Hundeattacke Figino TI: «Jasper» darf Schweizer Boden nicht mehr betreten
Aktualisiert

Hundeattacke Figino TI«Jasper» darf Schweizer Boden nicht mehr betreten

Der Hund, der vor drei Wochen im Tessin die fünfjährige Rebecca attackierte, ist wieder bei seinem Herrchen in Italien. Der Terrier darf jetzt nicht mehr in die Schweiz kommen.

von
Deborah Onnis
Hund Jasper hat die fünfjährige Rececca ins Gesicht gebissen. (Screenshot Tele Ticino)

Hund Jasper hat die fünfjährige Rececca ins Gesicht gebissen. (Screenshot Tele Ticino)

Der Hund Jasper, der vor rund drei Wochen die fünfjährige Rebecca bei einem Spaziergang in Figino TI am Luganersee angegriffen und schwer verletzt hatte, ist wieder bei seinem Halter in Italien. Der acht Monate alte American Staffordshire Terrier hat die zehntägige Beobachtungsphase und alle gesundheitlichen und verhaltenspsychologischen Tests im staatlichen Hundeheim in Laveno-Mombello (Italien) bestanden. Das bestätigt das italienische Veterinäramt-Nord. Und trotzdem hatte der Hund bei Rebecca zugebissen. Martina Zanuso, Verantwortliche des staatlichen Hundeheims, kann sich den Vorfall nur schwer erklären: «Irgendetwas an diesem Mädchen muss in jenem Moment seinen Raubtierinstinkt ausgelöst haben.»

Obwohl die Tests alle positiv ausgefallen sind, muss sich Jasper in Zukunft einer regelmässigen verhaltenspsychologischen Untersuchung unterziehen. Dies hat das italienische Veterinäramt verordnet. Der Hund darf zudem ab sofort nur noch mit Maulkorb und mit einem Brustgeschirr ausgeführt werden. Auch wurde der Halter über die artgerechte Haltung aufgeklärt. «Der Besitzer darf Jasper auch nicht in die Nähe von älteren Menschen oder Kindern lassen», sagt Mario Orsola, Leiter des italienischen Veterinäramts-Nord. Weiter wurde das Umfeld des Hunds zu Hause überprüft. «Der Halter musste sicherstellen, dass der Hund niemanden gefährden kann.»

Jasper darf Schweizer Boden nicht mehr betreten

Der Kampfhund wird also weiterhin bei seinem Besitzer bleiben können, unter der Bedingung, dass sich dieser an die Verordnungen hält. «Tut er das nicht, wird Jasper beschlagnahmt», so Orsola. Weitere Konsequenzen erwarten ihn auf der italienischen Seite nicht. Anders sieht es aber aus, wenn der Halter mit Jasper Schweizer Terrain betreten sollte. Hierzulande gilt für den Vierbeiner laut Tessiner Veterinäramt ein Einreiseverbot. «Wir würden den Hund sofort beschlagnahmen», sagt Claudio Realini vom Tessiner Veterinäramt. Die Tessiner Zollbehörde und kantonale Veterinärämter werden demnächst darüber informiert.

Zudem wurde auch die Bevölkerung des vom Hundebesitzer oft besuchten Gebiets gebeten, den Behörden sofort zu melden, falls Jasper irgendwo wieder auftaucht. Laut verlässlichen Quellen ist das Risiko gross, dass sein Herrchen nicht zum letzten Mal ins Tessin gekommen ist. Er soll in der Region einige Freunde und Bekannte haben. Laut denselben Quellen ist er in Italien vorbestraft, weil er mit dem Motorrad einen alten Mann angefahren hat.

Härtere Strafen in der Schweiz

Schlimmere Konsequenzen hätten dem Hundehalter gedroht, wenn er in der Schweiz ansässig gewesen wäre. Dies bestätigt das Tessiner Veterinäramt: «Hätte man den Halter als ungeeignet eingestuft, dürfte er keinen Hund dieser Rasse mehr besitzen.» Für «Jasper» hätte man einen anderen, geeigneten Halter gesucht, im schlimmsten Fall wäre er in einem Hundheim gelandet. Trotzdem: Ganz ungeschoren kommt «Jaspers» Halter auch hierzulande nicht davon. In der Schweiz dürfte es einen Zivilprozess geben, bei dem die Opfer-Entschädigung geklärt wird.

«Rebecca kann schon wieder lachen»

Eine grosse Narbe ziert noch Rebecca D.s zierliches Kindergesicht. Der Angriff von «Jasper», ein American Staffordshire Terrier, der in Figino TI die Fünfjährige ins Gesicht biss, liegt bereits drei Wochen zurück. Mittlerweile scheint der Alltag in Rebeccas Leben fast zurückgekehrt zu sein. Nur fast. «Die grösste Narbe von der Nase bis zur Lippe darf noch nicht der Sonne ausgesetzt werden, deshalb muss die Kleine bei schönem Wetter jeweils eine dicke Salbenschicht auftragen», erzählt ihr Vater Fausto D. Sie könne jetzt aber schon wieder in den Kindergarten gehen.

«Sie lacht auch schon wieder.» Zwar mit einem Zahn weniger, da sie einen durch die Beissattacke verloren habe, aber trotzdem scheint sie laut ihrem Vater den Vorfall gut zu verarbeiten. Ein psychologischen Begutachtung bestätigt diesen Eindruck: «Die Ärzte sagen, dass das Mädchen bis jetzt kein Trauma davon getragen hat.» Offen bleibt jedoch, ob wegen der Narbe ein weiterer chirurgischer Eingriff nötig sein wird. Es stünden noch einige Termine bei Spezialisten an.

Deine Meinung