und Island vor, unerlaubt Walfang zu betreiben.

Rund die Hälfte der 56 IWC-Mitgliedstaaten ist für eine Beibehaltung des Moratoriums, die andere Hälfte ist dagegen. Japan wirbt als weltgrösster Konsument von Walfleisch vehement für ein Ende des Abkommens. Neue Mitglieder aus Afrika und der Karibik unterstützen Japans Standpunkt.

Bei der Tagung in Sorrento deutet sich eine leichte Mehrheit für eine Aufhebung des Moratoriums an. Nötig ist jedoch eine Zweidrittelmehrheit - die als unwahrscheinlich gilt. Doch schon eine einfache Mehrheit wäre für die Walfanggegner nach Aussage von Tierschützern eine «Katastrophe».

Täuschungsmanöver?

Der deutsche Delegationsleiter Peter Bradhering sagte, Japan und Island betrieben unter der Tarnung der wissenschaftlichen Jagd «verkappten kommerziellen Walfang». Die wissenschaftlichen Ergebnisse, die «jedes Jahr wieder präsentiert» würden, seien im Grunde bekannt, sagte er am Montag dem Südwestrundfunk.

Peter Davies von der Tierschutzorganisation World Society for the Protection of Animals (WSPA) sagte, seit dem Moratorium habe der Walfang aus angeblich «wissenschaftlichen Gründen» wieder zugenommen. Dies müsse gestoppt werden. Der italienische Beauftragte Giuseppe Ambrosio sagte, Italien sei gegen den kommerziellen Walfang, respektiere jedoch andere Kulturen.

«Wissenschaftliche Zwecke»

Japan und Island fangen jedes Jahr hunderte Wale für angebliche «wissenschaftliche Zwecke». Nach Aussage von Morimoto will das Land seine Fangquoten im Nordpazifik zudem deutlich erhöhen. Auch in der Antarktis werde Japan seine «Forschungsaktivitäten» fortführen. Auch Norwegen ignoriert das Moratorium und will seine Fangquoten noch erhöhen.

Streit gab es am Montag ferner um einen Antrag Japans, Abstimmungen bei der Tagung künftig in geheimer Wahl zu machen. Die USA, Deutschland und Neuseeland lehnten dies energisch ab. Der neuseeländische Beauftragte Geoffrey Palmer sagte, dies wäre ein «riesiger Schritt zurück» in der Demokratie des IWC. (sda)

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