Aktualisiert 23.01.2015 13:01

«#ISISクソコラグランプリ»

Japaner lachen über IS und die japanischen Geiseln

In Japan bearbeiten Twitter-User die Bilder der beiden Japaner, die in Syrien der Terrormiliz IS in die Hände fielen. Beispiele für eine spezielle Art von Humor – kurz vor Ablauf der Lösegeldfrist.

von
nsa
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In Japan verbreiten sich am 22.01.2015 Photoshop-Bilder, die sich über die Geiselnahmen des IS lustig machen.

In Japan verbreiten sich am 22.01.2015 Photoshop-Bilder, die sich über die Geiselnahmen des IS lustig machen.

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Ein User drehte den Spiess um: Hier bedrohen die beiden Geiseln den Terroristen Jihadi-John.

Ein User drehte den Spiess um: Hier bedrohen die beiden Geiseln den Terroristen Jihadi-John.

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Ein Anderer ersetzte die Gesichter der Geiseln durch die von Manga-Figuren aus den Serien «Dragon Ball» und «One Piece».

Ein Anderer ersetzte die Gesichter der Geiseln durch die von Manga-Figuren aus den Serien «Dragon Ball» und «One Piece».

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Der «Islamische Staat» (IS) forderte am Montag 200 Millionen Dollar Lösegeld für das Leben von zwei Japanern, die der Terrormiliz in die Hände gefallen waren. Die Reaktion der Japaner auf diese Nachricht mag etwas befremden: Im Land der aufgehenden Sonne lacht man. Und das, obwohl der IS damit gedroht hatte, Kenji Goto und Haruna Yukawa umzubringen, sollte die japanische Regierung bis Freitag kein Lösegeld zahlen.

Die islamistische Terrororganisation hatte zuvor Bilder der beiden Entführten in den sozialen Medien verbreitet. Diese seien von den Terroristen digital bearbeitet worden – und das äusserst schlecht, so japanische Twitter-Nutzer gemäss «The Japan Times». Einen eindeutigen Beweis für die angebliche Fälschung blieben sie indes schuldig.

Unter dem Hashtag «#ISISクソコラグランプリ» (in etwa: ISIS Grand-Prix der schlechten Collagen) posten die Japaner nun ihre eigenen Kreationen im Internet – darunter Bilder von IS-Aliens und entführten Manga-Figuren. Beispiele zum japanischen Umgang mit dem IS-Terror finden Sie in der Bildstrecke.

Keine Botschaft vom IS

Derweil kämpft Japans Regierung nach Ablauf des von der IS-Miliz gesetzten Ultimatums um die Freilassung der beiden Geiseln. Die Extremisten hatten in einem am Dienstag veröffentlichten Video damit gedroht, die Japaner binnen 72 Stunden zu töten, es sei denn sie erhalten Lösegeld in Höhe von 200 Millionen Dollar. Die Frist ist heute Freitag abgelaufen.

Es gebe noch keine Nachricht von den Entführern, sagte Regierungssprecher Yoshihide Suga am Freitag in Tokio. Die Lage sei ernst.

Regierungssprecher Yoshihide Suga sagte am Donnerstag, Japan versuche auf allen möglichen Wegen, Kontakt zu denjenigen aufzunehmen, die den 47-jährigen Goto und den 42-jährigen Yukawa festhielten. Seit der Veröffentlichung des Videos habe man keinerlei Botschaft vomIslamischen Staat erhalten.

Tokio ohne diplomatische Verbindungen

Die Krise stellt das Vorhaben von Ministerpräsident Shinzo Abe auf die Probe, Japans Rolle bei internationalen Angelegenheiten auszubauen und dem eigenen Militär eine grössere Bedeutung zu geben. Tokio verfügt über keine starken diplomatischen Verbindungen im Nahen Osten.

Die bislang einzig öffentlich gemachte Initiative in demFall ist ein Angebot eines Experten für islamisches Recht, Ko Nakata. Der ehemalige Professor an der Doshisha-Universität von Kyoto hatte bei einem Auftritt eine Botschaft auf Japanisch und Arabisch vorgelesen, in der er an die Extremisten appellierte, noch nicht gleich zu handeln. «Zweiundsiebzig Stunden sind einfach zu kurz», sagte Nakata. Er äusserte seine Bereitschaft zu Verhandlungen. Er schlug zudem vor, über die Rothalbmond-Gesellschaft 200 Millionen Dollar an humanitärer Hilfe für Flüchtlinge und Bewohner in Gegenden anzubieten, die vom ISkontrolliert würden.

Nur wenig Optionen

Der japanische Journalist Kosuke Tsuneoka, der 2010 in Afghanistan als Geisel gehalten wurde, bot an, gemeinsam mit Nakata bei den Bemühungen um die Freilassung Gotos und Yukawas zu helfen. Zunächst war unklar, ob Tsuneoka und Nakata eine Reise nach Syrien erlaubt würde. Beide wurden von der japanischen Sicherheitspolizei befragt, weil sie verdächtigt wurden, einem japanischen Studenten helfen zu wollen, in das Bürgerkriegsland zu gelangen, um dort an der Seite des IS zu kämpfen.

Abe bleiben in dem Fall nur wenige Optionen. Dazu zählt, offen auf die Lösegeldforderung der Extremisten einzugehen oder einen Verbündeten wie die USA zu bitten, einen riskanten Rettungsversuch in Syrien zu unternehmen. Schliesslich kommt das japanische Militär nur zu Zwecken der Selbstverteidigung im eigenen Land zum Einsatz.

Mutter von Geisel fleht um Gnade

Mutter von Geisel fleht um Gnade

Kurz vor dem Ablauf eines Ultimatums für zwei Japaner in den Händen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat die Mutter einer Geisel die Kidnapper um Gnade angefleht.

«Bitte lasst ihn frei», sagte die Mutter von Kenji Goto, Junko Ishido. «Ich sage euch, den Leuten vom Islamischen Staat, dass Kenji nicht euer Feind ist.» (sda)

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