Ploom Tech: Japanische Lifestyle-Zigi in der Schweiz lanciert

Publiziert

Ploom TechJapanische Lifestyle-Zigi in der Schweiz lanciert

Nach Philip Morris und British American Tobacco drängt nun auch Japan Tobacco International in den Schweizer Markt der alternativen Tabakprodukte.

von
K. Wolfensberger
1 / 8
Japan Tobacco lanciert Ploom Tech: Ein Tabakverdampfungsprodukt, das den Tabak bei nur 30 Grad erhitzt.

Japan Tobacco lanciert Ploom Tech: Ein Tabakverdampfungsprodukt, das den Tabak bei nur 30 Grad erhitzt.

Japan Tobacco International
In Japan ist das Produkt bereits erhältlich.

In Japan ist das Produkt bereits erhältlich.

Akio Kon
Japan Tobacco International hat den Firmenhauptsitz in der Schweiz, genauer gesagt in Genf.

Japan Tobacco International hat den Firmenhauptsitz in der Schweiz, genauer gesagt in Genf.

Keystone/Salvatore di Nolfi

Rauchen verliert in Industrieländern wie der Schweiz zunehmend an Beliebtheit. Zu stark sind sich die Konsumenten der gesundheitlichen Risiken von Tabakprodukten inzwischen bewusst. Die Industrie versucht deshalb, sich neu zu orientieren und lanciert alternative Zigi-Produkte.

Da E-Zigaretten mit Nikotin hierzulande nicht verkauft werden dürfen, setzt die Tabaklobby in der Schweiz zumeist auf neuartige Lifestyle-Zigaretten, bei denen Tabak nicht mehr verbrannt, sondern nur noch erhitzt wird. Nach Philip Morris mit Iqos und British American Tobbaco mit Glo versucht mit Japan Tobacco International nun ein dritter Player Fuss zu fassen.

Tabak wird nur auf 30 Grad erhitzt

Das neue Produkt des Unternehmens, das international bisher vor allem für Zigarettenmarken wie Winston oder Camel bekannt war, heisst Ploom Tech. Präsentiert wurde es am Freitag an einer Pressekonferenz im zürcherischen Dübendorf. Bei der Technologie hinter der neuartigen E-Zigarette wird der Tabak indirekt mittels Dampf erwärmt, wobei weder Rauch, Rauchgeruch noch Asche erzeugt wird. Der Grund: Der in einer Kapsel mitgelieferte granulierte Tabak wird bloss auf 30 Grad erhitzt. Japan Tobacco hofft daher, dass die Verwendung von Ploom Tech dereinst sogar in Flugzeugen erlaubt wird.

Bisher gab es das Tabakprodukt nur in Japan. In der Schweiz ist es ab sofort bei Coop Pronto und am Kiosk erhältlich. Preislich ist die E-Zigarette im Vergleich zur Konkurrenz eher günstig. Ein sogenanntes Combo Kit mit dem Gerät und einer Nachfüllpackung von Tabakkapseln der Marke Winston gibt es für 25 Franken. Die einzelne Packung kostet 7.50 Franken.

Gesundheitsrisiken

Doch wie sieht es mit den gesundheitlichen Risiken beim neuen Produkt aus? «Ploom Tech hat das Potenzial, die Gesundheitsrisiken beim Rauchen zu verringern», sagt zumindest Yasuhiro Nakajima von Japan Tobacco International in Dübendorf. Studien würden belegen, dass mit dem Produkt «eine Reduktion der analysierten Substanzen um bis zu 99 Prozent im Vergleich zu Zigarettenrauch» erzielt werden konnte.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) ist mit dieser Argumentation allerdings nicht einverstanden. Ein Sprecher sagte zu 20 Minuten, dass man Rauchern zwar empfehle, ganz auf E-Zigaretten umzusteigen, wenn sie das Rauchen auf anderem Weg nicht aufgeben könnten oder wollten. Das Problem ist aber: Ploom Tech erhält nach wie vor Tabak. Dazu meint das BAG: «Wichtig ist, vollständig auf das Rauchen von Tabakzigaretten zu verzichten.»

Firmensitz in der Schweiz

Japan Tobacco International hat seinen offiziellen Firmensitz als Tabakunternehmen im Kanton Genf in der Schweiz. Die Firma kümmert sich um das internationale Geschäft des Japan-Tobacco-Konzerns. Nebst der neuen Ploom Tech vertreibt das Unternehmen in verschiedenen Ländern auch die klassische E-Zigarette Logic, die keinen Tabak beinhaltet. In der Schweiz ist Logic nicht erhältlich.

Herr Gutzwiller*, lohnt es sich für Raucher, auf E-Zigaretten umzusteigen?

Grundsätzlich geht man heute davon aus, dass solche Zigaretten etwas weniger schädlich sind. Allerdings: Das längerfristige Risikopotenzial ist schlecht untersucht und unklar.

Was bedeutet dies genau?

Schon vor zwei Jahren hatte beispielsweise der Kassensturz nachgewiesen, dass auch krebserregende Substanzen in den E-Zigaretten vorhanden sind. Zudem gibt es neuartige Lungenprobleme aufgrund von Fett-Verdampfung in den Geräten. Auch das Passivrauchen bleibt ein Problem, da die Substanzen aus der E-Zigarette auch in der Umgebungsluft messbar sind.

Was sollen Raucher tun, die ohne Ersatzzigaretten den Ausstieg nicht schaffen?

Schafft man es nicht alleine und braucht Unterstützung, so gibt es gute Angebote von den Lungen-, beziehungsweise den Krebsligen, oder auch Medikamente durch den Hausarzt.

*Felix Gutzwiller ist emeritierter Professor der Universität Zürich und leitete während 25 Jahren das Institut für Sozial- und Präventivmedizin. Das Interview wurde bereits im April 2017 im Rahmen der Lancierung des Zigarettenersatzes Glo von British American Tobacco geführt.

Deine Meinung